Wegen Kindesmissbrauchs verurteilte das Landgericht einen 44-Jährigen.
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Jahrelang wurde ein zehnjähriges Mädchen im östlichen Landkreis Erding von seinem Stiefvater sexuell missbraucht. (Symbolfoto)

Prozess im Landgericht Landshut: Mädchen jahrelang sexuell missbraucht – Mutter glaubte Tochter nicht

Sexueller Missbrauch: Stiefvater vergewaltigt Zehnjährige

Als Achtjährige hatte sie sich das erste Mal der Mutter anvertraut. Doch Mutter und Oma glaubten ihr nicht. Erst als sie 17 Jahre alt ist, wird der Stiefvater angeklagt - und gesteht Missbrauch und Vergewaltigungen.

Östlicher Landkreis – Die Tochter war acht Jahre alt, als die Mutter das erste Mal von ihr hörte, dass sie der Stiefvater im Intimbereich berührt hätte. Mit den Vorwürfen konfrontiert, stritt dieser jedoch alles ab. Neun weitere Jahre und unzählige Übergriffe mussten vergehen, bis die Ermittlungen gegen den 41-jährigen Lkw-Fahrer aus dem Landkreis in Gang gekommen sind.

Die mittlerweile 17-Jährige hatte selbst Anzeige erstattet. Der Mann muss sich seit Freitag vor der vierten Strafkammer des Landgerichts Landshut verantworten.

Der 41-Jährige legt ein vollumfängliches Geständnis ab

Entgegen seiner früheren Behauptungen legte der 41-Jährige im Prozess ein vollumfängliches Geständnis ab. Die Anklage legt dem Familienvater schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in zehn Fällen und sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in sechs Fällen zur Last, außerdem das Herstellen kinderpornografischer Schriften – zwei seiner Taten hielt er auf Film und Fotos fest. Darauf sind Ringelsocken zu sehen wie die, die das Mädchen früher so gerne trug, dazu ein Kinder-Po und der erigierte Penis eines Erwachsenen.

Übergriffe zu Hause und im Führerhaus seines Lkw

Die Übergriffe haben laut Anklage im Haus der Familie und in den Führerhäusern der von dem 41-Jährigen gefahrenen Lastwagen stattgefunden. Das Mädchen hatte ihn in den Ferienzeiten regelmäßig auf seinen Routen im Nah- und Fernverkehr begleitet. Der sexuelle Missbrauch reichte von Berührungen im Intimbereich über manuelle Befriedigung des 41-Jährigen bis hin zum Geschlechtsverkehr. Letzterer fand laut Anklage zum ersten Mal statt, als das Mädchen zehn Jahre alt war.

Erst schmücken sie den Christbaum, dann macht er Sex-Bilder von der Stieftochter

An Heiligabend im Jahr 2016 sind die in der Anklage erwähnten Fotos entstanden. Zu diesem Zeitpunkt war der Angeklagte allein mit seiner Stieftochter gewesen – die Ehefrau war mit den gemeinsamen Söhnen spazieren gegangen. Unmittelbar vor der Tat hatte der Lkw-Fahrer noch zusammen mit dem Mädchen den Christbaum der Familie geschmückt.

Vor Gericht gab der Angeklagte an, andere Kinder hätten ihn noch nie erregt, „immer nur sie“. Er bestritt, Druck auf seine Stieftochter ausgeübt zu haben. Nur ein Mal habe er erwähnt, dass er in den Knast müsse, wenn sie etwas von den Übergriffen erzählen würde.

Eine Psychologin zweifelt an den Aussagen des Mädchens

Sein Mandant werde sich in sexualtherapeutische Behandlung begeben, erklärte Verteidiger Hubertus Werner. Er wies darauf hin, dass der 41-Jährige durch sein Geständnis „eine schwere Last“ von seiner Stieftochter genommen habe. Noch während der Ermittlungen hatte sich diese rechtfertigen müssen: In einem Glaubwürdigkeitsgutachten hatte eine Psychologin aufgeführt, dass einiges gegen die Wahrhaftigkeit der Vorwürfe des Mädchens spreche. „Ich fand sie immer glaubhaft“, lautete der Kommentar der ermittelnden Kripobeamtin zu dieser Einschätzung.

Unter Druck zieht das Mädchen die Aussage zurück

Der Polizistin zufolge hatte sich die Schülerin im Alter von zwölf Jahren erneut ihrer Mutter anvertraut. Die beiden seien schon auf dem Weg zur Polizei gewesen, als sich die Mutter des Angeklagten eingemischt habe. Ob sie sich das denn nicht alles eingebildet habe, habe die Oma ihre Enkelin damals mehrmals gefragt. „Irgendwann hat die Kleine dann tatsächlich erklärt, dass sie gelogen hat“, berichtete die Beamtin. Der Prozess wird am 26. Februar fortgesetzt.  (nig)

Es rumpelt wieder in Sachen Lärmschutz entlang der A 94: Die Dorfener SPD will die Verantwortlichen in die Pflicht nehmen.

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