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Berufssoldat Heinz Riener (63) aus Erding hat sich mit dem Kleingarten einen Traum erfüllt

Serie: Unser Kleingarten

Mit der Hex’ im Grünen

Sein Steckenpferd sind die Bäume, deshalb hat Heinz Riener davon gleich 17 Stück in seinem Kleingarten in der Anlage am Erdinger Volksfestplatz gepflanzt. Doch der zertifizierte Baumwart kümmert sich nicht nur um seine eigenen Bäume, er steht auch Gartenkollegen mit Rat und Tat zur Seite.

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ErdingMotorradfahren, Klettern, Laufen – damit hat der ehemalige Berufssoldat Heinz Riener (63) aus Erding bis vor 15 Jahren seine Freizeit verbracht. Ein schwerer Motorradunfall zwang den gebürtigen Münchner dann, sich nach einer neuen Freizeitbeschäftigung umzusehen. Schon als Kind hatte es der Spezialist für Tornado-Jets genossen, mit seiner Mutter zu garteln. Deshalb bewarb er sich für einen Kleingarten.

„Ich hatte anfangs keine Ahnung vom Pflanzen und Säen, musste mir alles Wissen nach und nach aneignen. Dass mich dabei die Bäume mehr faszinierten als die Blumen habe ich schnell gemerkt“, erinnert er sich. Der wissbegierige Neugartler war auch schon bald bereit, sich im Kleingärtnerverein zu engagieren und besuchte zahlreiche Kurse über Baumschnitt und -veredelung, Obst und seine Verarbeitung, die er mit einem Abschluss als „zertifizierter bayerischer Baumwart“ krönte.

Seinen Garten bewohnt der alleinstehende Riener nach eigener Aussage mit zwei Frauen, „mit der Hex’ und mit der Sieglinde“, erzählt er schmunzelnd. Die Hex’ ist eine etwa ein Meter hohe Figur, die Riener am Eingangstor postiert, wenn er im Garten oder in der Kleingartenanlage anwesend ist. Auf ein kräftiges Klatschen in die Hände reagiert die batteriebetriebene Hexe mit einem schaurigen Lachen, während ihre Augen rot blinken.

500 Pfirsiche geerntet

„Die Sieglinde liegt eher unter der Erde“, gibt der humorvolle Hobbygärtner zu. Gemeint ist die Kartoffelsorte, die er in seinem Garten anbaut. Für Rasen ist wenig Platz in der Parzelle, denn das Areal ist sorgsam aufgeteilt, um den verschiedenen Apfelbäumen, Zwetschgen, Quitten und Kirschen ausreichend Raum zu lassen. Dazwischen finden auch Tomaten und Säulenobst wie Johannisbeeren, Brombeeren, Felsenbirne oder Schisandra-Beeren ihren Lebensraum.

Die Früchte verarbeitet Riener eigenhändig zu Marmeladen, Konfitüren, Kompott, Säften oder Beerenwein. Die reiche Ernte ist aber manchmal kaum zu bewältigen: „Der zehnjährige Pfirsichbaum hat in diesem Jahr ungefähr 500 Früchte getragen“, schwärmt der Ex-Soldat, der bereits seit zehn Jahren in Pension ist.

Dass seine Experimente mit verschiedenen Baumveredelungen erfolgreich sind, beweisen auch die üppig wachsenden Äpfel an Spalieren sowie die Weintrauben, die er mit Organzasäckchen vor den Vögeln schützt. Das Gewächshaus mit Tomaten teilt er sich derzeit mit einem Schwarm Feldwespen, die in einer Ecke ihr Nest gebaut haben. „Es ist doch wichtig, dass die Insekten in der Anlage ihren Platz haben, sonst gibt es am Ende keine Bestäubung der Bäume mehr“, weiß der Gärtner.

In seinem Garten verbringt Riener bei gutem Wetter ungefähr drei Stunden täglich, in der gesamten Anlage ist er oft den ganzen Tag unterwegs, unterstützt die Vereinskollegen beim Baumschnitt oder berät sie bei Fragen zur Bepflanzung. Für den Baumschnitt hat er sich eine Profimaschine und einen Schutzanzug angeschafft.

Fast wie im Schlaraffenland wachsen Obst und Gemüse im Garten von Heinz Riener

Dass diese Arbeit ziemlich anstrengend sein kann, sieht der 63-jährige positiv. „Da spare ich mir das Fitness-Studio“, erklärt er. Das Superfood für die gesunde Ernährung zieht er sich selbst in seinem Garten, denn hier wächst auch die Amaranth-Pflanze, die als Wunderkorn der Inkas bezeichnet wird. „Die kleinen schwarzen Körner streue ich einfach über den Salat“, erzählt der rührige Gartler.

Im Verein engagiert sich Riener auch als Gartenschätzer, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn ein Pächter seinen Garten aufgibt. Anhand ausführlicher Tabellen ermittelt er in einer mehrstündigen Aktion den genauen Wert der auf der Parzelle zurückbleibenden Pflanzen und Bebauung. Diese Summe muss dann der neue Pächter an den Vorgänger bezahlen.

Lebensräume und Obstlehrwiese

Viel Herzblut steckt der versierte Gartenfreund auch in mehrere Projekte des Vereins. Neben den Plakaten für den jährlichen „Tag des Gartens“ hat er eine Obstlehrwiese in Anlehnung an den Landkreisgarten in Sankt Wolfgang angelegt. Auch das Projekt „Lebensräume“ betreut Riener federführend. Hier wurde das Gebiet um das ehemalige Klärbecken mit einem Biotop neu gestaltet. Rundherum bieten verschiedene Bauten Unterschlupf für Igel, Eulen, Fledermäuse, Vögel und Insekten.

Sein Garten bedeutet für Riener Arbeit und Urlaub zugleich. Er ist Ersatz für ein Fitness-Studio und Raum für fortlaufende Experimente an seinen Bäumen. Auch die sozialen Kontakte im Verein genießt der Schätzer und Baumwart. Was ihn oft ärgert, ist das Verhalten der Besucher. „Während dem Volksfest ist es besonders schlimm. Da verrichten die Betrunkenen sogar ihre großen und kleinen Geschäfte auf den Wegen, zerstören mutwillig Zäune und Pflanzen und lassen auch ihre Hunde einfach auf die Wege machen“, beklagt er.

Über die Jahre hat er da schon einiges erlebt, aber dass ein völlig betrunkenes Pärchen einmal sogar einen Rasenfleck gegenüber seinem Gartentürchen am helllichten Nachmittag für ein Schäferstündchen nutzte, amüsiert den 63-jährigen noch heute. Sein größter Wunsch im Verein wäre die Anschaffung eines Mini-Baggers. Dieser wurde ihm bei der letztjährigen Weihnachtsfeier erfüllt – allerdings nur in Form eines Spielzeugbaggers, der nun seine Laube ziert.

von Gerda und Peter Gebel

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