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Zwei, die sich gefunden haben: Bärbel und Mahmud Foroughi. Die gebürtige Berlinerin und der Perser lernten sich währe nd des Studiums kennen und lieben. Zuhause sind sie seit den 1970er Jahren in Langengeisling.

Serie: Internationale Familien 

Persien im Herzen

Mit einem Anfängersprachkurs und großen Hoffnungen kommt Mahmud Foroughi von Teheran nach Deutschland. Seit 64 Jahren ist der Agraringenieur hier zuhause. An seiner Seite: Gattin Bärbel. Beide tragen Persien im Herzen.

LangengeislingAls Mahmud Foroughi 1953 als 17-Jähriger nach Deutschland kommt, heißt sein Heimatland noch Persien und wird vom Schah regiert. Der junge Mann beginnt in Schwaben mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung.

In Teheran hatte er einen Einsteiger-Deutschkurs absolviert, aber mit der schwäbischen Mundart seine Probleme. Alles war neu, anders und ungewohnt. „Nach zwei Wochen Mistaufladen wollte ich schon aufgeben“, erinnert sich der heute 81-Jährige. Doch er hält durch und besucht nach der Lehre die Höhere Ackerbauschule in Landsberg am Lech.

Beim Studium in Berlin kennen gelernt

Nach dem erfolgreichen Abschluss als Agraringenieur setzt er das Landwirtschaftsstudium an der TU Berlin fort. Sein Vater, persischer Kaufmann, der zwar hervorragend Kopfrechnen, aber kaum schreiben konnte, hatte den Kindern immer gepredigt: „Ihr müsst studieren!“

Das tut auch die junge Berlinerin Bärbel, Fachgebiet Gartenbau. So treffen sich die beiden in gemeinsamen Vorlesungen. „Mahmud dachte, er spricht perfekt Deutsch, aber wir haben ihn kaum verstanden, weil er nur bayerisch-schwäbisch geredet hat“, erzählt die heute 79-Jährige. Ihre Mutter ist anfangs nicht ganz glücklich über die Verbindung zu einem Perser, „aber der Mahmud hat sie schnell mit seinem Charme um den Finger gewickelt“, sagt Bärbel Foroughi.

Zum gemeinsamen Wohnen zwingt sie die Weltpolitik. Mit Freunden fahren sie im August 1961 nach Frankreich in Urlaub. Als sie zurückkommen, steht in Berlin die Mauer. Bärbel und ihre Mutter können nicht mehr in den Ostsektor zurück.

Mahmud und Bärbel schließen ihr Studium mit Diplom ab und promovieren. Danach entschließen sie sich, nach Persien zu gehen, um dort ihre Kenntnisse für ein deutsch-persisches Projekt und in der landwirtschaftlichen Forschung einzusetzen.

Für das Visum musste geheiratet werden, und das nicht nur einmal: „Bis die Heirat in beiden Ländern anerkannt war, haben wir die Prozedur mehrfach wiederholt“, amüsiert sich Mahmud Foroughi noch heute. Durch die Hochzeit bekommt seine Frau auch einen persischen Pass. Sie lebt sich schnell ein, lernt die Sprache und kann sich bald mit der persischen Verwandtschaft verständigen. Am Goethe-Institut unterrichtet sie Deutsch.

Mahmuds Mutter ist von der Schwiegertochter begeistert. Bärbel legt ihr den Garten neu an und und beeindruckt mit ihren praktischen Kenntnissen. Von ihrer Schwiegermutter lernt Bärbel viele Speisen kennen, die sie heute noch zubereitet. „Meine Frau ist eine tolle Köchin – egal, ob Persisch oder Deutsch“, schwärmt ihr Ehemann: „Ich darf ein bisschen schnippeln.“

Nach fünf Jahren kehrt das Ehepaar nach Deutschland zurück und zieht nach Langengeisling. Dr. Bärbel Foroughi findet eine Anstellung im Institut für Resistenzgenetik in Grünbach, dessen Leitung sie später übernimmt. Ihr Ehemann wird wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU München in Weihenstephan. Dann kehrt er als Dozent ans Agrarbildungszentrum in Landsberg zurück. Ein Traumjob für den ambitionierten Lehrer, den er bis zu seiner Pensionierung mit großer Freude ausfüllt.

Das Ministerium will den kompetenten Perser verbeamten, dafür ist jedoch die deutsche Staatsbürgerschaft erforderlich. Da ihn sein Heimatland nicht freigeben will, erhält Foroughi die doppelte Staatsbürgerschaft, damals eine Seltenheit.

In Langengeisling fühlt sich das Ehepaar zuhause. Mahmud liebt die bayerische Lebensart, mag Bier und Schweinsbraten, und besucht gerne seine Stammtische. „Mit dem früheren Geschäftsführer des Mayr-Wirt, Karlhans Kummer, haben wir oft bis in die Nacht geschafkopft, auch wenn die Wirtschaft schon geschlossen war“, erinnert er sich wehmütig. Auch sportlich ist er aktiv. Seit vielen Jahren spielt er Volleyball beim TuS Oberding.

Gemeinsam sieht man das Ehepaar beim Radfahren und Schwimmen. Beide lieben die Natur und genießen Wanderungen und Spaziergänge. Sie sind viel herumgekommen in der Welt. Immer dabei: eine Kamera. „Meine Frau ist eine ganz wunderbare Fotografin. Das ist ihr Hobby, besonders die Pflanzenfotografie“, sagt Foroughi. Seine Gattin ist es auch, die in ihm das Interesse für die europäische Kultur weckt, für das Theater und die bildenden Künste. Das Ehepaar hat keine eigenen Kinder, dafür unterstützt Mahmud Foroughi bis heute seine jüngeren Geschwister im Iran. Dort war er mit seiner Frau zuletzt anlässlich seines 80. Geburtstags.

Die persische Sprache wird auch in der bayerischen Heimat praktiziert. Die Ehepartner wechseln munter zwischen Deutsch und Persisch. „Vor allem, wenn die anderen Leute mal etwas nicht so genau hören sollen“, gibt Bärbel Foroughi schmunzelnd zu.

Flüchtlingshilfe: Als Dolmetscher gefragt

Ihr Mann hat die bayerische Lebensart verinnerlicht. Eine persische Eigenschaft pflegt er allerdings noch heute: die große Gastfreundschaft. Und noch etwas verrät seine Herkunft. Die vielen Perser-Teppiche im Haus.

Mahmud Foroughi ist dem deutschen Staat dankbar für die vielen Möglichkeiten, die er hier bekam. Heute engagiert er sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Seine Sprachkenntnisse sind sehr gefragt. Für ein harmonisches Zusammenleben ist es seiner Ansicht nach wichtig, „Verständnis füreinander zu haben und Kompromisse einzugehen“. Und seine Gattin ergänzt „Die Toleranz ist doch in jedem Zusammenleben wichtig.“ 

Gerda und Peter Gebel

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