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Stellten das Quartier-Entwicklungskonzept für Klettham-Nord vor: (v. l.): Claus Sperr und Tobias Preising (Büro Planwerk), OB Max Gotz, Bernadette Karlstetter und Christian Famira-Parcsetich (Stadtentwicklung Erding), Marion Schumacher (Oberbayerische Heimstätte), Christoph Keller (Pfarrer der evangelisch-lutherischen Gemeinde) sowie Jochen Baur und Denis Ohrenschall (Büro SEP). 

Stadtteil Klettham Nord

Erding bekommt ein neues Zentrum: Klettham soll wieder attraktiver werden

Mehr Aufenthaltsorte, ein Quartiers-Café, entzerrter Verkehr und Tempo 30: Der Stadtteil Klettham Nord könnte sein Gesicht in den nächsten Jahren gravierend verändern – und damit bürgerfreundlicher werden.

Klettham – „Es ist spannend nach neun Monaten, wie bei einer Geburt.“ OB Max Gotz freute sich zusammen mit rund 40 Bürgern aus dem Stadtteil Erding-Nord in der Aula der FOS/BOS auf die Vorstellung des Integrierten Quartiers-Entwicklungskonzepts, erarbeitet von zwei Planungsbüros. Dabei geht es um Ideen für eine zukünftige Entwicklung des Stadtteils, an der sich auch viele Kletthamer in einer Auftaktveranstaltung und zwei Workshops beteiligt hatten (wir berichteten).

„Wir reden nicht nur über Bürgerbeteiligung, wir haben sie“, meinte Gotz. „Große Veränderungsprozesse stehen in diesem Stadtteil an, denn in die ersten Unterkünfte zogen vor gut 50 Jahren vor allem Soldaten aus dem Fliegerhorst ein. Sie brauchten in erster Linie Wohnraum, ihre Kommunikationsorte lagen aber in der Kaserne.“ Heute jedoch, stellte Tobias Preising vom Nürnberger Büro Planwerk vor, dominierten in Klettham-Nord meist ältere Menschen mit vielen Nationalitäten. 

Erlöserkirche als neues Zentrum

Es gebe relativ wenige Kinder. Vor allem, das ist der oft vorgetragene Bürgerwille der Kletthamer, werden attraktive Treffpunkte, ein beruhigter Fahr- und Parkverkehr mit mehr Einbahnstraßen, ein Quartierspark und eventuell ein eigener Wochenmarkt im Viertel gewünscht.

Planer Denis Ohrenschall vom Münchner Büro SEP bündelte die Anwohner-Wünsche in drei Entwicklungsziele: „Es geht um Versorgung und Mobilität, um Freizeit, Kultur und Treffpunkte sowie um Ortsbild und Innenentwicklung.“ Diese Punkte hätten sich aus einem so genannten „Ideen-Baum“ ergeben, aufgestellt im Sommer 2019.

Wie und wo sich ein zentraler Bereich für alle Kletthamer, ein Quartiersplatz, entwickeln könnte, stellte sein Büro-Kollege Jochen Baur vor. Er präsentierte dem gespannt lauschenden Plenum eine große Begegnungsfläche rings um die Erlöserkirche an der Friedrichstraße. Hier sollen sowohl der bisherige kleine Kiosk mit einbezogen werden als auch großzügigere Grünanlagen vor den Mietshäusern zum Verweilen einladen.

Die ehemalige Gaststätte St. Prosper, bisher Heimat von Arbeiterwohlfahrt und einst der Tafel, könnte zum Quartiers-Café umgebaut werden. „Die Erlöserkirche bietet bereits gut gelegene Flächen. Der Parkplatz gegenüber dem Kiosk könnte vielleicht einmal in der Woche zum Marktplatz werden“, erklärte Baur, der dort in der Nähe auch eine neu angelegte Bushaltestelle mit barrierefreier Einstiegsmöglichkeit sieht. „Zudem könnte der Platz vor der AOK vergrößert werden“, regte er an.

„Wir sollten zudem dringend die Parksituation an der Kreuzung Thomas-Wimmer-Straße/Riverastraße entzerren“, riet Baur. Überhaupt benötigt die Verkehrssituation nach Meinung der Planer eine „gründliche Restrukturierung“. Im gesamten Bereich stellen sie sich Tempo 30 vor, wollen den Radverkehr von der gefährlichen Siglfinger auf Almfeld- und Karlstraße verlegen, weil die Radfahrer-Schutzstreifen in den Straßen wegen mangelnder Breite nicht umgesetzt werden könnten.

Andere, wie die Anwohner Gerd Hohlbach und Herta Brydon, forderten mehr Einbahnstraßen und eine entschärfte Parksituation auf der Karlstraße. Dazu Planer Baur: „Einbahnstraßen verschieben den Verkehrsfluss aber immer in andere Straßen und laden zu schnellerem Fahren ein.“

Gotz: Wir brauchen private Flächen

Schließlich konnte Baur der Versammlung noch die Idee eines Quartierparks auf der freien Wiese entlang der Flurstraße schmackhaft machen. „Hier könnten Bauminseln und Spazierwege entstehen, eventuell ein Skaterplatz, eine Verbindung zwischen dem Spielplatz dort und dem Sportgelände. Auch die Gastronomie bei Rot-Weiß Klettham ließe sich durch einen gemütlichen Biergarten noch aufwerten.“ Allerdings wären dann, so der Planer, unbedingt Querungshilfen für Fußgänger an der stark befahrenen Siglfinger Straße notwendig.

Stadtentwickler Christian Famira-Parcsetich richtete den Blick nach vorne. Alle Ideen würden dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt. Für die Umsetzung winkten möglicherweise bis zu 60 Prozent Zuschuss durch das Städtebau-Förderprogramm „Soziale Stadt“. Gotz versprach den Anwesenden, das Quartiersprojekt Klettham-Nord „mit Nachdruck“ weiter zu entwickeln. Doch er schränkte gleichzeitig ein: „Wir als Stadt können zwar zeitnah neue Einbahnstraßen-Regelungen erlassen, weil wir dafür die Hoheit haben. Aber für die bauliche Umsetzung der anderen Vorhaben benötigen wir erst einmal einige private Flächen. Diese zu bekommen, ist aber meist nicht einfach.“

Friedbert Holz

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