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Gemeinsam klappt’s: Reshad Ahmed Fida, Rosina Feichtlbauer, Silke Dommer vom Fischer´s Seniorenzentrum, Heimleiterin Michaela Heß-Sauer, Elisabeth Seitz, Bewohnerin des Kreisaltenheims, und Abdikariim Ahmed Hassan begeben sich gemeinsam auf die Reise durch das weltweite Netz. 

Projekt „Digital Grannies“ 

Senioren surfen mit Flüchtlingen im Netz

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Junge Flüchtlinge weisen Senioren in die Geheimnisse des Internets ein. So machen beide Seiten wertvolle Erfahrungen. Das Projekt „Digital Grannies“ hat Anna Maria Blau angestoßen. Ein Besuch vor Ort.

Erding – Computer-Bildschirme sind Fenster zur Welt. Sie zeigen ferne Länder, die Öffnungszeiten des Ladens nebenan und so vieles mehr. Doch gerade älteren Menschen sind diese Fenster häufig verschlossen. Für ein Dutzend Bewohner des Fischer’s Seniorenzentrums in Erding ändert sich das seit ein paar Monaten in kleinen Schritten. Sie nehmen am Projekt „Digital Grannies“ („Digital-Omas“) teil.

Junge Menschen – bisher sind es ausschließlich Geflüchtete – begleiten die Senioren bei ihren ersten Schritten im Netz. Eine der Digital Grannies ist Elisabeth Seitz. Der 18-jährige Afghane Reshad Ahmed Fida zeigt ihr, was passiert, wenn sie ihren Finger auf ein Touchpad legt und so einen Zeiger über den Bildschirm dirigiert.

Seitz und die weiteren Teilnehmer lernen, das ein Link zu einer anderen Seite „wie ein großes Lexikon“ sein kann. Sie unternehmen auf Google Maps Reisen in ihre frühere Heimat oder sehen Fotos von nie erreichten Sehnsuchtsorten.

„Die beste Form der Entwicklungshilfe“

„Es geht darum, Berührungsängste abzubauen“, sagt Initiatorin Anna Maria Blau. Digital Grannies ist der neueste Ableger ihrer Projekts Zukunftsmacher. Gerade ältere Menschen hätten oft nicht nur wegen der technische Hürden Sorgen, sondern auch wegen krimineller Fallen im Netz. „Darauf gekommen bin ich durch Erfahrungen mit meinen Eltern“, erzählt die 53-Jährige aus Hofsingelding (Gemeinde Wörth) über die Idee zum Projekt.

Zum Beispiel könnten manche besonders günstigen Stromtarife nur noch online abgeschlossen werden, oder in Nachrichtensendungen werde immer mehr auf zusätzliche Informationen im Internet verwiesen. „Da wird eine Gruppe Menschen schleichend ausgeschlossen“, sagt Blau, die sich selbst im weltweiten Netz bestens auskennt. Als freiberuflicher Coach und Beraterin in strategischer Unternehmensentwicklung arbeitet sie viel rein virtuell. Gerade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität – zum Beispiel in Pflegeheimen – könne das Internet ja so ein großer Gewinn sein.

Mit Digital Grannies will Blau verhindern, „dass sich solche Leute immer mehr vom Leben verabschieden“. Mit der Idee, dass junge Menschen den Älteren als Internet-Trainer zur Seite stehen, rannte Blau bei Michael Heß-Sauer, der neuen Leiterin im Fischer’s, offene Türen ein. Bisher gab es zwei Treffen im Jugendkulturhaus Sonic, das nächste ist Mitte Juli. Darauf hofft die Initiatorin nun auch in Orten wie Dorfen, Wartenberg und Taufkirchen. Sie will Digital Grannies auf weitere Senioreneinrichtungen ausdehnen. Reshad Fida habe bereits einen Stamm an Trainern an der Berufsschule kontaktiert.

Adia: Bildungsportal mit 185.000 Nutzern

Der Schwerpunkt von Blaus umfangreichem ehrenamtlichen Engagement lag bisher auf der Arbeit mit Geflüchteten. Das erfolgreichste ihrer Projekte ist das Bildungsportal Adia, das mittlerweile 185 000 Menschen nutzen, vor allem, um Deutsch zu lernen. Dieses Engagement brachte der 53-Jährigen kürzlich auch eine Einladung ins Bundeskanzleramt ein (wir berichteten). Im Rahmen dieses Projekts konnte Blau bereits über 300 Laptops an Heime für unbegleitete Minderjährige, Mittelschulen und Asyl-Helferkreise im Landkreis Erding verteilen. 15 Flüchtlingsunterkünfte wurden über mobile Datenverbindungen ans Internet angeschlossen.

Bei all dem helfen der Zukunftsmacherin gute Kontakte zu Konzernen wie Google oder Telefonica. Die jungen Internet-Trainer sind bisher ausschließlich Flüchtlinge aus dem Landkreis. „Sie können so von Nehmern zu Gebern werden“, sagt Blau. Diese Begeisterung sei den Beteiligten anzumerken. Unter den Senioren im Landkreis seien ja auch viele Schlesier. Flucht und Vertreibung gehörten also auch zu ihrem Leben. „Beiden Gruppen haben diese Verlusterfahrung“, die 53-Jährige, deren Familiengeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg auch tief von Vertreibung geprägt war. Bei dem Projekt werden Menschen zusammengebracht, jedem von ihnen auf unterschiedliche Weise die Welt geöffnet und am Ende sei das sogar „die beste und günstigste Form der Entwicklungshilfe“, meint Blau.

Von den Internet-Trainern rund um den Projektleiter, den 18-Jährigen Reshad Fida, wird nicht jeder in Deutschland bleiben können. Die Arbeit mit ihm und seinen Freunden sei gerade deshalb wichtig, meint die Hofsingeldingerin. „Sie lernen bürgerschaftliches Engagement kennen und nehmen Teile unsere Demokratieverständnisses in ihre Länder mit“, sagt Blau.

Rock’n’Roll-Videos auf Youtube

Bei den Internet-Treffen im Jugendkulturhaus sind solche Gedanken erst einmal nicht wichtig. Die Senioren begeben sich auf kleine virtuelle Reisen. Eine der Teilnehmerinnen kann gar nicht genug bekommen von Bildern aus Hamburg, an das sie so gute Erinnerungen hat. Zum Abschluss des Treffens hat sie Kopfhörer auf und klickt ein Rock’n’Roll-Video auf Youtube nach dem anderen an. Elvis, Bill Haley, Peter Kraus – die Welt ist für die Digital-Oma in nur einer Stunde um so viel größer geworden.

Weitere Informationen: www.zukunftsmacher.de

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