Stadtpark: Nüchterne Reaktionen auf Biergartenpläne

Erding - Erding Jetzt schlägt vor, im Stadtpark einen Biergarten einzurichten. Die Fachleute winken ab. Die Pläne hörten sich nur im ersten Moment attraktiv an.

Eines der von der neuen Wählerinitiative mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Hans Egger ausgerufenen "Wunder von Erding" ist ein Biergartenbetrieb neben dem Tiergehege im Stadtpark. So könnte ein echter Mangel in der Stadt beseitigt werden (wir berichteten). Experten aus der Gastronomie und die Stadtspitze winken ab. "Das ist nicht machbar", so der einhellige Tenor einer Umfrage unserer Zeitung.

"Mei, man könnte auch eine Kartbahn in der Stadtpfarrkirche einrichten. Baulich wär's möglich", spottet Bürgermeister Karl-Heinz Bauernfeind. Er erinnert daran, dass es zu Beginn der 90er Jahre Parkfeste gegeben habe, die aber wieder eingestellt wurden. "Es fehlen Parkplätze. Auch die Infrastruktur ist nicht geeignet", so die Auffassung des Bürgermeisters. Außerdem habe Erding Jetzt völlig außer Acht gelassen, dass der Park nicht der Stadt gehört, sondern der Heiliggeistspital-Stiftung. "Da wird schnell mal was Populistisches herausposaunt, ohne sich vorher zu informieren", kritisiert Bauernfeind.

Ins gleiche Horn stößt Andreas Mayr, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes. "Auf Anhieb hört sich das in der Tat attraktiv an", so Mayr, bei genauerem Hinsehen entpuppe sich die Idee aber als Rohrkrepierer. Er sieht eine massive Lärmbelästigung der Anwohner, die zu Dauerstreit führen würde. Hinzu komme, dass es keine Parkplätze rund um den Park gibt. "Von jedem Gastronom wird das gefordert. Da kann man bei einem Biergarten keine Ausnahme machen."

Erfahrungen mit dem Biergartenbetrieb im Stadtpark hat Bernhard Rötzer, Wirt des Gasthofes Zur Post. "Wir haben von 1991 bis '98 die Parkfeste organisiert." Das habe man einstellen müssen, weil schon beim ersten Anzeichen auf schlechtes Wetter die Gäste ausgeblieben seien. "Wenn es geregnet hat, kann man auf der Wiese unmöglich eine Gastronomie aufziehen", weiß Rötzer aus Erfahrung. Er warnt vor dem Beispiel Münchner Biergärten. "Man kann Erding nicht mit einer Großstadt vergleichen."

Gegenwind kommt auch von der politischen Opposition. Josef Hochholzer (UWE) sieht das Areal als völlig ungeeignet an. SPD-Bürgermeisterkandidat Hans Schmidmayer hält das Ganze für einen billigen Wahlkampfgag. (ham)

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