+
Grassofas möchte das Korbinian-Aigner-Gymnasium im Zuge der Stadtteilkunst bauen. Das Projekt wurde heiß diskutiert, dann aber einstimmig gebilligt.

Stadtteilkunst Erding 2017

Zu teuer? Streit um Schüler-Kunst

  • schließen

Das nächste Projekt von Stadtteilkunst wird wieder von Schülern gestaltet. Diesmal werden die weiterführenden Schulen Exponate im öffentlichen Raum schaffen. Harry Seeholzer kritisierte die Ausschreibung. Dabei ist er selbst Künstler. Der Stadtrat zeigte sich darüber verwundert.

Erding - 40 000 Euro gibt die Stadt für die Stadtteilkunst aus, ein Projekt, das alle zwei Jahre ausgelobt wird. Diesmal stehen die Realschulen, die Gymnasien und die FOS/BOS im Mittelpunkt. Jeweils 6000 Euro stehen ihnen für ihre Projekte in diesem und im kommenden Jahr zur Verfügung. Was geplant ist, stellte Stadtbaumeister Sebastian Henrich im Stadtrat vor.

Die FOS/BOS kooperiert mit der Berufsintegrationsklasse der Berufsschule beim Projekt „Wo komme ich her, wo bin ich gerade, wo will ich hin“. Objekte und Inhalte werden gestaltet. Flankiert wird das von Exkursionen und Unterrichtseinheiten. Am Ende steht eine Ausstellung.

Die Herzog-Tassilo-Realschule bietet im kommenden Schuljahr ein Wahlfach Stadtteilkunst Erding an. In Rollenspielen werden Körperhaltungen erprobt, fotografiert und in Skulpturen umgesetzt.

Der Land Art hat sich die Mädchenrealschule Heilig Blut verschrieben. Alle Klassen werden einbezogen. Die Schülerinnen wollen Gegenstände aus dem Alltag verhüllen oder künstlerisch umgestalten – und somit neue Perspektiven schaffen. Ziel ist, Kunst und Natur nachvollziehbar zu machen.

Das Korbinian-Aigner-Gymnasium ist zum einen mit einem Fotoprojekt mit Miniatur-Figuren vertreten, die sich in der großen Welt durchschlagen müssen. Zudem sollen Grassofas gebaut und bepflanzt werden – in Überlebensgröße.

„Tea Time im Park“ heißt es am Anne-Frank-Gymnasium. Ziel ist die Fusion aus einer Keramikausstellung und Performance. Töpfer- und Theatergruppe testen neue Wege des Miteinanders.

Kritik an den Plänen äußerte Harry Seeholzer (Erding Jetzt). Er, der selbst Künstler ist und in Erding schon etliche Exponate aufgestellt hat, sagte: „Das ist mir inhaltlich zu wenig.“ 40 000 Euro seien für das, was er vorgestellt bekommen habe, zu viel. Er verwies auf das von dem Künstler Mr. Woodland geplante internationale Festival mit Graffiti-Sprayern. Das sei unter anderem daran gescheitert, weil die Stadt nicht mehr als 10 000 Euro zuschießen wollte. Zudem kritisierte Seeholzer, dass den Schülern nicht ein Künstler zur Seite gestellt werde. So sei es 2011 bei der Stadtteilkunst an den Grundschulen gewesen. Den Jugendlichen müssten deutlich engere Vorgaben gemacht werden. Hinzu komme, dass es sich um Landkreisschulen handle. Eine Quersubventionierung sehe er kritisch.

OB Max Gotz (CSU) sagte, er sei erstaunt und wundere sich. Die jungen Leute sollten in ihrer Kreativität gerade nicht eingeengt werden. Von einer Quersubventionierung könne keine Rede sein. „Es geht um den Schulstandort Erding.“ Henrich erinnerte daran, auch den Grundschulen habe man keine Vorgaben gemacht.

Horst Schmidt (SPD) verwies darauf, dass die Kunstpädagogen sehr oft selbst Künstler seien. Das Spannende sei doch gerade, dass man vorher nicht wisse, was am Ende herauskomme.

Auch Zweiter Bürgermeister Ludwig Kirmair (CSU) verwies auf den Kunstverstand der Lehrer. „Dieses Projekt ist besonders nachhaltig, weil Schüler, Lehrer und Eltern mit eingebunden sind.“ Petra Bauernfeind (FW) lobte die Idee, ein eigens Wahlfach einzurichten. „Hier haben die jungen Leute Möglichkeiten, die ihnen sonst nicht zur Verfügung stehen. „Ich erwarte mir tolle Ergebnisse.“

Helga Stielgmeier (Gründe) wunderte sich über Seeholzer, „dass gerade er vorher wissen will, was herauskommt.“ Burkhard Köppen (CSU) konnte der Debatte immerhin abgewinnen, „dass wir kontrovers über Kunst diskutieren. Das kennt der Harry vom eigenen Schaffen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

TSV Dorfen: Das schönste Pokal-Aus aller Zeiten
Der TSV Dorfen hat das Pokal-Spiel gegen den TSV 1860 München verloren. Und doch hat er alles richtig gemacht.
TSV Dorfen: Das schönste Pokal-Aus aller Zeiten
Eine Madonna für Langenpreising
Der Langenpreisinger Josef Wurzer schenkt seiner Heimatgemeinde eine Schnitzarbeit. Sie ist der berühmten Stalingrad-Madonna nachempfunden.
Eine Madonna für Langenpreising
Feldspritze steht Kopf
Ein größeres Malheur ist einem Landwirt auf der Ortsdurchfahrt Moosinning passiert. Seine Feldspritze mit 2600 Liter Wasser  riss sich los.
Feldspritze steht Kopf
Pflug-Wettziehen mit reiner Muskelkraft
Reine Muskelkraft war beim Pflug-Wettziehen im Rahmen des Oldtimer-Treffens der Feuerwehr Eicherloh gefragt.
Pflug-Wettziehen mit reiner Muskelkraft

Kommentare