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"Ein Auge auf Erding" will Bürgermeister Thomas Gneißl haben. Auf dem Podium hörten Dr. Stefan Fach, Sylva Orlamünde (verdeckt) und Michael Ruhland zu (v. l.).

Infoabend zum Hochwasserschutz

„Es hat sich einiges aufgestaut“

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Wörth – Die Wörther haben Angst vor dem „Monster-Damm“, der Erding schützen soll. Sie fürchten vor allem steigende Grundwasserstände.

Ganz ungeschoren kam Max Gotz bei den Nachbarn in Wörth nicht davon. „Der Monster-Damm ist ja nur nötig, weil man in Erding die Sempt ignoriert hat“, schimpfte ein Besucher des Infoabends zum Hochwasserschutz. „Weist Erding weiter so viele Baugebiete aus und versiegelt Flächen?“, fragte eine andere Bürgerin. Die 400 Zuschauer in der Schulturnhalle applaudierten, doch der Oberbürgermeister wies den Vorwurf zurück, dass das Hochwasserrückhaltebecken bei Niederwörth nur wegen der Siedlungspolitik der Großen Kreisstadt notwendig wird. „Erding ist die einzige Kommune in der ganzen Planungsregion 14, die weniger als ein Prozent wachsen will“, erklärte Gotz mit Verweis auf ein Ziel des Stadtrats.

In Erding stehe er sogar unter Feuer, weil Bauvorhaben wegen der Hochwassergefahr nicht realisiert werden könnten. Zudem könne man auch in Wörth den enormen Zuzugsdruck nicht leugnen,so Gotz. Bis 2030 würden in der Region etwa 300 000 Menschen mehr leben.

Zwischen ihm und Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl sei stets klar gewesen, dass es keine Schlechterstellung einer Kommune geben dürfe, sagte Gotz. Genau das droht laut Gneißl nun aber. Seine Befürchtung sei, dass eventuell erst nach Jahren Schäden durch höheres Grundwasser auftreten. „Daher fordern wir eine genaue Beweissicherung.“

Der Abend sei vielleicht teilweise „zu emotional gewesen. Aber es hat sich vieles aufgestaut“, erklärte der Wörther Bürgermeister am Ende. Er versprach, „ein Auge auf die Große Kreisstadt zu haben. Die Gemeinde wird sich juristischen und fachlichen Beistand einholen. Das sind wir unseren Bürgern schuldig“, erklärte Gneißl.

Seine Stellvertreterin Ulla Dieckmann regte in der Debatte einen Kompromiss an. „Warum geht man das Thema nicht auch in Erding an; mit einem kleineren Becken?“, fragte sie. Dr. Stefan Fach vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) wies darauf hin, dass die Planung des Regenrückhaltebeckens auch kleinere Schutzwände in Altenerding und Langengeisling vorsieht.

Mehrere Bürger bezweifelten, dass die präsentierte Karte das Überschwemmungsgebiet eines hundertjährlichen Hochwasser richtig darstellt und verwiesen auf eigene Beobachtungen im Juni 2013. „Mein Eindruck ist, dass nur überschwemmte Bereiche in Erding in die Bewertung einfließen und das Hochwasser in Wörth gar nicht“, kritisierte einer Zuhörerin unter Applaus. Das Hochwassermodell stamme aus dem Jahr 2007, antwortete Josef Höschl vom WWA. „2013 hat sich gezeigt, dass das ganz gut gepasst hat“, erklärte er.

„Die Kosten kann man sich auch schönrechnen“, sagte ein Zuhörer zu dem präsentierten Kostenvorteil der Dammlösung. Er wollte wissen, ob das von unabhängiger Stelle geprüft worden sei. Das bejahte Dr. Inge Durth-Sachs von der Regierung von Oberbayern. Als übergeordnete Behörde habe die Regierung die Zahlen kontrolliert. Der Kostenunterschied betrage nur sechs Prozent und sei damit nicht das entscheidende Argument. Vor allem die bereits vorliegende Umweltverträglichkeitsstudie spreche für das Becken.

Ein Wörther berichtete von großen Problemen beim Hochwasser 2013 auch in seiner Gemeinde. Er befürchtete, dass durch den Damm vor allem der Grundwasserdruck höher wird. Diese Frage gab Moderator Michael Ruhland an den Projektleiter des Rückhaltebeckens, Thomas Atzenhofer, weiter. Um einer Verschlechterung vorzubeugen, müssten zum Beispiel Kanaldeckel dicht gemacht werden. „Das ist technisch lösbar“, erklärte Atzenhofer.

„Z’Wifling sauf ma ab“, prophezeite ein Zuhörer. „Wifling liegt höher“, widersprach Höschl, der beim WWA für den Landkreis Erding zuständig ist. Von Hochwasser im eigentlichen Sinn sei der Ort 2013 nicht betroffen gewesen. Das Problem sei Oberflächenwasser gewesen.

„Bei Hochwasser ist die Ernte kaputt. Wer zahlt den Landwirten eine Entschädigung?“, fragte BBV-Ortsobmann Fritz Gruber. „Es braucht kein Landwirt Angst haben, dass er auf seinem Schaden sitzen bleibt“, antwortete WWA-Chefin Sylva Orlamünde. Nach einer Vereinbarung zu Flutpoldern an der Donau könnten einmalig 20 Prozent des Verkehrswertes gezahlt werden, „aber nur wenn eine Grunddienstbarkeit eingetragen ist“. Voraussetzung sei auch, „dass das Becken anspringt“.

„Die blauen Flächen gehen verdammt nah an Wörther Siedlungsgebiete heran“, merkte Wolfgang Behn an. Er gehe davon aus, dass das Grundwasser ansteigt. „Dann saufen wir komplett ab“, rief Behn. Dem begegnete Höschl mit einem geologischen Exkurs. Die Sempt habe sich seit der Eiszeit „in den Boden gefressen“. Dabei sei eine 15 Meter tiefe Kiesschicht entstanden, die das Grundwasser gut abfließen lasse.

Außerdem sei das Grundwasser ein wichtiges Kriterium im Genehmigungsverfahren. „Es muss nachgewiesen werden, dass sich die Stände nicht zum Nachteil der Hausbesitzer verändern“, erklärte er. „Planerisch reagieren“ könne man auf dieses Problem unter anderem mit der Tiefe der Spundwand im Damm oder mit Spundwand-Fenstern. „Ganz aus der Welt schaffen kann man Grundwasserschwankungen aber nicht“, erklärte Höschl.

„Wo ist der Schaden größer? In Erding oder in Wörth?“, war eine weitere Frage. 2013 seien die Schäden in Erding sehr hoch und vor allem im Gewerbegebiet Aufhausen immens gewesen, antwortete Fach. Die Betroffenheiten beim Beckenbau seien geringer.

Der Bürger, der den „Monster-Damm“ angeprangert hatte, fragte auch: „Wer regelt denn das Tor von dem Damm? Jemand in Erding?“ Das brachte einige Zuhörer zum Lachen, Gotz wieder ans Mikro und dem Tonfall nach leicht auf die Palme. „Die Stadt Erding wird hier keinen Funken regeln“, rief er. Die Fachleute versicherten: Das erledigt eine Automatik.

Timo Aichele

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