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Laue Sommerabende im Freien: Das ist ein zweischneidiger Genuss, wie jetzt im Stadtrat deutlich wurde. Unser Bild entstand in der Langen Zeile.

Stadtrat lehnt Verkürzung der Sperrzeit nach langer Debatte ab

Um 23 Uhr ist draußen Schluss

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Auch während der Sommermonate müssen die Biergärten und Freischankflächen in Erding um 23 Uhr geräumt sein. Der Stadtrat lehnte eine Ausdehnung der Schankzeiten an Frei- und Samstagen sowie vor Feiertagen zwischen Juni und August bis 24 Uhr ab.

Erding - Dies hatte die Interessengemeinschaft Altstadt-Gastronomie beantragt. Damit bleibt die Sperrzeitverordnung der Stadt Erding unverändert. Dem Beschluss war eine intensive Debatte vorausgegangen.

ÖDP-Stadtrat Stephan Treffler dürfte allen seinen Kollegen aus dem Herzen gesprochen haben: „Es gibt Themen, da würde man lieber im Zuschauerraum sitzen.“ In der Tat mussten sich die Kommunalpolitiker im Spagat üben. Einerseits zeigten sie Verständnis für Wirte und Gäste, die laue Sommernächte so lange wie möglich auskosten wollen. Andererseits konnten sie den Wunsch der Altstadtbewohner nachvollziehen, ausgerechnet an den Tagen noch länger dem Lärm ausgesetzt zu sein, an denen man bei offenem Fenster schlafen kann. Beide Lager waren zahlreich in der Sitzung vertreten.

Robert Buckenmeier vom Ordnungsamt erklärte, dass man mit der bisherigen Erlaubnis der Außengastronomie bis 23 Uhr gute Erfahrungen gemacht habe. Es gebe kaum Beschwerden. Denen würde nachgegangen. Buckenmeier und OB Max Gotz (CSU) verwiesen auf München, das 2014 einen ähnlichen Versuch unternommen habe – laut Gotz mit „durchwegs verträglichen Erfahrungen“. Von Anfang der Debatte an war klar: Sollte die Sperrstunde um eine Stunde verkürzt werden, müsste die Einhaltung des Lärmschutzes überwacht werden.

Dritter Bürgermeister Hans Schmidmayer (SPD) stellte sich gegen einen Ausschank bis Mitternacht. Es gehe hier um bis zu 24 Tage. „Wenn wir das erlauben, verlieren die Anwohner jedes Mal wieder ein Stunde Lebenszeit. Schmidmayer sagte: „Wir stimmen heute über die Lebensqualität in der Altstadt ab.“ Als Wohnungsreferent stellte Herbert Maier (Grüne) klar, dass die Nachtruhe Vorrang habe.

Treffler meinte, man sollte es auf einen Versuch ankommen lassen. Dem schloss sich Petra Bauernfeind (FW) an. Sie verwies darauf, „dass man nach 23 Uhr ins Lokal wechseln könne.

Wirtschaftsreferent Rainer Mehringer (FW) vertrat die Auffassung: „Kriegsentscheidende Umsätze werden in der letzten Stunde sicherlich nicht gemacht.“ Gerade im Sommer würden viele Menschen gerne bei offenem Fenster schlafen.

Hans Balbach (Erding Jetzt) sprach sich unter anderem wie Helga Stieglmeier (Grüne) und Harry Seeholzer (Erding Jetzt) für die 24-Uhr-Grenze aus. „Wir werden zunehmend ein Tourismusort. Und deswegen sollten wir den Gästen auch etwas bieten.“ Seeholzer sagte, viele lange Abende fielen witterungsbedingt aus. Und Stieglmeier erinnerte daran, dass man in der Stadt lebe, da gebe es anderen Lärm als auf dem Land. „Tatsache ist auch, dass die jüngeren Leute heute später weggehen.“

Christian Numberger (CSU) regte einen Kompromiss an – 23.30 Uhr. Diesem Gedanken schloss sich Jakob Mittermeier (CSU) an. Jutta Harrer sagte, eine beinahe täglich wechselnde Regelung sei verwirrend. Sie sprach sich für den Schutz der Anwohner aus.

Am Ende ließ Gotz über den weitreichendsten Antrag abstimmen: Außengastronomie bis Mitternacht. Nur zehn der 40 Stadträte hoben dafür die Hand. Daraufhin riet der OB, sich auf keinen Kompromiss einzulassen. „Das ist keine Lösung.“ Ohne weiteres Votum blieb es am Ende bei der bestehenden Regelung: Nach 23 Uhr ist draußen Schluss – den Anwohnern zuliebe.

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