Landgericht Landshut 

Steuerbetrug aus der Zelle: Haft für Erdinger

Erding/Landshut – Sogar aus seiner Gefängniszelle heraus hat ein Erdinger Steuerbetrügereien begangen. Dafür wurde er nun zu einer – weiteren – Haftstrafe von drei Jahren verurteilt.

Wegen bandenmäßigen Betrugs mit Immobilien hatte sich der 48-Jährige bereits 2008 fünf Jahre Freiheitsstrafe eingehandelt. Von einer Läuterung war er weit entfernt, setzte als Freigänger seine kriminellen Machenschaften fort und hinterzog diesmal mit Scheinrechnungen, die als Betriebsausgaben geltend gemacht wurden, über 600 000 Euro Steuern. Dafür wurde er von der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Landshut wieder ins Gefängnis geschickt.

Der Erdinger ist gelernter Bankkaufmann. Ende der 90er Jahre hatte er sich auf dem Immobilienmarkt selbstständig gemacht. Er kaufte Mehrfamilienhäuser unter anderem in München, Augsburg und Landshut und ließ sie renovieren, um sie dann einzeln als Eigentumswohnungen zu verkaufen.

In 147 Fällen, die bis ins Jahr 2001 zurückreichen, ging es dabei kriminell zu. Der Erdinger wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Von März 2010 bis Oktober 2011 saß er ein, nach seiner vorzeitigen Freilassung setzte er sich mit Frau und Kind nach Südafrika ab – und begann wieder mit kriminellen Machenschaften.

Im September vorigen Jahres wurde er erneut festgenommen. Die Anklage warf ihm vor, von 2010 bis 2012 zunächst als Freigänger und dann unter laufender Bewährung bei seinen Einkommen- und Gewerbesteuererklärungen unrichtige beziehungsweise unvollständige Angaben gemacht zu haben. Er soll unter anderem Rechnungen von angeblichen Berliner Baugesellschaften in Höhe von insgesamt rund 1,4 Millionen Euro gewinnmindernd als Betriebsausgaben verbucht haben. Laut Anklage waren es Scheinrechnungen.

Vor Gericht räumte der 48-Jährige ein, er habe das nur getan, um von den Banken Geld zu bekommen. Die geltend gemachten Ausgaben habe er aber bei Bauvorhaben tatsächlich getätigt. Bei einigen Millionenprojekten habe er Pech gehabt. Und: Etliche Rechnungen habe er bar bezahlt – ein Indiz für Schwarzarbeit, so Richter Alfons Gmelch. Nach neun Verhandlungstagen war ein Tatbestandsschaden von 628 000 Euro ermittelt, bei der Strafzumessung wurden jedoch „nur“ 380 000 Euro berücksichtigt. Gmelch sprach von einer „Abgebrühtheit“ des Angeklagten und verurteilte ihn zu drei Jahren Haft. Die Bewährung über 22 Monate Haft aus dem ersten Urteil könnte nun widerrufen werden.

Walter Schöttl

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