Die Ruhe vor dem Sturm? Beim Fototermin stand die Anlage mit dem Kupferkessel in der Brauerei Bachmayer in Dorfen noch still. „Ab morgen dampft’s hier wieder richtig“, verrät Geschäftsführer Albert Hörmann. 
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Die Ruhe vor dem Sturm? Beim Fototermin stand die Anlage mit dem Kupferkessel in der Brauerei Bachmayer in Dorfen noch still. „Ab morgen dampft’s hier wieder richtig“, verrät Geschäftsführer Albert Hörmann. 

Wegen Corona-Pandemie

Umsatzeinbruch bei Brauereien: „So viel kann man zuhause gar nicht trinken“

  • vonMayls Majurani
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Geschlossene Gastronomie, abgesagte Volksfeste: Für Brauereien ist die Corona-Pandemie eine schwierige Zeit. Teilweise müssen Preise erhöht werden.

Landkreis – „Das letzte halbe Jahr war sehr mager“, sagt Albert Hörmann. „Da haben wir an die Gastronomien nichts verkauft.“ Nun gebe es mit den geöffneten Außenbereichen und den immer weiter sinkenden Infektionszahlen zwar wieder Hoffnung, sagt der Geschäftsführer der Dorfener Brauerei Bachmayer, doch an alte Absatzzahlen werde man sich so schnell nicht nähern können.

„Die Volksfeste sind wieder abgesagt und ich glaube auch nicht, dass bei den Dorf- oder Vereinsfesten viel passieren wird.“ Einige Studien zeigen zwar, dass der Alkoholkonsum zuhause steigt, doch Hörmann ist sich sicher: „So viel, wie uns in der Pandemie verloren geht, kann man zuhause gar nicht trinken.“

Corona-Pandemie schwierig für Brauereien: Große Feste fehlen

Das belegen auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes: 2020 ging der Bierkonsum pro Kopf im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Halbe zurück. Eine ganz einfache Erklärung hat Barbara Lohmeier-Opper dafür. Die Braumeisterin vom Bräu z’Loh sagt: „Bier ist ein Gesellschaftsgetränk. Alleine trinkt man zuhause keine vier Halbe. Das macht keinen Spaß, wenn niemand dabei ist.“

Auch im Bräu z’Loh sieht es derzeit „nicht so rosig“ aus. Viele Hilfsgelder vom Bund oder Freistaat würden für die Dorfener Brauerei nicht in Frage kommen: „Die gibt es meist ab einem bestimmten Schwellenwert und dafür machen wir wohl zu wenig Minus.“ Sie könnten sich gerade so über Wasser halten, sagt die 43-Jährige.

Die Ruhe vor dem Sturm? Beim Fototermin stand die Anlage mit dem Kupferkessel in der Brauerei Bachmayer in Dorfen noch still. „Ab morgen dampft’s hier wieder richtig“, verrät Geschäftsführer Albert Hörmann. 

Deshalb werde es bald auch einen Preiserhöhung geben. „Das ist jetzt blöd, aber es geht leider nicht anders.“ Denn während die Einnahmen stagnieren, erhöhen sich die Ausgaben. Weltweit steigen die Getreidepreise. Laut Statistischen Bundesamt lagen die Preise für pflanzliche Erzeugnisse im Februar 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,2 Prozent höher. Den Mut nehmen lässt sich Lohmeier-Opper aber nicht. Sie bleibt kreativ: „Im August bringen wir ein neues Bier raus, ein mildes Helles in Anlehnung an meine Oma, die im und nach dem Krieg auch schwere Zeiten hatte.“

Preiserhöhung bei Brauereien: Corona-Pandemie zwingt Bierbrauer zu Maßnahmen

Bereits im März erhöhte der Eittinger Fischerbräu seine Preise. „Der Winter war ganz schlecht“, sagt Juniorchef Tobias Vincenti. Knapp 30 bis 40 Prozent des Umsatzes würden jeden Monat fehlen. „Aber jetzt gehen die Zahlen wieder nach oben, wenn auch noch sehr zäh.“ Es sei zwar kein Wahnsinnsboom, aber „im Vergleich zu nix hat verbessert sich gerade der Fassabsatz“, sagt Vincenti schmunzelnd. Aber: „Letztes Jahr im Mai waren die Zahlen viel besser.“ Vor allem beim Radler und den verschiedenen Limosorten sei der Absatz im Moment rückläufig.

„Wir hoffen auf die Innengastro“, sagt Thomas Drechsel. Der 51-jährige Braumeister und Betriebsleiter der Taufkirchener Genossenschaftsbrauerei ist glücklich über die mittlerweile entspannte Coronasituation. „Aber Reiserückkehrer könnten uns in den nächsten Monaten wieder zurückwerfen, was hoffentlich nicht passiert.“ Mit staatlichen Hilfen, Urlaubs- und Überstundenabbau sei die Brauerei mit ihren zwölf Stammmitarbeitern bisher relativ gut durch die Zeit gekommen – ganz ohne Kurzarbeit.

Corona-Pandemie bringt Bierbrauer in Notlage: Auch Erdinger Weißbräu teils betroffen

In der Schlossbrauerei Grünbach gab es sie dagegen schon. „Wir mussten mehrmals Kurzarbeit anmelden“, schreibt Brauereileiter Karl Gratzl auf Nachfrage. Der Absatz steige zwar langsam wieder, allerdings wetterbedingt „noch sehr schleppend“. Bis Ende Juni wird der Umsatz aber wieder auf einem guten Niveau sein, hofft er.

Ganz ohne Kurzarbeit hat es übrigens der Bräu z’Loh bisher geschafft. Der Erdinger Weißbräu habe dagegen „schon sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen“ können, teilt Josef Westermeier, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb, mit. Der Absatz im Handel entwickle sich positiv, auch wenn die Verluste aus dem Gastronomiegeschäft damit nicht zu kompensieren seien. „Wir erwarten im Sommer einen Turn-Around“, sagt Westermeier. „Die Menschen wollen wieder gemeinsam bei einem gepflegten Weißbier das Leben genießen.“

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