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Sie werden das Kind schon schaukeln (v. l.): Claudia Buchberger, Claudia Zett el, Nicki Gehlmann, Brigitte Fischer, Kathrin Hartmann, Manuela Ziegler, Alfons Kühnstetter und Barbara Gaab.

Caritas Erding

„Die sozialen Notlagen verschärfen sich“

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Krankenkassen geben immer mehr Geld für psychisch Kranke aus. Im Landkreis macht ihnen die Wohnungsnot besonders zu schaffen. Der Leiter des sozialpsychiatrischen Dienst sagt: Im sozialen Wohnungsbau muss was passieren.

Erding – Nach dem Wochenende bekommt Alfons Kühnstetter die meisten Anrufe. Er leitet den sozialpsychatrischen Dienst bei der Caritas in Erding. Bei ihm melden sich Menschen, die in psychischen Krisen stecken. 

Wohnungsnot besonders schlimm für psychisch Kranke

Sie haben es im Landkreis besonders schwer, sagt er beim Jahresbilanz-Gespräch der Caritas: „Den psychisch Kranken macht die Wohnungsnot hier besonders zu schaffen.“ 

Denn: „Die haben eh schon ein angekratztes Selbstwertgefühl“, erklärt Kühnstetter: Wenn sie in einer Notunterkunft leben müssten, würden sie zusätzlich stigmatisiert. „Wir sehen den dringendsten Bedarf, dass im sozialen Wohnungsbau etwas vorangeht“, sagt Kühnstetter deshalb.

Er arbeitet jeden Tag mit Menschen, die nicht mehr weiter wissen: Im vergangenen Jahr riefen 243 Menschen aus dem Landkreis beim Erdinger Krisendienst an, um am Telefon ihr seelisches Leid loszuwerden. 

Krankenkassen geben immer mehr Geld wegen psychischen Krankheiten aus

Die meisten Anrufe kämen tagsüber zwischen 9 und 18 Uhr und nicht am Wochenende oder abends. „Aber für zehn Prozent der Anrufer ist das Telefonat nicht ausreichend.“ Diese Menschen brauchen persönliche Hilfe.

59 Mal kam der Sozialpsychatrische Dienst im vergangenen Jahr zu ihnen nach Hause. „Im Durchschnitt haben wir eine Krisenintervention am Tag“ – am Telefon oder vor Ort. Denn die Zahl der festgestellten psychischen Erkrankungen nehme zu: „Die Ausgaben der Krankenkassen haben sich in den letzten 20 Jahren enorm gesteigert.“

„Das Arbeitslosengeld reicht nicht“

Ein Grund für die psychischen Erkrankungen: Der Landkreis ist teuer, und die „sozialen Notlagen verschärfen sich“, sagt seine Kollegin Brigitte Fischer von der sozialen Beratungsstelle: „Manchmal kommen Mütter zu uns, die sogar ohne Windeln dastehen.“ Zu ihr kommen Menschen, die finanziell am Existenzminimum kratzen, denn: „Die 416 Euro beim Regelsatz vom Arbeitslosengeld II reichen einfach nicht, da kann man einfach nichts ansparen.“ 

Problematisch ist das vor allem, wenn bei Geringverdienern die Waschmaschine oder das Auto kaputtgeht: „Die haben sogar schon Probleme, wenn sie Winter- oder Sommerreifen kaufen müssen.“ Und ein Leben im ländlichen Landkreis Erding ohne Auto? „Wenn man da zum Beispiel am Flughafen arbeitet, wird’s echt schwierig“, meint Fischer.

Eine weitere Herausforderung für die Erdinger Caritas ist die Wohnungssuche für sogenannte Fehlbeleger in den Asylunterkünften. Fehlbeleger sind anerkannte Asylbewerber, die bereits eine eigene Wohnung beziehen dürften – aber meist nicht finden. „Dieses Problem wird sicher auch noch in einem Jahr eine Rolle spielen“, sagt Caritas-Kreisgeschäftsführerin Barbara Gaab.

Immer weniger Flüchtlingshelfer

Die Leiterin der Fachstelle Helferkreise Asyl Nicki Gehlmann kümmert sich nicht nur um die Flüchtlinge, sondern auch um deren Helfer: „Da gibt es leider einen starken Rückgang von Ehrenamtlichen“, sagt sie: „Man versucht, sie langfristig zu motivieren statt nur kurzfristig.“

Vom Personalmangel kann die Caritas auch selbst ein Lied singen: „Der Bedarf an Kinderpflegern und Erziehern steigt zum Teil um 25 Prozent“, sagte Gaab: „Wir stehen da leider in großer Konkurrenz mit anderen Häusern.“ Auch Sozialpädagogen würden wegen der Thematik Flüchtlinge immer mehr gesucht. Die sozialen Herausforderungen nehmen also kein Ende.

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