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Globetrotter heißt das Werk von Daniel Westermeier (l.). Filmemacher Mike Roza hatte ihn mit der Kamera begleitet. 

10 000-Euro-Zuschuss der Stadt Erding

Street-Art-Festival  wackelt

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Erding - Viel Beachtung fand das Street-Art-Werk von Daniel Westermeier an einer Hausfassade in der Freisinger Siedlung. Ein Street-Art-Festival mit internationalen Künstlern wird es in Erding aber wohl nicht geben.

Groß war die Begeisterung, als der Walpertskirchener Street-Art-Künstler Daniel Westermeier – auch bekannt als Mr. Woodland – im vergangenen Juli seinen Weltenbummler mit Dachs im Arm auf eine mehrstöckige Häuserfassade an der Johann-Sebastian-Bach-Straße gesprayt hat. Für viele Anwohner und Passanten ein echter Hingucker – und für die CSU-Stadtratsfraktion der Anlass dafür, Westermeier bei seinem Street-Art-Festival in Erding zu unterstützen.

Im Verwaltungs- und Finanzausschuss befassten sich die Stadträte mit dem Konzept für „ARTDING“, das Westermeier erarbeitet und schon vor Monaten in der Stadtverwaltung eingereicht hatte. Das Festival sollte eigentlich heuer noch über die Bühne gehen. Aber Westermeiers Terminkalender und der Stadt-Etat für Stadtteilkunst ließen dies nicht zu. Auch für 2018 steht eine Organisation des Festivals auf äußerst wackeligen Beinen.

Westermeier geht von Kosten in Höhe von rund 55 000 Euro aus – plus einer finanziellen Eigenleistung von 18 000 Euro. Er hat mit sechs Künstlerteams geplant, die zeitgleich sechs Hausfassaden gestalten. Eine eigene Homepage, auf der die Bilder via Google Tracking markiert werden können, Layout, Werbemittel, Materialien, die Unterbringung der Künstler und vieles mehr gehen ins Geld.

„Diese Kunst hat viele Anhänger“, sagte Oberbürgermeister Max Gotz (CSU). Er bat um Zustimmung für einen städtischen Zuschuss in Höhe von maximal 10 000 Euro. Dieser Vorschlag kam an.

Willi Scheib (SPD) merkte zur Street Art an, „da sind tolle Sachen, aber auch schreckliche Dinge dabei“. Er habe sich im Internet einiges angeschaut. „Ich möchte schon wissen, was er macht, bevor er anfängt“, sagte Scheib. Günther Kuhn (Grüne) erinnerte seinen Kollegen an die künstlerische Freiheit. Diese müsse nicht unbedingt mehrheitsfähig sein. Gotz erklärte, auszuschließen seien lediglich Gewaltverherrlichendes und politisch Extremistisches.

Street-Art-Fan Burkhard Köppen (CSU) freute sich grundsätzlich, „dass das Festival unterstützt wird“, er hätte sich aber gerne 15 000 Euro Zuschuss gewünscht. „Diese Kunst kann das Stadtbild Erdings deutlich bereichern.“ Köppen drängte darauf, „fürs nächste Jahr frühzeitig die organisatorischen Fakten zu schaffen“.

Vize-Bürgermeister Ludwig Kirmair (CSU) hielt 10 000 Euro für ausreichend. Schließlich wolle Westermeier noch eine andere Art der Förderung auftreiben. Diese wäre über die Kulturstiftung des Bundes möglich, wie Westermeier im Gespräch mit der Heimatzeitung erklärte. Die Stiftung fördere aber erst ab 50 000 Euro. Und die Stadt müsste mindestens 20 000 Euro beisteuern.

Westermeier ist Realist: „Wenn die Stadt nur 10 000 Euro zahlt, kann ich’s gar nicht machen.“ Allein die Hebebühne koste 12 000 Euro. In seinem Konzept ist er von einem Festival mit sechs internationalen Künstlern ausgegangen – „lauter Hochkaräter“. Diese müssten anreisen und untergebracht werden. Verdienen werde er nichts, sagte Westermeier: „Es geht darum, die Kosten zu decken, nicht darum, einen Urlaub zu finanzieren.“

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