Neue Coronaschutz-Verordnung erlaubt ab 20. Juni Abi-Partys
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Schulabschluss in Corona-Zeiten – das ist eine besondere Herausforderung. Die Absolventen haben Zukunftsängste.  (Symbolbild)

Elternbeiräte über Zukunftsängste der Schüler und die Maßnahmen des Kultusministeriums

Sorgen vor dem „Corona-Abitur“

  • Veronika Macht
    vonVeronika Macht
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Erding/Dorfen – Schulabschluss in Corona-Zeiten – das ist eine besondere Herausforderung. Die Absolventen haben Zukunftsängste. Und nicht alle Maßnahmen des Kultusministeriums stoßen bei Eltern und Schülern auf Gegenliebe.

Erding/Dorfen – Schulabschluss in Corona-Zeiten – das ist eine besondere Herausforderung. Kürzlich hat das Kultusministerium den Terminplan für das zweite Schulhalbjahr angepasst. Die Faschingsferien entfallen, an allen Schularten werden die Termine für die Abschlussprüfungen verschoben, und am Gymnasium wird zusätzlich die Zahl der Klausuren deutlich reduziert. Doch nicht alle Maßnahmen stoßen in der Schulfamilie auf Gegenliebe.

Grundsätzlich seien die Maßnahmen „ganz gut durchdacht und bieten eine Entzerrung“, sagt Werner Schüler und meint damit in erster Linie die Verschiebung der Abschlussprüfungen. Dass es aber weniger schriftliche Klausuren gibt, „das wird von Eltern und Schüler durchaus kritisch gesehen“, sagt der Vorsitzende des Elternbeirats am Dorfener Gymnasium. Immerhin seien die Tests auch Abivorbereitung und böten die Möglichkeit, sich zu verbessern.

Keine Faschingsferien: „Bis Ostern jetzt durchzuarbeiten, ist für uns nicht einzusehen“

Für ihn unverständlich ist auch, dass die Faschingsferien ausfallen. „Die Schüler sitzen teilweise von 8 bis 16 Uhr an den Aufgaben und sind wirklich gut beschäftigt. Bis Ostern jetzt durchzuarbeiten, ist für uns nicht einzusehen“, sagt der 51-Jährige, dessen jüngere Tochter gerade die Q11 besucht.

Kein Verständnis hat der Dorfener für „Aktionismus oder populistische Schnellschüsse der Politik“. Wünschen würde er sich indes eine weitere Verbesserung der Infrastruktur und deren Betreuung vor Ort in den Schulen. Dass eine Lehrkraft dies nebenbei erledige, könne nicht sein – eine Kritik, die mehrere Elternbeiratsvorsitzende äußern.

Und man müsse einer Abwertung des Abschlusses als „Corona-Abitur“ entgegenwirken. „Einige Schüler haben schon die Befürchtung, dass ihr Abi nicht so wertgeschätzt wird, obwohl sie sich wirklich reinhängen“, sagt Schüler.

„Das ist schon eine gewisse Unsicherheit vor der Zukunft“

Diese Gefahr sieht auch Markus Herz, Vorsitzender des Elternbeirats am Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) Erding – „auch wenn immer gesagt wird, dass Qualität und Ansprüche die gleichen sind“. Der 52-jährige Moosinninger ist sich sicher, dass die Abiturienten ihren Abschluss meistern werden, aber was passiert danach?

„Viele haben längst Pläne für die Zukunft gemacht und müssen sich jetzt umorientieren, ihre Pläne vielleicht aufgeben“ – sei es ein Auslandsjahr oder der Ausbildungsplatz in einer Branche, die wegen Corona stillsteht. „Das ist schon eine gewisse Unsicherheit vor der Zukunft“, sagt Herz, dessen Sohn die Q12 besucht.

Auch Thomas Kiesewetter plädiert dafür, den Blick in die Zukunft zu richten. „Die Maßnahmen dürfen nicht beim Abitur enden“, mahnt der Elternbeiratsvorsitzende an der Beruflichen Oberschule Erding (FOS/BOS). Denn wenn in der Abschlussklasse Stoff wegfalle, entstünden vielleicht Mängel, die sich dann in Studium oder Ausbildung bemerkbar machen.

„Es fehlt dieser Blick über den Tellerrand, was die allgemeine Hochschulreife auch auszeichnet“

„Es ist eine schwierige Situation, auch weil alles drumherum wegfällt“, bedauert der 54-jährige Lengdorfer. Seine Tochter etwa, die heuer ihr Abitur an der FOS/BOS macht, hätte gern an einem Austausch mit Spanien teilgenommen. „So etwas prägt unheimlich, das darf man nicht vernachlässigen“, ergänzt Kiesewetters Stellvertreter Andreas Silberbauer.

„Ganz abgesehen von Ereignissen wie der Abschlussfeier. Das sind einmalige Erlebnisse, die fehlen“, sagt der 51-jährige Erdinger, dessen Tochter in die 11. Klasse geht. Und auch Herz beklagt, dass soziale Kompetenzen abgingen, die zum Beispiel durch das Organisieren solcher Veranstaltungen trainiert werden. „Es fehlt dieser Blick über den Tellerrand, was die allgemeine Hochschulreife auch auszeichnet“, erklärt er.

„Das alles macht was mit den Jugendlichen, sie stehen unter ziemlichem Druck“, meint Kiesewetter. An der FOS/BOS gebe es ein sehr gutes Beratungsangebot mit Schulpsychologin, Schulsozialpädagogin und Beratungslehrer. „Und dieses Angebot wird auch in Anspruch genommen, was zeigt, dass die Schüler enorm belastet sind mit der Situation.“

„Ich fürchte schon, dass die Qualität darunter leidet“

Immerhin würden die aktuellen Maßnahmen des Kulturministeriums durchaus „Druck rausnehmen“, findet Herz. „Aber ich frage mich, warum man nicht mehr Lehrer einstellt, die online den Unterricht in kleineren Gruppen oder mehr Stunden intensivieren könnten“, sagt er und denkt an Lehramtsstudenten oder Teamlehrkräfte. Stattdessen sei es bislang nur um organisatorische Erleichterungen gegangen, um Streichungen im Lehrplan oder die Reduzierung von Schulaufgaben. „Ich fürchte schon, dass die Qualität darunter leidet“, meint Herz.

Zufrieden sind die Elternbeiräte mit dem Homeschooling-Angebot ihrer Schulen übrigens durch die Bank – insbesondere im Vergleich zum ersten Lockdown. „Der Distanzunterricht als solcher ist Dank der intensiven Beschäftigung aller Lehrkräfte zur Beseitigung der im ersten Lockdown erkannten Schwachstellen deutlich verbessert. Wir sind der Meinung, dass es im Großen und Ganzen läuft“, berichtet etwa Ralf Wawerla (57), Elternbeiratsvorsitzender am Anne-Frank-Gymnasium Erding. „Es herrscht ein sehr gutes kollaboratives Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern“, sagt Schüler über das Gymnasium Dorfen.

Zufrieden ist man auch an der FOS/BOS – auch wenn es eine große Herausforderung für die Jugendlichen sei, viel selbstständig zu machen und sich die Zeit selbst einzuteilen, wie Kiesewetter ergänzt.

Doch auch darin sind sich die Elternbeiratsvorsitzenden einig: „Egal, wie gut der Distanzunterricht klappt: Präsenzunterricht ist nicht zu ersetzen“, sagt Kiesewetter. Und Herz erklärt: „Der Kontakt ist online schon relativ gut, aber über das Persönliche geht doch nichts.“

vam

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