+
Ein sanfter Druck auf den Bild-Button reicht, und schon kann Jessica sagen, dass ihr das Essen schmeckt. 

Heilpädagogische Tagesstätte St. Nikolaus 

So wird Kommunikation zum Kinderspiel

Erding - Kindern, die nicht oder nur schlecht kommunizieren können, wird in der Heilpädagogischen Tagesstätte St. Nikolaus in Erding geholfen. Das Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ unterstützt diese Arbeit.

Ich habe Bauchweh.“ „Ich habe Hunger.“ „Ich möchte spielen.“ Mit diesen einfachen Sätzen können sich Mädchen und Buben ab dem Kleinkindalter verständigen. Wenn aber das Sprachzentrum blockiert ist, ist eine Kommunikation schwer oder gar nicht möglich. „Und dann reden wir manchmal mit Händen und Füßen“, sagt Rosemarie Zampach, Leiterin der Heilpädagogischen Tagesstätte St. Nikolaus in Erding. Das Leserhilfswerk „Licht in die Herzen“ der Heimatzeitung unterstützt ihre Arbeit.

Hier werden Kinder betreut, die sich zwar verbal nicht verständigen können, aber durch individuelle Betreuung und spezielle Hilfsmittel in Aktivitäten bestmöglich einbezogen werden. Mittlerweile gibt es technische Geräte, die Sprachtherapeutin Heidi Hobiger und Logopädin Fabienne Auch gerne einsetzen. Doch das Budget dafür ist begrenzt. Und so können nicht alle Dinge in dem Umfang gekauft werden, in dem sie benötigt werden. Meistens müssen sich Gruppen ein Gerät teilen.

Heiß begehrt ist bei den Kindern das iPad, das mit der speziellen App „GoTalk now“ ausgestattet ist. Unterstützte Kommunikation wird so zum Kinderspiel. Drückt man einen Bild-Button, wird die hinterlegte Aussage direkt gesprochen. Und die Kategorien sind vielfältig: Essen, Freunde, Geburtstag, Tiere, Sport, Krankheit, Natur oder Farben sind nur einige Beispiele.

„Ein zweites iPad  wäre ein Traum“

Die unterstützte Kommunikation hilft vielen Menschen – beispielsweise mit Körperbehinderung, geistiger Behinderung, einer Autismus-Spektrum-Störung, einer seelischen Behinderung oder Menschen mit Verletzungen im Gehirn.

Die Heilpädagogische Tagesstätte St. Nikolaus besitzt ein solches Tablet. „Ein zweites iPad mit der Software wäre ein Traum“, sagt Zampach. Denn jetzt müssen sich rund 100 Kinder, die hier in Erding in zwölf Gruppen betreut werden, ein Gerät teilen. „In jeder Gruppe sind ein bis zwei nicht sprechende Kinder. Da wäre ein zweites iPad eine wunderbare Anschaffung“, betont die HPT-Leiterin. Neben den Kosten für das Tablet schlägt die Software mit rund 200 Euro zu Buche.

Die Fachfrauen Hobinger und Auch arbeiten auch mit einfacheren Mitteln wie dem All-turn-it-Spinner. Diese elektronische Zeigeuhr wird über den eingebauten Taster oder mit einer speziellen größeren Taste ausgelöst, die motorisch eingeschränkte Kinder leichter bedienen können. Auf dem Scheibensatz stecken verschiedene Karten. Nach dem Zufallsprinzip werden Symbole ausgewählt. So können beispielsweise Kinder, deren motorische Fähigkeiten beeinträchtigt sind, bei Würfelspielen mitmachen. Denn sie müssen nur den Taster bedienen – und der lustigen Würfelrunde steht nichts mehr im Wege.

Eine tolle Sache ist auch die „sprechende Taste“ Step-By-Step. Kleine Botschaften können damit aufgenommen und wieder abgespielt werden. So hat Marvin am Wochenende fleißig Nachrichten aufgenommen und erzählt mittels des Geräts, was er an den schulfreien Tagen erlebt hat.

Mittlerweile gibt  es  viele Hilfsmittel

Spezielle Adapter für den Mixer, um ein Gerät einzuschalten, sich mit dem Anybook-Stift ein Buch vorlesen lassen oder auf Symbole klicken: Hilfsmittel gibt es mittlerweile viele. Sie alle haben das Ziel, Kinder trotz Einschränkung so weit wie möglich in jedes Spiel mit einzubeziehen. „Mit dabei sein, sich äußern, etwas tun dürfen, das liegt uns für die Kinder am Herzen“, sagt Hobinger. Und der Erfolg gibt ihnen recht. So konnte Emma mittels der „GoTalk now“ mitteilen, dass sie Bauchweh hat. Ein Kind mit Down-Syndrom, das zuerst nicht sprach, gab durch intensive Übung Laute von sich und spricht mittlerweile.

„Die Lall-Phase ist ganz wichtig. Sie kann auch nach dem Kleinkindalter noch eintreten und damit den Grundstein für die Kommunikation sein“, sagt Hobinger und freut sich über die Fortschritte, die die Mädchen und Buben machen. Denn Reden ist weit mehr, als seine Bedürfnisse kundzutun. Gefühle, Wünsche oder Botschaften werden durch Kommunikation ausgedrückt. 

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die Arbeit der Heilpädagogischen Tagesstätte St. Nikolaus in Erding. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern.

IBAN: DE54 7005 1995 0000 0171 11.

Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer dies nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung. (Daniela Oldach)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Immer weniger treulose Herrchen und Frauchen
Hochbetrieb in den Ferien – daran haben sich die Tierheimbetreiber gewöhnt. In Kirchasch ist es heuer jedoch relativ ruhig. Die Vorsitzende des Tierschutzvereins sieht …
Immer weniger treulose Herrchen und Frauchen
Das schönste aller Volksfeste
Das Volksfest 2018 wird als das bisher schönste in die Annalen der Stadtgeschichte eingehen. Das glauben die Festwirte Ilse und Peter Klotz, Robert Eicher und Ernst …
Das schönste aller Volksfeste
Protokollant, Wahlhelfer, Flitterwochenretter
Vor 40 Jahren wurden persönliche Daten noch mit der Schreibmaschine auf Karteikarten festgehalten und Grundsteuern in bar kassiert. Seither hat sich viel geändert. In …
Protokollant, Wahlhelfer, Flitterwochenretter
Eibachs Feuerwehrkommandant ist dreifacher Bierkönig
Johann Attenhauser aus Eibach ist Bierkönig 2018 beim Dorfener Volksfest. Der Eibacher Feuerwehrkommandant holte damit den Titel zum dritten Mal.
Eibachs Feuerwehrkommandant ist dreifacher Bierkönig

Kommentare