So funktioniert’s: Stäbchen in die Nase, Stäbchen in die Flüssigkeit, Flüssigkeit auf die Testkapsel und dann warten. Lehrerin Susanne Gerlsbeck erklärt den Schülern der vierten Klasse an der Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg den Ablauf der Selbsttests. 
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So funktioniert’s: Stäbchen in die Nase, Stäbchen in die Flüssigkeit, Flüssigkeit auf die Testkapsel und dann warten. Lehrerin Susanne Gerlsbeck erklärt den Schülern der vierten Klasse an der Marie-Pettenbeck-Schule in Wartenberg den Ablauf der Selbsttests. 

Erste Erfahrungsberichte aus Schulen im Landkreis – Verständnis bei Schülern und Lehrern

Selbsttests für mehr Sicherheit

Erding - Seit einer Woche sind zwei Schnelltests pro Woche für Schüler und Lehrer Pflicht. Wir wollten wissen, wie es mit den Selbsttests an Schulen klappt.

Zwei Schnelltests pro Woche für alle Schüler und Lehrer, um am Präsenzunterricht teilnehmen zu können – seit vergangener Woche ist das an Bayerns Schulen Pflicht, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Die Lehrkräfte verteilen die Test-Kits an die Schüler, die sich dann eigenständig vor Unterrichtsbeginn testen – auch im Landkreis Erding.

Und so funktioniert’s: Das Stäbchen wird etwa zwei Zentimeter tief in die Nase eingeführt und dort hin- und herbewegt. 10 bis 15 Sekunden soll das Stäbchen im Nasenloch verbleiben. Anschließend wird es in Flüssigkeit getaucht. Schließlich landen ein paar Tröpfchen der Mixtur auf der Schnelltestkapsel – und dann beginnt das Warten auf das – hoffentlich negative – Ergebnis. Anschließend werden die Utensilien in einem Müllbeutel gesammelt, ordentlich verschlossen und entsorgt.

„Testen ist eine gute Strategie, nur der Ort ist falsch“, sagt Michael Oberhofer, Rektor der Grund- und Mittelschule Isen. Er fände es besser, wenn die Schüler sich zuhause am Esstisch, vor der Busfahrt und dem Unterricht, selbst testen würden. „Dadurch könnte sich die Lage deutlich entspannen und neutralisieren, da ein bereits positiver Schüler daheim bleiben würde und mit anderen nicht in Kontakt käme“, erklärt Oberhofer.

Das Testen an sich ist seinen Worten zufolge für die derzeitigen Präsenzklassen in Isen keine große Schwierigkeit: „Es sind aber auch die Großen. Im Moment sind drei vierte und zwei neunte Klassen im Haus“, erklärt Oberhofer. Mit Blick auf die Erst- und Zweitklässler, die aktuell noch Distanzunterricht haben, schätzt er die Situation allerdings schwieriger ein: „Einige der Kinder können noch nicht einmal ihre Schuhe binden. Wie sollen sie da einen Corona-Selbsttest machen?“

In der Herzog-Tassilo-Realschule in Erding wurde der Ablauf der Selbsttests schon vor den Osterferien mit den Schülern besprochen, sagt Schulleiter Tobias Schiller: „Ergänzend haben wir auch das Schulungsvideo gezeigt und vor allem auch pädagogisch den Fall einer positiven Testung thematisiert.“ Zwar würden die Tests Unterrichtszeit kosten, Schiller ist aber überzeugt: „Mit der Zeit werden sie sicherlich zügiger ablaufen als jetzt zu Beginn.“

Etwas komplizierter ist es am Gymnasium Dorfen: „In der Oberstufe erschwert das Kurssystem die Organisation, da man täglich anders zusammengesetzte Kurse in der ersten Stunde hat und nicht alle Schüler immer zur ersten Stunde anfangen“, erzählt Sonja Schweiger, Hygienebeauftragte des Gymnasiums. Schüler, die erst zur zweiten oder dritten Stunde Unterricht haben müssen sich also in einem Testraum melden und sich dort unter schulischer Aufsicht testen. Schweiger betont: „Die Lehrkräfte tragen diese Zusatzbelastung sehr gut mit, auch weil der Nutzen für die gesamte Schulfamilie gesehen wird.“ Auch die Schüler zeigten großes Verantwortungsbewusstsein und viel Verständnis.

Logistische Probleme gebe es bislang nicht. „Es gibt einen Vorrat, der aber bei Präsenzunterricht für alle Jahrgangsstufen sofort aufgebraucht wäre“, sagt Schweiger. Am Dorfener Gymnasium wären das 28 Klassen.

„Schulamtsdirektor Robert Leiter macht einen guten Job“, lobt Oberhofer. Die Isener Schule hat am Donnerstag einen großen Nachschub an Selbsttests erhalten. Derzeit seien rund 2000 vorhanden. Von einem „umfassenden Vorrat“ berichtet auch der Erdinger Realschulleiter Schiller. Und: „Es werden uns auch regelmäßig größere Stückzahlen zur Abholung bereit gestellt.“

Oberhofer, auch Kreisvorsitzender des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV), wünscht sich für alle Lehrkräfte ein Impfangebot. „Dann könnte man zum einen die Kinder besser schützen, zum anderen würde sich die Situation deutlich entspannen.“ Die Isener Pädagogen haben die erste Impfung bereits erhalten.

Schiller sagt: „Viele unserer Lehrkräfte wünschen sich eine schnellstmögliche Impfung.“ Aufgrund des Fachlehrerprinzips hätten die Realschullehrer Kontakt zu sehr vielen Schülern. Am Gymnasium Dorfen ist das ähnlich. „Eine Lehrkraft hat im Durchschnitt 200 bis 250 Schüler in der Woche, mit denen sie immerhin mindestens eine Dreiviertelstunde im selben Raum verbringt“, erklärt Schweiger.

ANNA HOBMAIER UND MAYLS MAJURANI

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