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Wenn Frauen Opfer von häuslicher Gewalt werden, bleibt oft nur der Weg ins Frauenhaus. Das Erdinger ist jetzt ins Wanken geraten.

Streit mit Sozialdienst katholischer Frauen

Defizit: Landrat kündigt Frauenhaus

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Steht das Frauenhaus im Landkreis vor dem Aus? Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) hat dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) zum 28. Februar 2018 gekündigt – zu hohe Kosten. Das Landratsamt versichert jedoch, Frauen in Not solle weiter Schutz gewährt werden – aber wie?

Im Frauenhaus im Landkreis Erding – sein genauer Standort wird aus Schutzgründen geheim gehalten – ist Platz für fünf Frauen und sieben Kinder, die vor häuslicher Gewalt durch den Partner fliehen müssen. Diese Plätze sind eigentlich immer belegt. Die Einrichtung ist längst zu klein. Nicht alle Schutzsuchenden können aufgenommen werden. Wegen des Wohnungsmangels bleiben die Bewohner immer länger dort.

Seit 25 Jahren betreibt der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) das Haus – mit drei Sozialpädagoginnen und einer Erzieherin jeweils in Teilzeit auf zweieinhalb Stellen. Hinzu kommen 15 Ehrenamtliche, die sich unter anderem ums 24-Stunden-Notruftelefon kümmern, sowie Verwaltung und Hausmeister.

Auf diese genaue Auflistung legt SkF-Geschäftsführerin Elke Prumbach Wert. Denn die die Kündigung des Betriebsvertrags durch den Landkreis hängt mit Geld zusammen. Der Streit ums Defizit hat eine Vorgeschichte, bei der auch Ebersberg und Freising eine Rolle spielen.

2016 betrug das Minus 156 000 Euro. Die Bewohner zahlen pro Tag zehn Euro, vom Freistaat fließen 16 000 Euro, die Landkreise übernehmen Tagessätze in Höhe von 128 Euro. Den Löwenanteil des Fehlbetrags glich zuletzt der Kreis Erding aus – 83 000 Euro. Voriges Jahr kündigte die Kreis Freising seine Beteiligung – wegen des zu hohen Defizits. Er schickt Frauen unter anderem nach München. Der Kreis Ebersberg, der kein eigenes Frauenhaus hat, hegt laut Sprecherin Evelyn Schwaiger keine solchen Pläne.

Die nach langen und schwierigen Verhandlungen erfolgte Kündigung Erdings könnte sich nach Angaben Prumbachs und der Erdinger Heimleiterin Angela Rupp auch fatal auf die noch junge Interventionsstelle, die Frauen in akuter Gewaltsituation Schutz und Begleitung bietet, auswirken. Alarmiert wird sie unter anderem von der Polizei.

„Wir sind bestürzt, dass nach so langer Zeit guter und konstruktiver Zusammenarbeit ein erfolgreiches Hilfeangebot nun am Geld scheitern soll“, sagt Prumbach.

Rupp warnt vor den Folgen: „Angesichts der Tatsache, dass es in Erding keinen Frauennotruf oder eine andere Beratungsstelle für gewaltbetroffene Frauen gibt, wäre es ein herber Verlust, dass künftig kein Ansprechpartner mehr vor Ort ist.“

Prumbach versichert, dass sich der SkF an der Sanierung beteiligt hätte: „Wir wollten dem Landrat entgegenkommen und mehr Eigenmittel einbringen.“ Sie stellt aber auch klar: „Wir sehen keine Möglichkeiten mehr, die Kosten zu senken, ohne dass die Qualität unserer Arbeit massiv beeinträchtigt würde.“

Ende 2016 hatte Bayerstorfer im Kreistag den SkF aufgefordert, Einsparmöglichkeiten zu benennen. Rupp hatte erwidert, dass das nicht möglich sei. Man sei schon am Limit.

Landratsamts-Sprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass der Vertrag fristgerecht zum 28. Februar gekündigt worden sei. „Selbstverständlich wird aber auch weiterhin ein Frauenhaus zur Verfügung stehen.“ Auch an der Interventionsstelle wolle man festhalten.

Fiebrandt-Kirmeyer gab zu, dass der Ausstieg Freisings und das Defizit für diese Entscheidung ausschlaggebend gewesen seien. Das deutlich größere Frauenhaus in Freising – dessen langjähriger Betreiber hatte sich Ende 2016 aufgelöst – hat laut Fiebrandt-Kirmeyer mit 69 000 Euro ein deutlich geringeres Defizit eingefahren als Erding mit 156 000 Euro. „In diesem Zuge musste auch bei uns neu diskutiert werden.“

Nach Recherchen unserer Zeitung ist der Landrat mit den Einnahmen und den hohen Personalausgaben unzufrieden. Angeblich kommen andere Einrichtungen mit weniger Geld besser aus.

Erding möchte das Frauenhaus nun neu ausschreiben. Es gebe bereits Interessenten. Einer davon sei der SkF. Angeblich erwägen auch das Bayerische Rote Kreuz Erding und die Arbeiterwohlfahrt, die Trägerschaft zu übernehmen. Völlig unklar ist jedoch, ob das bis Ende Februar gelingt.

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