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Am Einarbeiten ist Franz Traßl, seit 1. August neuer Leiter des Erdinger Vermessungsamts.

Franz Trassl Neuer Leiter des Vermessungsamts 

Ein Stratege ohne Angst vor neuen Ufern

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Erding – Das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Erding hat einen neuen Leiter: Zum 1. August übernahm Franz Traßl den Posten von Christoph Dusch. Er war exakt vier Jahre Leiter des Vermessungsamts.

Von Hans Moritz

Franz Traßl ist am Ankommen. Auf dem Wegweiser an der Behörde an der Dorfener Straße steht noch der Name seines Vorgängers. Doch Christoph Dusch ist schon weg – er leitet jetzt das Vermessungsamt in seiner Heimatstadt Landshut. Auf Traßls Besprechungstisch steht nach wie vor der Blumenstrauß, den ihm seine Mitarbeiter zur Begrüßung geschenkt haben. Die Sonnenblume lässt schon merklich den Kopf hängen.

Für so etwas hat Traßl keine Zeit. Jetzt will er erst einmal seine 33 Mitarbeiter und sein neues Zuständigkeitsgebiet kennenlernen. Bei OB Max Gotz war er schon, der ihm erzählt hat, in welch schöner und reicher Stadt der 56-Jährige angekommen ist. Einen ersten Überblick hat sich der gebürtige Saarländer bei drei Mittagessen in der Stadt verschafft. Und einmal hat er sich mit dem Auto verfahren – und so unverhofft die Altstadt kennengelernt.

Traßl wird sich schnell einleben. Denn seine Biografie lässt darauf schließen, dass er keine Scheu davor hat, immer wieder zu neuen Ufern aufzubrechen.

Am 7. Januar 1960 wurde er in Saarbrücken geboren. Sein Vater war in der Eisengießerei tätig und kam deswegen viel herum – seine Familie zog mit. Von Saarbrücken ging es in die Oberpfalz, danach drei Jahre in die Nähe von Innsbruck und schließlich längere Zeit nach Günzburg. Dort machte Traßl 1979 Abitur.

Nach einem Zwischenspiel bei der Bundeswehr studierte er an der Technischen Universität München Vermessungswesen. 1968 erwarb der Ingenieur das erste Staatsexamen. Sein Referendariat leistete Traßl am Landesvermessungsamt in München ab.

Der junge Beamte kehrte 1989 ins Schwäbische zurück. 25 Jahre lang war er am Vermessungsamt in Günzburg, am Schluss als dessen stellvertretender Leiter. 2015 holte ihn der Freistaat für ein Jahr nach Aschaffenburg – dort herrschte Personalmangel. Zuletzt war der Beamte ein Jahr in Miesbach. „Amtsleiter, das wollte ich schon eines Tages werden. Aber Erding hatte ich da nicht im Blick“, erinnert er sich. Die Stelle sei durch den Rückzug Duschs in die Heimat eher überraschend frei geworden. Traßl bewarb sich – und bekam den Zuschlag. Derzeit pendelt er täglich vom Schliersee in die Herzogstadt. Hier will er sich zumindest ein Zimmer suchen.

Die bayerischen Vermessungsämter haben in den vergangenen Jahren eine enorme Aufwertung erfahren. Traßl versichert zwar, dass das Einmessen von Grundstücken und Gebäuden nach wie vor die Kernkompetenz darstelle. Auch die Digitalisierung sei an sich nichts Neues – das Übertragen unzähliger Karten, Kataster und Verzeichnisse in elektronische Verzeichnisse und deren Pflege.

Relativ neu ist die Mammutaufgabe des Breitbandausbaus. „Unser Part ist, die Gemeinden bei der Bezuschussung zu beraten,“ erklärt der Amtschef. Das bayerische Förderprogramm sei zwei Milliarden Euro schwer, pro Ortschaft könnten bis zu 950 000 Euro abgerufen werde. 30 Mbit im Download und zwei Mbit im Upload – das soll landauf, landab Mindeststandard werden. Traßl stellt aber auch klar: „Wir legen keine Anschlüsse und sind auch nicht Ansprechpartner für die Bürger.“ Solche Anrufe müsse er weiter vermitteln.

Privat mag es Traßl lieber analog als digital: Er spielt Schach im Verein und kann sich für Strategie- und Denkspiele begeistern. Als typischer Beamter sieht er sich übrigens nicht: Er kleidet sich lieber leger. Krawatten mag er gar nicht. Bei seiner offiziellen Einführung im Oktober wird er wohl dennoch eine umbinden.

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