So erlebte ein Erdinger den Amoklauf in München

Ein Sommerfest – 200 Meter vom Tatort entfernt

Erding - Nur 200 Meter vom OEZ harrten am Freitagabend 170 Mitarbeiter einer Firma aus, die eigentlich ein fröhliches Sommerfest feiern wollten. Darunter war auch der Erdinger Dieter Jäckel.

Eine Münchner Firma feierte am Freitagabend mit ca. 170 Mitarbeitern ihr Sommerfest im Innenhof ihres Bürogebäudes – etwa 300 Meter vom OEZ entfernt. Der 38-jährige Erdinger Dieter Jäckel ist dort Vertriebsleiter und lobt insbesondere die beiden Geschäftsführer und den Prokuristen beim Krisenmanagement. „Die drei haben das hervorragend gemacht. Ihr Motto: ,Wir strahlen Ruhe aus, die wir selber vielleicht gar nicht haben.‘“ Der Innenhof ist nach außen gut abgeschirmt. „Da dringt nicht viel Lärm von außen rein“, erklärt Jäckel, warum nur wenige Mitarbeiter die Schüsse gehört haben.

 Aber dann: „Ständig Sirenen, Helikopter mit Scharfschützen direkt über uns!“ Kurios: „Wir waren so nah dran, hatten aber kaum Informationen, was um uns herum geschieht, denn die Polizei war natürlich anderweitig beschäftigt. Wir waren sozusagen im Auge des Sturms.“ Die Geschäftsführung habe die Mitarbeiter via Mikrofon informiert, dass niemand das Gebäude verlassen soll und den Abend über immer wieder ruhig und sachlich informiert. Die Kollegen hätten gleichzeitig ihren Angehörigen via Smartphone mitgeteilt hätten, dass sie in Sicherheit seien. „Ich habe auch auf Facebook gepostet, dass mit mir alles ok ist, da viele mich besorgt anriefen“, sagt Jäckel. Alle Außentüren wurden geschlossen.

Die Stimmung ? „Angespannt“, erklärt Jäckel. „Es hieß bis in die Nacht hinein, dass mindestens noch zwei Leute bewaffnet auf der Flucht sind, und wir waren schließlich nicht weit davon entfernt.“ . Es folgten fünf Stunden der Ungewissheit, die die Menschen laut Jäckel jeweils auf ihre Art meisterten: „Manche zogen sich in ein Büro zurück und wollten ihre Ruhe. Andere brauchten ein, zwei Bier. Die meisten blieben einigermaßen gelassen.“ Und niemand sei ausgerastet, sagt Jäckel und erzählt von dem Mann, der sich mit lauter Musik ablenken wollte. „Dem haben wir erzählt, dass dies keine gute Idee ist, wenn wir unauffällig bleiben wollen. Und dann hat’s auch wieder gepasst.“

 Was er bemerkenswert fand: „Alle haben gemeint: ,War ja zu erwarten.‘ Aber niemand hat die fremdenfeindliche Populistenkeule ausgepackt. Und am Schluss war ja alles ganz anders...“ Es sei schon Mitternacht gewesen, erzählt Jäckel, als drei schwer bewaffnete Männer vom SEK an der Tür klopften und meldeten: „Ihr seid unter den ersten, denen wir das sagen können. Die Gegend hier ist gesichert, die Dachauer Straße ist frei. Ihr könnt nach Hause fahren.“

dieter priglmeir

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