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Aus Messing sind Glockenturm und Vorhängeschlösser, die die neue Fehlbach-Brücke zieren sollen. 

Skulptur auf der Fehlbach-Brücke

Ein Glockenturm mit Liebesschlössern

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Sie setzt dem Glockengießer-Handwerk in Erding ein Denkmal: „Glockenturm“ heißt die Skulptur des Münchner Bildhauers Christian Hinz, die einmal auf der neuen Fehlbach-Brücke an der Freisinger Straße stehen wird.

ErdingDie Fehlbach-Brücke ist noch längst nicht aufgebaut. Dafür steht schon fest, welches Kunstwerk die neue Brücke einmal zieren wird. Es ist ein Glockenturm aus Messing mit Liebesschlössern. Den Wettbewerb, an dem sich sieben Künstler beteiligt hatten, gewann der Münchner Christian Hinz.

Den Sieger-Entwurf stellte Stadtbaumeister Sebastian Henrich am Dienstagabend im Stadtrat vor. Sie setzt dem Glockengießer-Handwerk in Erding ein Denkmal.

Die Skulptur besteht aus vier 2,50 Meter hohen, 40 Zentimeter breiten und acht Millimeter starken Messingplatten, die im Kreuz zueinander auf einer Grundplatte aufgestellt und miteinander verschweißt sind. „Die Platten werden so zugeschnitten und zusammengestellt, dass sie ab einer Höhe von 1,30 Metern nach innen die Silhouette einer Glocke zeigen“, heißt es in Hinz’ Erläuterungstext.

Die Form der Glocke werde mit 20 Millimeter starken Messing-Rundstäben horizontal nachgezeichnet. 850 Kilogramm wird das Kunstwerk wiegen – inklusive der Messingschlösser, die dort angebracht werden: ein Vorhängeschloss für jeden Erdinger Glockengießer und ein Schloss für jede in Erding gegossene Glocke – mit eingeprägtem Namen, so Henrich. Den freien Platz können die Erdinger dann selbst mit Schlössern füllen, wie sie Verliebte gerne an Brückengeländer hängen. Insgesamt haben laut Hinz 1800 Schlösser auf der Skulptur Platz.

„Sie wird von unten beleuchtet. Das gibt ein reizvolles Bild, das die Glocken-Silhouette verdeutlicht“, sagte Henrich. Insgesamt hatte es sieben Entwürfe der unterschiedlichsten Art für das Kunstwerk gegeben. Einer davon stammte übrigens vom diesjährigen Kulturpreisträger Harry S. Letztlich sei es „eine sehr einvernehmliche Entscheidung“ gewesen, sagte Henrich im Stadtrat.

Hinz’ Entwurf geht auf die Geschichte der Glockengießerei in der Stadt ein. Bekanntlich hatte die abgerissene Fehlbach-Brücke das Glockengießer-Ehepaar Bachmair in Porträts auf der Süd- und Nordseite gezeigt. „Dass die Blüte der Erdinger Gießerei unter Karl Czudnochowsky, dem Nachfolger von Anton Josef Bachmair, durch das Ende des Zweiten Weltkriegs bedingt war, gibt der Glocke zusätzlich die Symbolkraft eines Aufbruchs in ein konstruktives schöpferisches Miteinander“, sagt Hinz.

Der Hintergrund: Im Krieg hatte man fast alle Glocken von den Türmen geholt und zu Munition eingeschmolzen. Danach wurden wieder Glocken gebraucht. 7400 Stück hat Czudnochowsky in seiner Gießerei geschaffen. Dann ebbte der Bedarf immer mehr ab, und im Jahr 1971 stellte die Gießerei den Betrieb ein.

Doch noch heute sind die Erdinger Glocken weltbekannt. In allen Erdteilen sind sie zu finden, etwa in der Verkündigungsbasilika in Nazareth, der größten Kirche des Nahen Ostens. Czudnochowskys größtes Werk, eine sieben Tonnen schwere Jubiläumsglocke, hängt im Alten Peter in München. Auch im Erdinger Stadtturm finden sich fünf Czudnochowsky-Glocken, darunter die berühmte Heimkehrerglocke.

Die Idee, die Glocken-Skultpur mit Liebesschlössern zu ergänzen, findet Hinz reizvoll. So entstehe die Skulptur quasi mit Hilfe der Menschen, die um sie herum leben. Schließlich sei auch das Gießen einer Glocke ein gemeinschaftliches Ereignis.

Das Modell der Skulptur

ist vom 30. November bis 14. Dezember zu den üblichen Öffnungszeiten im Foyer des Museums Erding zu sehen.

von Gabi Zierz

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