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Stolz auf Fund und Präsentation (v. l.): Sabrina Kutscher (LMU), Restaurator Jörg Stolz, OB Max Gotz und Museumsleiter Harald Krause.

Spangenbarrenhort aus Oberding

Jahrhundertfund ist jetzt im Museum

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Das Museum Erding ist um einen Jahrhundertfund reicher: Der in Oberding gefundene Spangenbarrenhort wird ab dem Wochenende öffentlich gezeigt. Die Kupferspangen haben über Bayern hinaus Bedeutung. Die Forschung geht jetzt erst richtig los.

ERding - Den neuen „Leuchtturm“, so Museumsleiter Harald Krause, hat die archäologischen Sammlung Franz Neumeier zu verdanken. Als er 2014 an der Sonnenstraße in Oberding ein Haus baute, wurden in etwa 1,30 Meter Tiefe 796 Spangenbarren aus Fahlerzkupfer entdeckt. Den 80 Kilogramm schweren Fund erwarb die Stadt Erding – und ermöglichte zugleich dessen Erforschung.

Krause sowie Experten des Landesamts für Denkmalpflege und der Ludwig-Maximilians-Universität haben die Metallbündel, die vor etwa 3700 Jahren neben einer Abfallgrube mit Pflanzen- und Knochenresten sowie Tonscherben vergraben wurden, ab Mai 2015 akribisch untersucht. Dazu wurde der Fund im Block gesichert und ins Landesamt für Denkmalpflege gebracht. Modernste Methoden wendeten die Wissenschaftler an – unter anderem Röntgen und CT.

Ab dem Wochenende ist der historische Schatz im Museum Erding ausgestellt. Zu sehen sind ganze Zehner-Bündel, aber auch einzelne Spangen. Bemerkenswert: Alle sind nicht nur nahezu gleich groß, sondern auch gleich schwer, nämlich zwischen 90 und 120 Gramm.

Im Fußboden wurde unter Glasplatten die Auffindesituation nachgestellt: die Kupferstäbe neben Knochen und Pflanzenresten aus der Deponie. Letztere war als Bodendenkmal schon früher bekannt. Damit gewinnt der archäologische Bereich im Museum neben Zeugnissen aus der Ära der Kelten noch einmal an Bedeutung.

Bei der Vorstellung der neuen Präsentation sprach OB Max Gotz von einem „freudigen Ereignis“. In Erding gehe man sehr sorgfältig mit der eigenen Geschichte um. Dafür sei man gerne bereit, viel Geld zu investieren.

Krause sprach von einer Entdeckung, „die über Erding und Bayern hinaus eine große archäologische Bedeutung hat“. Der Gropius-Bau Berlin beispielsweise wolle sich die Barren für eine Ausstellung 2018/2019 ausleihen.

Jetzt, wo der Spangenbarrenhort für die Allgemeinheit zugänglich ist, eröffnen sich zahlreiche neue Forschungsansätze. Sabrina Kutscher von der Uni München und Restaurator Jörg Stolz berichteten, dass man noch nicht mit letzter Gewissheit sagen könne, welche Funktion die Stäbe hatten und ob sie sakralen oder profanen Ursprungs sind. Derzeit vermuten sie ein Zahlungsmittel, ehe es Münzen gab. „Sie könnten für Tauschgeschäfte verwendet worden seien“, so Stolz.

Kutscher sagte, der Rohstoff stamme aus mehreren Gruben in den Ostalpen. „Wir gehen jedoch davon aus, dass der gesamte Fund aus einem Guss stammt“, sagt Stolz.

Krause schließt aus diesem Zusammenhang, dass der Spangenbarrenhort Zeugnis eines Handelsweges sein könnte, der durchs Erdinger Land verlaufen ist. Alle drei können sich vorstellen, „dass in der Region noch mehr gefunden wird“, so der Museumsleiter. Das so gegossene Rohkupfer – von Bronze konnte wegen des fehlenden Zinns noch keine Rede sein – wurde auch schon in Haag und in München gefunden.

Der Öffentlichkeit wird der Spangenbarrenhort aus Oberding ab diesem Wochenende gezeigt. Dazu findet am Samstag, 22. Juli, ab 10 Uhr das 4. Archäologische Sommersymposium statt. Zahlreiche Wissenschaftler stellen ihre Erkenntnisse vor. Am Sonntag gibt es um 14, 15 und 16 Uhr kostenlose Sonderführungen. Zum Spangenbarrenhort ist ein eigenes Buch erschienen, das für 25 Euro im Museum erhältlich ist.

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