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Eigener Rocker-Pub als Partyraum: Ada und Antonio Garrapa aus Eichenkofen.

Serie Internationale Familien/Teil 7

Italien und Holland in Eichenkofen vereint

Heimatgefühle kommen bei Familie Garrapa gleich in mehreren Ländern auf: In Italien, in Holland, aber auch in Österreich und besonders in Deutschland. Vor allem aber im Landkreis Erding, wo sich die bunt gemischte Familie seit über 30 Jahren bestens eingewöhnt hat.

Eichenkofen Eigentlich wollte der 20-jährige Antonio Garrapa aus dem süditalienischen Apulien nach seinem Militärdienst 1981 nur ein paar Wochen Urlaub machen bei seinem Bruder in Erding. Doch es gefiel ihm hier so gut, dass er kurz entschlossen als Barkeeper in der Pizzeria Krone und später im Keltenhof jobbte. „Ich konnte am Anfang kein Wort Deutsch und musste mit Händen und Füßen reden“ sagt der Süditaliener (57) amüsiert.

Aufgewachsen ist er mit neun Geschwistern in dem Dorf Melpignano bei Lecce und hatte dort als Steinmetz gearbeitet. Der lebenslustige Antonio liebt die Geselligkeit und das Tanzen und trifft im Jahr darauf in der Diskothek „Schiaßn“ am Erdinger Volksfestplatz die junge Ada aus Moosinning.

Ada, geboren in Leiden in Holland, war mit ihrer holländischen Mutter und dem österreichischen Vater schon mit sieben Jahren nach Moosinning gezogen. „Mein Vater war für eine niederländische Firma tätig und wurde beruflich öfter versetzt. Da wollte er gern näher an seiner österreichischen Heimat leben“, erinnert sich Ada. Die heute 54-jährige hatte gerade eine Ausbildung zur Erzieherin an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Landshut begonnen. Beim ersten Kennenlernen sind beide noch an andere Partner gebunden, doch schon bald steht einer Beziehung nichts mehr im Weg.

Für Ada, die damals bereits holländisch, deutsch und englisch spricht, heißt es wieder Sprachenlernen. „Begonnen habe ich das Italienischlernen mit Comics und Wörterbuch“ sagt sie. Einen Kurs hat sie nie besucht. „Wir haben einen eigenen Mischmasch entwickelt, den hat sonst niemand verstanden“ schmunzeln die beiden.

Geburt während des WM-Finales

Anfangs wohnte das junge Paar zusammen mit Antonios Brüdern in einer Art „Familien-WG“, doch 1986 wurde es ernst und die beiden zogen in eine gemeinsame Wohnung in Erding. Die Hochzeit und Sohn Matteo machten das Glück perfekt. Unvergessen ist die Geburt von Matteo für seinen fußballbegeisterten Vater auch wegen der besonderen Umstände.

Denn der Stammhalter kam 1986 während des Endspiels der Fußball-WM zwischen Deutschland und Argentinien zur Welt. „Antonio und die Hebamme hingen am Radio“ erinnert sich Mutter Ada. Vier Jahre später macht Tochter Daniela das Familienglück komplett.

Der junge Familienvater hatte inzwischen der Gastronomie den Rücken gekehrt und arbeitete wieder in seinem alten Beruf als Steinmetz bei einem Natursteinwerk in Markt Schwaben. Mit den deutschen Kollegen verbesserte er seine Deutschkenntnisse erheblich.

Auch seine Fußball-Leidenschaft konnte er in Erding aktiv ausleben: Beim italienisch-deutschen Verein FC Cosmos Azzuri spielte er als Verteidiger und bekam dort seinen langjährigen Spitznamen: Antonio sprang als Feldspieler für den verletzten Torwart ein, dribbelte über das ganze Spielfeld und schoss als Torhüter ein Tor. Für den Trainer konnte das ja nur mit dem Teufel zugehen, und so wurde aus Antonio der „Diavolo“.

Die italienische Heimat behält der Toni jedoch im Herzen, die Familie verbringt jedes Jahr einige Wochen bei der italienischen Verwandtschaft. „Leider haben wir die Kinder nicht richtig zweisprachig erzogen“ bedauern die Eltern. Die Frage, ganz nach Italien zu ziehen, stellt sich zwar, doch gehen inzwischen die Kinder in Erding zur Schule, Ada arbeitet als Erzieherin zuerst in Klettham, dann im AWO-Märchenmond. Die Familie bleibt im Landkreis und erfüllt sich den Traum vom eigenen Haus.

Ein Jahr Wirte einer Pizzeria

„In dem alten Haus am Ortsrand von Eichenkofen war damals viel zu renovieren“ erinnert sich der begeisterte Handwerker Antonio. In jahrelanger Arbeit hat er sich hier ein behagliches Heim geschaffen.

Die Leidenschaft des Hausherrn für schnelle Zweiräder verrät der Partyraum mit „Rocker-Toni’s Biker Pub“. Ada hat mit 42 Jahren den Motorradführerschein gemacht und kann auf einer eigenen Maschine ausfahren. In der Bikerszene ist der „Rocker-Toni“ wohlbekannt und organisiert über Facebook Ausfahrten mit zahlreichen Gleichgesinnten aus nah und fern.

Nicht nur Benzin, sondern auch Musik im Blut hat der gebürtige Italiener, und so findet im weiten Umkreis keine Ü 30-Party ohne ihn statt. Auch hier organisiert er gemeinsame Partybesuche in seinem Bekanntenkreis.

Ada lässt den unternehmungslustigen Ehemann gerne allein das Tanzbein schwingen. „Man muss jedem Partner seine Freiheit lassen“ ist ihre Devise. „Meine Frau liebt die Mittelaltermärkte, das ist nicht so meine Welt“ erklärt er. Zu den Treffen des Veldener Mittelaltervereins „Streif Ulver“, den Ada mitgegründet hat, lässt er sie lieber allein gehen. Doch im eigenen Garten hat Antonio erst kürzlich ein „Wikingerhaus“ mit gemütlicher Feuerstelle gebaut.

Ein weiterer Traum, den sich Antonio in Deutschland erfüllt hat, war 2012 der einer eigenen Pizzeria. Geführt als Familienunternehmen mit den Kindern Matteo (31) und Daniela (27) im Service sowie Papa Antonio als Barkeeper, war die Pizzeria „La Pizzica“ in Mauggen eine tolle Erfahrung. Doch nach einem Jahr war Schluss: „Wir hatten keine Zeit mehr füreinander, für Freunde und Garten“ erinnert sich das Ehepaar.

Die Familie ist inzwischen angewachsen mit den Enkeln Fiorella (7), Angelo (4) und Diego (8). Die Urlaube verbringen die Garrapas immer noch in Italien im eigenen Haus in Antonios Heimatdorf. „Wenn wir mal in Rente sind, dann teilen wir das Jahr auf zwischen Deutschland und Italien.“ Peter und Gerda Gebel

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