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Auf großes Interesse stieß die Ausstellung über 80 Jahre Fliegerhorst bereits bei der Eröffnung im Museum Erding. Die vielfachen Verbindungen zur Region sowie die wechselvolle Geschichte kann bis Ende Januar 2018 bestaunt werden.

Sonderausstellung im Museum: 80 Jahre Garnisonsstadt Erding

Fliegerhorst: “Der Stolz vieler Bürger”

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Die wechselvolle, über 80-jährige Geschichte des Erdinger Fliegerhorsts zwischen Wehrmacht, Amerikanern, Luftwaffe und Flüchtlingshilfe beleuchtet die neue Sonderausstellung im Museum Erding. Die Eröffnung geriet zu einem Bekenntnis Erdings zur Bundeswehr.

Erding - Mitten in die Zeit von Vorwürfen rechtsradikaler Tendenzen in der Truppe und Wehrmachts-Andenken in einigen Kasernen fiel die Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Museum Erding - und setzte dazu einen Kontrapunkt. “Garnisonsstadt Erding - 80 Jahre Fliegerhorst” versteht sich nach den Worten von Leiter Harald Krause nicht als Militärschau. Vielmehr stünden die Wechselwirkungen zwischen der militärischen Nutzung und der Stadt Erding im Mittelpunkt. Diesen Hinweis griff Oberbürgermeister Max Gotz am Freitagabend bei der Eröffnung gerne auf: Er lobte das gute Verhältnis von Kaserne, Soldaten und Zivilbeschäftigten auf der einen Seite sowie Stadt und Bürgerschaft auf der anderen. “Es gibt viele Gründe, auf unsere Bundeswehr stolz zu sein.” Zugleich äußerte er sein Bedauern über die Streichung der Wehrpflicht. Sie sei der “Kitt zwischen Militär und Bürgern” gewesen. Angesicht der vielen internationalen Krisen “wacht unser Land gerade wieder auf und überlegt, wie es auf die veränderte Sicherheitslage reagieren muss”, so der CSU-Politiker.

Der Titel “80 Jahre Garnisonsstadt” ist nicht ganz richtig, denn der Fliegerhorst wurde bereits 1935 von der Wehrmacht errichtet. Bei ihr setzt die Ausstellung an. Im Dritten Reich war der Stützpunkt ein Nachschub-Drehkreuz, mit die wichtigste Versorgungsbasis für Südeuropa und Nordafrika. Kurz vor Kriegsende wurden Erding und der Fliegerhorst ausgebombt. 120 Menschen verloren ihr Leben.

Im Juni 1945 übernahmen die Amerikaner den Fliegerhorst. Von hier aus wurde unter anderem die Luftbrücke bedient, die den Berlinern in der Besatzungszeit das Überleben sicherte. Hauptaufgaben waren die Nachschubsicherung für die US-Luftwaffe sowie die Gewährleistung deren Einsatzbereitschaft in Europa.

Die Geschichte der Bundeswehr in Erding begann am 22. September 1956. Erding gilt als “Wiege der Logistik der Luftwaffe”. Zahlreiche Versorgungsverbände wurden im Nordosten der Herzogstadt aufgestellt. Hinzu kamen Wartung und Instandsetzung ganzer Generationen von Kampfjets, darunter Starfighter und Tornado. 60 Jahre Luftwaffe in Erding werden am Samstag, 20. Mai, mit einem großen Zapfenstreich begangen.

Sonderausstellung am Fliegerhorst: Bilder

Völlig überraschend wurde im Herbst 2015 der Fliegerhorst auserkoren, den Warteraum Asyl aufzunehmen. Seither sind weit über 100 000 Flüchlinge über Erding auf ganz Deutschland verteilt worden, derzeit aus den Camps in Griechenland und Italien.

Die Ausstellung verhehlt aber auch nicht, dass die über 80-jährige Geschichte demnächst endet. Die Auflösung des Fliegerhorsts wurde 2011 bekannt, bis 2021 soll das Areal geräumt sein. Der Konversion ist dann auch das letzte Kapitel der Ausstellung gewidmet. Die Stadt plant hier einen neuen Stadtteil mit viel Wohnraum , Grün, Gewerbe und unter anderem einer neuen Grundschule. Bereits freigegeben sind die Flächen für den neuen S-Bahnhof im Zuge des S-Bahn-Ringschlusses und der Regionalbahnanbindung via Walpertskirchener Spange.

Gotz erinnerte daran, dass der Fliegerhorst seit Kriegsende eine “enorme wirtschaftliche Bedeutung” gehabt habe - vor allem in Zeiten, in denen Erding noch nicht so gut augestellt gewesen sei. Der Fliegerhorst sei “der Stolz vieler Bürger” gewesen. Viele Familien seien mit ihm verbunden. Es gebe eine “tiefe Verbundenheit” und vielerlei Verbindungen.

Oberst Stefan Schmidt-Schickhardt, Kommandeur des Luftwaffeninstandhaltungsregiments 1, sagte, der Luftwaffen-Stützpunkt stehe “seit 60 Jahren für Wiederaufbau, Freundschaft, Frieden, Freiheit und Souveränität”. Er dankte den Machern der Ausstellung und wünschte sich, “dass vor allem junge Menschen diese Werte schätzen lernen und sie schützen”. Es wäre erfreulich, wenn sich wieder mehr Menschen für den Beruf des Soldaten entscheiden würden.

Museumsleiter Krause berichtete von der Herausforderung, 80 Jahre und 4,4 zwölf Quadratkilometer Fläche auf 80 Quadratmetern Ausstellungsfläche unterzubringen.

Das ist wahrlich gelungen: Zu sehen sind nicht nur viele Gegenstände wie Uniformen, Teile von Flugzeugen, Ausrüstungsgegenständen, Schilder und Abzeichen aus den 80 Jahren, sondern auch ein großer Lageplan in 3D, erste Skizzen zur Konversion sowie Kinderbilder und Überbleibsel von der Flucht, die aus dem Warteraum stammen. Alles wird auf sehr informativen Texttafeln erklärt.

Zur Ausstellung:

Die Sonderschau “Garnisonsstadt Erding - 80 Jahre Fliegerhorst” ist bis 28. Januar 2018 zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen - täglich außer montags von 13 bis 17 Uhr. Ein Faltblatt gibt es schon, eine Publikation folgt. Einen Tag der offenen Tür mit Rahmenprogramm gibt es am Internationalen Museumstag am 21. Mai. Mehr unter www.museum-erding.de.

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