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Ein Mann und sein Weißbier: Django Asül gastierte in der ausverkauften Stadthalle. 

Stadthalle Erding 

Warum Ikea Erding scheut: Django Asül testet neues Programm

Django Asül testet sein neues Programm „Offenes Visier“ vorab in der Erdinger Stadthalle. Voll von schwarzem Humor und Lebenshilfe. 

Erding Als Django Asül, der bekannte Kabarettist aus Niederbayern, im Trachtenjanker auf die Bühne der Stadthalle tritt, überschüttet er sein Publikum erst einmal mit Komplimenten. Er sei vor 22 Jahren das erste Mal da gewesen, bestaune den „Neoklassizismus“ der Halle und habe sich sehr darüber gefreut, dass nicht schon beim Servieren seines Weißbiers auf dem Stehtisch geklatscht worden sei.

Sein neues Programm „Offenes Visier“ startet zwar erst in ein paar Tagen, doch als Ort für eine Vorab-Premiere sei Erding wegen seines „verständigen Publikums sehr gut geeignet“. Ob denn auch alle Erdinger wüssten, weshalb es hier keinen Ikea gebe?, fragte Asül. „Das darf einen nicht wundern, haben die Schweden doch einst diese schöne Stadt, die schon als Altstadt entworfen wurde, in Schutt und Asche gelegt“.

Dann geht’s aber schnell in seinen Heimatort Hengersberg, wo er und seine Freunde ihre Tage maßgeblich am Stammtisch verbringen. „Ab und zu schleiche ich mich aber auch in ein Café, da gibt’s immer was zu sehen. Vor kurzem traf ich dort ein Paar in mittleren Jahren, das plötzlich beim Gespräch in Rage geriet. Denn die Frau hatte eine gemeinsame Kreuzfahrt gemeinsam mit den Eltern vorgeschlagen – also ein Thema mit allen Zutaten für ein Inferno.“ Dem Mann habe er hinterher geraten, doch zu fahren – „dann bist sie für immer los“.

Der 47-Jährige pflegt auch zynisches Gedankengut zum Thema Elektroautos. Um Batterien dafür herzustellen, brauche es Lithium aus Südamerika und Kobalt aus Afrika. Das könne Menschenleben kosten – „vielleicht auch eine Lösung, um die weltweite Bevölkerungsexplosion einzudämmen“.

Er wolle jedenfalls in Zukunft genauer auf die Dinge des Lebens schauen, es brauche mehr Solidarität in der Gesellschaft und weniger Verrohung in der Sprache. „Wie kann ich denn von einem Mohr im Hemd reden, wo doch gar nicht jeder Mohr eines hat?“ Wenn er in ein anderes europäisches Land gehe, dann nur nach Malta. Er berichtet aus der Geschichte, wie sich schon die Phönizier in grauer Vorzeit für diese Insel interessiert hätten, wie wohl sich Geldschieber aus allen Kulturen dort wohlgefühlt hätten. „Auch heute noch lebt der Malteser dort unbeschwert, nachdem seine Vorfahren zum Beispiel die Araber rausgeworfen haben. Aber was will man auch mit Arabern ohne Öl?“

Dann hätten sie die Türken entfernt, „die haben ihren Schnaps nicht vertragen“. Und jetzt lebe dort völlig unbehelligt und teilweise sehr reich etwa eine halbe Million Leute, nur kontrolliert von einer Art Mafia.

Einmal im Monat spiele er Immobilienmakler. Dabei imponiere ihm als Wohnform der Zukunft die WG: Es könne doch für beide Teile spannend und gewinnbringend sein, wenn etwa ein 20-Jähriger und ein 80-Jähriger zusammenwohnen. Der eine bringe die Einkäufe, der andere seine Erfahrung. „Und glauben sie mir, manche Familie wäre froh, wenn sie für ihre Halbwüchsigen endlich eine Bleibe außerhalb der gemeinsamen Wohnung hätte. Fragen sie doch mal daheim, wer sie selbst noch sympathisch findet.“

Überhaupt glaubt Django Asül, dass der Drang des Einzelnen zur Individualisierung Grenzen habe. „Es geht doch gar nicht, dass jeder Erster ist oder der Schönste. Oder gar beides. Wir sollten lieber versuchen, authentisch zu sein. Ich habe diese Suche nach einem anderen Ego längst aufgegeben.“

Da lobe er sich das Feuerwehrfest in Hengersberg, wo alle den gleichen Rollbraten äßen. Da stehe keiner über dem anderen. „Und am Ende frage ich mich nie, wer ich bin, sondern höchstens, wo ich bin.“ 

Friedbert Holz

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