Endlich wieder arbeiten darf Nicole Bäter im Erdinger Tattoostudio Voodoo Croo. Handschuhe und Mundschutz hat sie auch schon vor Corona getragen.
+
Endlich wieder arbeiten darf Nicole Bäter im Erdinger Tattoostudio Voodoo Croo. Handschuhe und Mundschutz hat sie auch schon vor Corona getragen.

Tattoo-Studios

Stich für Stich aus der Krise: Tattoo-Studios legen wieder los

Die Tätowierer haben sehr unter dem langen Lockdown gelitten, auch staatliche Hilfszahlungen kommen oft nicht bei ihnen an. Jetzt sind aber die Terminbücher endlich voll.

Landkreis – Hinter den Tätowierern liegen lange Lockdown-Monate, die auch Studio-Besitzer aus der Region finanziell und psychisch stark belastet haben. Nach über einem halben Jahr Zwangspause durften die Studios am 11. Mai wieder öffnen. Die Terminkalender sind nun sehr gut gefüllt, die Umsetzung der Hygienemaßnahmen bedeutet für die Betreiber keine große Umstellung.

Äußerst bedrückend war die Zeit seit November für Nicole Bäter vom Studio Voodoo Croo in Erding. „Für uns war das ganz schlimm, weil wir einfach nicht erwähnt wurden und keine Perspektive erhalten haben“, berichtet die Tätowiererin. Da der Lockdown für sie durchaus existenzgefährdend war, ist die junge Mutter froh, dass sich täglich Kunden gemeldet haben und sie immerhin kreative Tattoo-Entwürfe vorbereiten konnte.

Seit der Wiedereröffnung ist der Kundenansturm in Erding groß. Bäter ist froh, dass die Menschen weiterhin Geld in Körperverzierungen investieren wollen. Ihre Chefin Iris Bley ist nun für fast zwei Jahre ausgebucht, Bäter selbst hat schon Aufträge für die nächsten fünf Monate.

Erst im Oktober hat sich Sanko Jakab mit seinem Tattoostudio in Taufkirchen selbstständig gemacht. „Ich dachte, Corona ist vorbei.“ Mit einer erneuten, derart langen Zwangsschließung hatte er nicht gerechnet. In den vergangenen Monaten war es „nicht immer leicht, alles zu bezahlen“, gibt Jakab zu, der dankbar für die Unterstützung seiner Frau ist.

Mitten im Lockdown verlegte Michael Nebel im Dezember sein Studio Schattenkünste von Erding nach Forstern. „Das war zeitlich katastrophal ungünstig, weil ich auch nicht arbeite durfte“, sagt Nebel. Etwas über Wasser gehalten habe ihn zuletzt sein E-Zigaretten-Laden. Die Nachfrage nach Tattoo-Terminen sei nun erstaunlich hoch.

Auch Sonja Schott vom Studio Lovely Ink Tattoo & Piercing in Taufkirchen hat im Lockdown Zeichnungen angefertigt. „Die letzten Monate war ich aber schon eher frustriert und demotiviert“, gibt sie zu. Umso glücklicher ist Schott jetzt über „brutal viele Anfragen“. Neukunden muss sie jedoch etwas vertrösten, da sie erst die vielen ausgefallenen Termine seit November nachholen will.

Zu den aktuellen Hygieneregeln in den Studios gehört die FFP2-Maske, viel desinfizieren und keine Begleitpersonen. Streng genommen sind negative Corona-Tests für Tätowierungen und Piercings keine Pflicht. Bäter von Voodo Croo sagt dazu: „Wir vertrauen unseren Kunden und haben keine Angst.“

Beispielsweise in Forstern, im Studio Maximus in Erding oder bei Jakab in Taufkirchen sind die Tests dennoch gewünscht. „Sicher ist sicher“, meint Jakab. Warum sie nicht bereits früher aufsperren durften, können die Tätowierer unisono nicht nachvollziehen. Sie betonen, dass schon vorher extrem auf Hygiene geachtet worden sei. „Besser als bei uns geht’s nicht“, findet Bäter. Masken gehören laut Nebel schon immer zum Standardinventar.

Finanziell war der Lockdown für alle Studios belastend, weil die Hilfen nicht ausreichten. „Zum Sterben z’vui und zum Lem z’wenig“, sagt Schott: „Laufende Kosten sind knapp gedeckt, aber man hat nix zum Leben.“ Jakab hat nach Absprache mit seinem Steuerberater wegen seiner kurzen Selbstständigkeit erst gar nichts beantragt. Voodoo Croo habe die November- und Dezemberhilfe bis heute nicht erhalten, und Bäter rechnet auch nicht mehr damit. Auch Nebel muss seit dem Winter auf Rücklagen zurückgreifen.

Trotz der neuen Freude belastet die Tätowierer immer noch eine gewisse Unsicherheit, da ihre Branche an die Sieben-Tages-Inzidenz gebunden ist. Sie versuchen trotz dieser Abhängigkeit positiv zu bleiben. „Ich bin optimistisch, denn sonst geht man kaputt“, sagt zum Beispiel Bäter.

MARKUS OSTERMAIER

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare