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Dr. Schmidt-Hoensdorf kommt aus Erding. In Sierra Leone will er nun einem Jungen helfen, gehen zu können.
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Saidu Kamara fehlen beide Schienbeine. Er soll Prothesen bekommen. Dafür sorgen der Orthopäde Dr. Fritjof Schmidt-Hoensdorf (l.) und der Orthopädiemechanikermeister Rainer Graf. Sie zeigen Prothesenteile, die in Afrika angepasst werden.

Zwei neue Beine für Saidu

Erdinger Arzt operiert behindertes Kind in Sierra Leone

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Dr. Schmidt-Hoensdorf kommt aus Erding. In Sierra Leone will er nun einem Jungen helfen, gehen zu können.

Erding Dr. Fritjof Schmidt-Hoensdorf und Saidu Kamara sind sich noch nie persönlich begegnet. Der Erdinger Orthopäde kennt den Elfjährigen nur von Fotos und Röntgenbildern. Bald werden sich die beiden kennen lernen. Und kurz danach wird der Bub in einen langen, tiefen Schlaf gleiten.

Wenn Saidu wieder aufwacht, ist er seinem Traum näher, endlich wie ein normaler Bub spielen und zur Schule gehen zu können. Zumindest fast normal. Denn Saidu braucht zwei neue Unterschenkel, genauer gesagt zwei Prothesen. Denn das Kind aus Sierra Leone ist schwer behindert zur Welt gekommen. Beide Schienbeine sind nicht vorhanden, nur die Wadenbeinknochen ragen aus den Kniegelenken hervor. Saidu kann sich eigentlich nur rutschend fortbewegen.

Orthopedics for the Developing World

Nicht mehr lange. In dem afrikanischen Land konnte Saidu bisher niemand helfen. Nicht nur medizinisch gehört Sierra Leone, geplagt vom Bürgerkrieg und der tödlichen Seuche Ebola, zu den Entwicklungsländern. Die sind die zweite Heimat von Schmidt-Hoensdorf, der bis vor wenigen Monaten in Erding eine Praxis hatte. Der Orthopäde ist Gründungsmitglied des Vereins Orthopedics for the Developing World. Regelmäßig fliegt er in die Dritte Welt, um dort Menschen zu operieren – kostenlos, auf Spendenbasis.

Dass er Saidu im November helfen kann, hat er auch Rainer Graf zu verdanken. Der Orthopädiemechanikermeister, der drei Geschäfte in Erding und Dorfen aufgebaut hat, gehört ebenfalls zu den Gründern des Entwicklungshilfe-Vereins. Graf hat die Prothesen organisiert, die Saidu angepasst werden.

Saidu traut sich nicht in die Schule

Nicht nur das. Stolz präsentiert Graf eine Tasche voll Prothesenteilen. „Hier liegt Technik im Wert von rund 23 000 Euro“, rechnet der frühere Landesinnungsmeister vor. Profitieren sollen davon auch andere Dritte-Welt-Patienten. Besorgt hat er die Spitzentechnologie bei den Herstellern Streifeneder und Otto Bock. Auch sie wollen so Entwicklungshilfe leisten.

Die Prothesenschäfte, in die Saidu schlüpfen wird, werden vor Ort individuell angepasst. Arzt und Orthopädietechniker wollen dem Kind nicht nur aus medizinischen Gründen helfen. „Saidu wird in seiner Heimat von anderen Kindern gehänselt. Er leidet doppelt unter seiner schweren Behinderung und traut sich nicht in die Schule“, berichtet der Arzt.

Weiterbildung für örtliches Fachpersonal.

Schmidt-Hoensdorf, vor allem aber dem Buben steht eine aufwändige OP unter klinischen und hygienischen nicht ganz einfachen Bedingungen bevor. „Die beiden Wadenbeine müssen abgetrennt werden. Die Prothesen beginnen dann an den Knien.“ Saidu hat einen langen Weg vor sich, aber danach wird er erstmals richtig gehen können. Dazu wird er von einheimischen Experten trainiert.

Trainiert wird dabei auch das medizinische Fachpersonal. Schmidt-Hoensdorf bezieht bei seinen Operationen Kollegen aus den Herkunftsländern mit ein – und bildet sie so aus. Er berichtet, dass er es dort mit Community Health Officern zu tun habe, Medizinern mit einer gerade einmal dreijährigen Kurzausbildung sowie einer zweijährigen chirurgischen Weiterbildung.

Hans Moritz

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