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Volles Haus: 120 Besucher interessierten sich für die Hintergründe der Stadtgründung.

Museum Erding 

Stadtgründung: Suche im Erdboden

Erding – Wann wurde Erding gegründet – wirklich 1228? Dieser Frage gingen Wissenschaftler im Museum Erding auf den Grund.

Dr. Roman Deutinger von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften nah sich des „Gründungsmythos 1228“ an – vor über 120 Interessierten. Deutinger erklärte, dass die Annahme, dass die Stadt Erding gerade im Jahr 1228 gegründet sein soll, nicht auf mittelalterlichen Quellen beruhe, sondern erst in den 1920er Jahren aufgekommen sei. „Grundlage dafür war die falsche Datierung eines herzoglichen Einkünfteverzeichnisses, in dem zum ersten Mal von einem Markt in Erding die Rede ist. Heute weiß man jedoch, dass dieses Verzeichnis erst in die 1230er Jahre zu datieren ist“, so Deutinger. Ein Vergleich zeige, dass Erding damals zu den besonders einträglichen Markt- und Zollstätten im Herzogtum Bayern gehört habe. „Deswegen kann der Ort nicht erst wenige Jahre zuvor gegründet worden sein, sondern muss deutlich älter sein.“

Diese ältere Siedlung zeichnet sich vielleicht noch heute im Grundriss der Stadt ab: Die Gasse Am Rätschenbach ist die einzige in der Altstadt, die aus dem ansonsten sehr regelmäßigen rechtwinkligen Straßenmuster herausfällt und sich mit vielen Kurven vom Freisinger zum Landshuter Tor windet. Sie ist also nicht zusammen mit der übrigen Stadt geplant und angelegt worden, sondern spiegelt vermutlich einen älteren Wegeverlauf.

Geht man nun für die Entstehung des Erdinger Marktes vor das Jahr 1200 zurück, so waren nach den Worten Deutingers „nicht die Wittelsbacher die dominierende Kraft in dieser Gegend, sondern die Grafen von Andechs“. Welche dieser beiden Adelsfamilien hier die Initiative zur Etablierung eines Marktes an einem bestehenden Verkehrsknotenpunkt ergriffen habe, lasse sich gegenwärtig aber noch nicht sagen. „Erding ist also nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt als Stadt gegründet worden, sondern langsam zu einer solchen herangewachsen“, so das Fazit. Da nur wenige spätmittelalterlichen Schriftquellen aus dem 12. und 13. Jahrhundert vorliegen und eine Gründungsurkunde und damit ein exaktes Gründungsjahr für Erding nicht existiert, ist es zukünftig allein der archäologischen Bodenforschung überlassen, Licht ins Dunkel der Erdinger Stadtgeschichte zu bringen.

Prof. Dr. Bernd Päffgen von der Universität München stellte hier eine deutliche Perspektive in Aussicht: die Auswertung sämtlicher Ausgrabungen im Stadtgebiet und den Vorstädten im Rahmen der jüngst begonnenen Doktorarbeit von Emanuel Schormair. 

Harald Krause

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