Willi Scheib: Der Erdinger Sozialdemokrat führt den SoVD-Ortsverband seit fast zehn Jahren.

100 Jahre Sozialverband Deutschland 

Stets die sozial Schwachen im Blick

Erding - Er ist das Sprachrohr der sozial Schwachen in der Gesellschaft und setzt sich für ihre Belange ein. Der Sozialverband Deutschland feiert 100-Jähriges. Dazu gibt es in Erding einen Festakt. 

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) wird 100 Jahre alt. Dieses Jubiläum wird auch im Ortsverband Erding gefeiert. Am Samstag, 15. Juli, findet beim Mayr-Wirt ein Festakt statt. Gleichzeitig ist das Jubiläum Anlass dafür, zurückzublicken. SoVD-Ortsvorsitzender Wilhelm Scheib erinnert sich an die wechselvolle Geschichte des ältesten Sozialverbands Deutschlands.

„Als 1917, in den letzten Wirren des Ersten Weltkriegs, der damalige Reichsbund der Kriegsopfer, Behinderten, Sozialrentner und Hinterbliebenen gegründet wurde, beherrschten Tote, Verletzte und soziale Ungleichheit den Lebensalltag der Menschen“, blickt der Erdinger auf die Entstehung des Vereins zurück. Einfluss auf die Sozialgesetzgebung zu nehmen, war damals die oberste Zielsetzung. 1929 trat der Verband, der sich auch dem Frieden und der Völkerverständigung verschrieben hatte, offensiv dem aufkommenden Nationalsozialismus entgegen und entzog sich 1933 der Gleichschaltung, indem er sich selbst auflöste.

Erst 1945 nahmen Ortsverbände des Reichsbunds ihre Arbeit wieder auf, erzählt Scheib. Fünf Jahre später, am 1. Mai 1950, wurde auch in Erding eine Reichsbund-Gruppe gegründet. Ihr erster Vorsitzender war Heinrich Brunner, selbst schwer behindert. Er gab den Vorsitz 1996 an Wilhelm Gschwandtner ab. Mittlerweile gab es immerhin 200 Mitglieder. 1999 schließlich bekam der Reichsbund einen neuen, nicht mehr geschichtsbelasteten Namen: Er heißt seitdem Sozialverband Deutschland.

„Doch die hiesige Ortsgruppe hatte damals ganz andere Sorgen“, erinnert sich Scheib. „Denn nach Gschwandtner, der 2006 sein Amt abgegeben hatte, führte ein Übergangs-Vorsitzender aus München, Alois Fischer, die Erdinger. Weil hier jedoch Vorstand und Mitglieder nicht harmonierten, musste die damalige Stellvertreterin Rosi Bauer einen neuen Vereinschef suchen.“

So kam Willi Scheib ins Spiel. „Irgendwann im Jahr 2007 hat sie mich auf diesen Posten angesprochen. Ich war damals noch nicht einmal Mitglied“, erinnert sich der Sozialdemokrat, der sich seit Jahrzehnten auch beim Deutschen Gewerkschaftsbund engagiert.

So übernahm Scheib im März 2008 den SoVD-Ortsvorsitz. Seither führt er rund 170 Mitglieder – 80 Prozent davon sind Frauen. Scheib, neben seiner Mitgliedschaft in der SPD auch Beiratsvorsitzender der AOK Erding, musste sich erst einmal an sein winziges Büro am Rätschenbach gewöhnen, ganz ohne Heizung, „ein Horror“. Doch durch seine Kontakte zur AOK hat er heute sein kleines Büro in deren Gebäude an der Riverastraße.

Haupteinnahmequelle des Verbandes in Erding ist neben einigen Spenden vor allem seine Beteiligung an der Arbeitsgemeinschaft Herbstfest-Parkplatz. „Dank unseres rührigen Geschäftsführers Markus Böhm nehmen wir hier eine Summe ein, mit der wir unsere vielfältigen Aufgaben bewältigen können“, freut sich Scheib.

Der SoVD setzt sich für die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft ein – etwa für Schwerbehinderte, eine verbesserte Alterssicherung der Frauen, die stufenweise Anerkennung von Kindererziehungszeiten oder die Verbesserung der sozialen Sicherheit bei Pflegebedürftigkeit.

Auch wenn Bayern im SoVD-Gesamtverband mit rund 3000 Mitgliedern nur eine kleine Rolle spielt, freut sich Scheib aufs Jubiläumsfest am Samstag. „Immerhin haben die SoVD-Vizepräsidentin Renate Falk und die SoVD-Landesvorsitzende Barbara Hölzel zugesagt.“ Auch die Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz (CSU) und Ewald Schurer (SPD) wollen kommen. Schließlich erwartet Scheib auch ein Mitglied des Ortsverbands, das weit weg wohnt: Es reist aus Freilassing bei Salzburg an. (Friedbert Holz)

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