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Ermittler der Kripo Erding sicherten Spuren am Tatort. 

Amtsgericht Erding

Sexuelle Nötigung: Freiheitsstrafe für Pakistani

Erding - Es ist der Alptraum jeder Frau: Auf dem Herbstfest musste sich eine 37-Jährige dem sexuellen Übergriff eines Asylbewerbers zur Wehr setzen – mit einem Biss in die Zunge ihres Angreifers. Am Amtsgericht Erding wurde der Pakistani nun zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. 

Pünktlich zu seinem 26. Geburtstag musste sich der Angeklagte vor dem Schöffengericht für die Tat vom 1. September des vergangenen Jahres rechtfertigen.

Es war kurz nach Mitternacht, als eine Besucherin aus Markt Schwaben zusammen mit ihrer 17-jährigen Tochter das Herbstfest verlassen und zu ihrem am Kronthaler Weiher abgestellten Fahrzeug gehen wollte. Schon am Ausgang des Volksfestplatzes wurden die beiden von dem aus der Unterkunft in Isen angereisten Asylbewerber belästigt. Es konnte ihn nicht einmal aufhalten, dass die Mutter mit einer leeren Bierflasche auf seinen Arm schlug.

Der Pakistani folgte den beiden mit ein paar Metern Abstand. Als keine anderen Passanten mehr in Sicht waren, stieß er der Tochter in den Rücken. „Wir liefen wie um unser Leben“, sagte die 37-Jährige vor Gericht. Der Angeklagte habe sie überholt und auf der Wiese am Kronthaler Weiher angesprungen und umklammert, so dass sie auf den Boden gestürzt sei.

Mit seinem ganzen Gewicht lag er auf ihr, hielt sie fest und versuchte, ihr einen Zungenkuss zu geben. „Der war so in Rage“, sagte die Zeugin. Nicht einmal, dass ihre Tochter mit einem Handy auf seinen Kopf einschlug, beeindruckte ihn. „In Todesangst konnte ich mich mit einem beherzten Biss in die Zunge und Oberlippe befreien, und er rollte von mir herunter.“

Die 37-Jährige erlitt neben Kratzwunden und Hämatomen vor allem auch psychische Verletzungen und wagt heute noch nicht, bei Dunkelheit ohne Begleitung zum Auto zu gehen. Der Angeklagte räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben. Er wisse aber nicht mehr, was überhaupt geschehen sei. Er habe zum ersten Mal in seinem Leben Alkohol getrunken.

Einer seiner Mitbewohner, der mit dem Pakistani zuvor auf dem Volksfest gewesen war, berichtete von drei Maß Bier, die der Angeklagte getrunken habe. Zudem sei er schon vor dem Herbstfest einmal „völlig besoffen“ in die Asylunterkunft zurückgekehrt. Gegen den völligen Blackout sprach nach Ansicht eines Sachverständigen auch, dass der Angeklagte keine alkoholbedingten Ausfälle gezeigt habe. Er sei sogar schnell gelaufen und habe gehandelt – erst, als keine weiteren Personen mehr in der Nähe waren.

Der Angeklagte schaffte es sogar stark blutend zurück zum Weißbräuzelt. Erst dort brach er zusammen, und der Rettungsdienst wurde gerufen. In der Notaufnahme des Krankenhauses stellte man zwar 1,32 Promille fest, vermerkte jedoch, dass er „adäquat reagiert und subjektiv kaum beeinträchtigt“ sei.

Während die Staatsanwältin vier Jahre Freiheitsstrafe forderte, sah Pflichtverteidigert Thomas Krimmel die „Grenze der Erheblichkeit“ als strittig an. Bei dem Zungenkuss handle es sich um eine „sexuelle Nötigung am unteren Rand“. Um „die Kirche im Dorf zu lassen“, genüge eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Auch, weil sein Mandant seit der Tat in U-Haft sitze.

Das Schöffengericht Erding unter Vorsitz von Richter Björn Schindler mochte dem nicht folgen und verurteilte den Asylbewerber zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft.

Gert Seidel

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