Sexueller Übergriff auf 16-Jährige

Am zweiten Tag ist Barkeeper geständig

Kehrtwende im Prozess gegen einen Afghanen, dem sexueller Missbrauch einer Widerstandsunfähigen vorgeworfen wird:

Erding/Landshut - Der Barkeeper (29) hat den Sachverhalt am zweiten Verhandlungstag weitgehend eingeräumt. An Details des Übergriffs auf eine damals 16-jährige Erdingerin wollte sich der Angeklagte nicht mehr erinnern. Wohl aber daran, dass sie ihn angemacht und Sex gefordert habe.

Wie zum Auftakt des Prozesses vor der Jugendkammer des Landgerichts Landshut vor drei Wochen berichtet, hatte sich die 16-Jährige in der Nacht zum 22. Oktober 2016 mit mehreren Bekannten in einer Erdinger Bar aufgehalten und erhebliche Mengen Alkoholika zu sich genommen. Sie brach vor dem Lokal zusammen und wurde ins Innere zurückgebracht. Ärztliche Hilfe lehnte sie ab. Daraufhin gingen ihre Begleiter nach draußen. In dieser Zeit soll der Barkeeper der 16-Jährigen Hose und Unterhose ausgezogen und den Geschlechtsverkehr bis zum Samenerguss ausgeübt haben.

Am ersten Tag hatte der Angeklagte geschwiegen. Die Vernehmung des mutmaßlichen Opfers fand nicht-öffentlich statt.

Nun räumte er die Tat ein. Er sei zur Tatzeit ebenfalls völlig betrunken gewesen. Als die 16-Jährige auf der Couch gelegen sei, habe er sie noch gefragt, wie es ihr gehe. Sie habe daraufhin etwas gemurmelt, und er habe sie ausgezogen. „Was dann passiert ist, weiß ich nicht mehr.“

Umso wortreicher schilderte der Afghane, dass ihn die 16-Jährige am Vorabend und die ganze Nacht über angemacht und von „schnackseln“ geredet habe. Zudem habe sie sich sehr freizügig verhalten.

Als sie dann nach ihrem Blackout auf der Couch gelegen habe, sei sie in Tränen ausgebrochen. „Da habe ich sie in den Arm genommen und mitgeweint. Wir haben uns geküsst, und dann habe ich sie ausgezogen . . .“

Landgerichtsarzt Dr. Huber Näger bescheinigte in seinem psychiatrischen Gutachten dem Afghanen zwar einen erheblichen langjährigen Alkoholmissbrauch, möglicherweise eine Folge von Traumatisierung. Nach seiner Flucht 2009 habe er sich letztlich in Erding integriert. Psychisch habe er keine Probleme mehr. Zur Tatzeit, so der Gutachter weiter, habe der Mann rund 1,6 Promille intus gehabt. Er sei allerdings alkoholgewöhnt gewesen, so dass seine Steuerungsfähigkeit keinesfalls erheblich beeinträchtigt gewesen sei.

Geplant war für den zweiten Verhandlungstag eine weitere Vernehmung des mutmaßlichen Opfers. Die inzwischen 17-Jährige lebt allerdings nun in einer Jugendhilfeeinrichtung in München, wo sie die Ladung nicht erreichte. Auch für sie soll noch ein psychiatrisches Gutachten erstellt werden. Offen ist, ob sie zur Tatzeit tatsächlich widerstandsunfähig war. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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