Sekundenschlaf: Arzt verursacht Unfall

Erding - „Er sei wohl eingeschlafen“, so erklärte ein 59-jähriger Arzt den von ihm verursachten Unfall und handelte sich damit einen Strafbefehl ein, gegen den er Widerspruch einlegte. Jetzt wurde der (Un-)Fall vor dem Amtsgericht Erding verhandelt.

Der in einer österreichischen Klinik arbeitende Mediziner war am 18. Oktober auf der Anton- Bruckner-Straße Richtung Flughafen unterwegs. Kurz nach der Kreuzung mit der Dorfener Straße zog der Geländewagen über 300 Meter auf die Gegenfahrbahn und kollidierte mit einem Golf.

Dessen 18-jährige Fahrerin erlitt ein Schleudertrauma und Schulterprellung und es musste ein Splitter nahe am Auge entfernt werden. Die Mutter auf dem Beifahrersitz, erlitt ein Schädeltrauma, eine Schürfwunde am Knie und Gurtprellungen. Der Arzt kam unverletzt davon und klagte später nur über Kopfschmerzen. Noch am Unfallort räumte er sofort seine Schuld ein und vermutete, dass er „wohl eingeschlafen ist“. Dies erklärte auch gegenüber Unfallzeugen und der Polizei.

Erst im Verlauf der weiteren Unfallregelung zog er die Begründung zurück und legte schließlich Widerspruch gegen den Strafbefehl ein. „Es ist klar, dass er an dem Unfall Schuld hatte“, so seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Cornelia Kesch aus Simbach am Inn, doch „er sei nicht übermüdet gewesen“.

Der 59-Jährige schilderte, dass er nach acht Stunden Schlaf um sechs aufgestanden sei und am Vormittag nur Ambulanzdienst hatte. Um 13 Uhr sei er zunächst nach Hause und dann von Braunau am Inn aus nach Erding gefahren. Dabei hätte er zu keinem Zeitpunkt Anzeichen von Müdigkeit verspürt. Warum er aber auf die Gegenfahrbahn fuhr, dafür fand er keine neue Erklärung und gab nur an, er sei wohl abgelenkt gewesen, aber eine Übermüdung könne er ausschließen.

Richter Dr. Stefan Priller riet dem Angeklagten, seinen Einspruch zurückzuziehen, weil ihm Strafbefehl von einem geringeren Einkommen ausgegangen wurde. Nach Unterredung mit seiner Rechtsanwältin bestand der Angeklagte auf dem Verfahren und wurde zu 45 Tagessätzen von 80 Euro und einem Fahrverbot von zwei Monaten verurteilt. Es sei durchaus nicht ungewöhnlich, dass man sich am Ende eines Tages und erheblicher Strecke geschlaucht und müde fühlt. Diese Anzeichen hätte er bemerken müssen, denn das „gibt es nicht, dass jemand hellwach ist und plötzlich einschläft“, so Richter Priller.

(Gert Seidel)

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