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Graue Tristesse statt blauer Stunde: Der Christkindlmarkt muss wegen des Lockdowns nun doch abgesagt werden. Er hätte aus Platzgründen ohne die 2019 neu angeschaffte Kunststoff-Schlittschuharena st attfinden sollen. 

Auch Bürgerversammlungen, Turmblasen und Lasershow gestrichen – Gotz kritisiert Lockdown

Stadt Erding sagt Christkindlmarkt ab

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Jetzt also doch: Der „Winter in der Stadt“ ist passé. Schweren Herzens musste OB Max Gotz alle Termine absagen - zu riskant.

Erding – Als sich die Beschicker des Christkindlmarktes am Donnerstagmittag im Rathaus versammelten, wussten sie, dass Oberbürgermeister Max Gotz keine guten Nachrichten für sie hatte – und auch nicht für die Bevölkerung: Der Christkindlmarkt 2020 ist abgesagt.

„Wir hatten keine Chance und auch keine andere Wahl“, berichtete der OB nach dem Treffen unserer Zeitung. Erst Anfang Oktober hatte sich der Volksfestausschuss dafür entschieden, den Budenzauber zu organisieren, „auch um ein Signal zu senden, dass in Pandemiezeiten Veranstaltungen möglich sind“, wie der OB damals betont hatte. Doch dann kam Angela Merkels Vier-Wochen-Lockdown.

Gotz: „Die Entscheidung tut sehr weh“

„Diese Entscheidung tut sehr weh, aber wir wollen nichts riskieren“, versicherte Gotz, „und pokern, dass doch noch was geht, ist auch der falsche Weg“. Deswegen ziehe er die Reißleine so früh wie möglich, „damit die Marktleute nicht jetzt bestellen und dann auf der Ware sitzen bleiben“.

Ursprünglich hätte der Christkindlmarkt am Mittwoch, 25. November, beginnen sollen – mit weniger und weiter auseinanderstehenden Buden, Glühweingärten, Einlasskontrolle, begrenzter Besucherzahl, strengem Hygienekonzept, aber ohne Schlittschuhbahn. Gotz gibt zu, dass man den Marktbeginn in den Dezember hätte legen können, da der Lockdown (voraussichtlich) am Montag, 30. November, ausläuft. „Aber das wäre zu unsicher.“

Händler reagieren mit Verständnis

Maria Groß, Wirtin des Almstüberls, wäre wieder mit einem Glühweinstand vertreten gewesen. „Ich verstehe diese Entscheidung und respektiere sie auch.“ Obwohl sie als Gastronomin selbst pandemiegebeutelt ist, fühlt sie vor allem mit den Fieranten. „Für die tut es mir besonders leid, weil sie ohnehin schon kaum Möglichkeiten hatten, heuer etwas zu verdienen.“ Groß hofft, dass sich die Kunden nun nicht abwenden: „Mein Appell lautet: Kauft’s bitte möglichst viel regional ein. Davon profitieren wir alle.“

Wie zahlreiche andere Politiker kritisiert auch CSU-Mann Gotz den Lockdown. „Er konterkariert alle Bemühungen um tragfähige Sicherheits- und Hygienekonzepte.“ Merkel und die Ministerpräsidenten ignorierten die Realität: „Es ist keine Ansteckung in einem Restaurant, in einer Therme oder einem Konzertsaal bekannt.“ Auch er befürchtet, dass nun private Treffen und Feiern stattfinden – und damit unter dem Radar der Sicherheits- und Gesundheitsbehörden. „Diese Entscheidung stellt eine immense Herausforderung für die Polizei und unser Ordnungsamt dar. Denn die Kontrollen und der Vollzug werden den lokalen Behörden überlassen“, grollt Gotz.

Auch alle anderen Termine - abgesagt

Abgesagt sind auch die beiden noch ausstehenden Bürgerversammlungen: am 12. November in Erding und am 19. November in Langengeisling. Auch das bedauert Gotz: „In der Stadt- und der Grundschulturnhalle wäre an sich genug Platz gewesen“, ist er überzeugt. In der Semptsporthalle in Altenerding habe man am 20. Oktober gute Erfahrungen gemacht.

Nicht zuletzt das ebenfalls bis jetzt geplante Turmblasen an Heiligabend und die Lasershow an Silvester hat die Stadt gestrichen.

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