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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Streit ums Hochwasser, Streit im BRK

Kommentar: Wenn kein Stein auf dem anderen bleibt

  • Hans Moritz
    VonHans Moritz
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Zwei Themen treiben die Menschen diese Woche um - die Hochwasserkatastrophe, vor Ort aber auch die Wirrungen beim Erdinger BRK. Was der Fassungslosigkeit folgen muss - unser Kommentar zum Wochenende.

Die Bilder aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz lassen den Atem stocken – zerstörte Städte, Hunderte Tote, Vermisste und Obdachlose. Die dramatischen Folgen des Klimawandels sind da. Die Bilder müssen uns auch in Erding aufschrecken lassen. Sie zeigen, dass beim Hochwasserschutz endlich was vorangehen muss.

Die letzte Flut ist acht Jahre her – 2013. Die dramatischen Wetterlagen lassen befürchten, dass das nächste hundertjährliche Hochwasser nicht noch 92 Jahre auf sich warten lässt. Und doch kommen die Schutzpläne quälend langsam voran und drohen von der nächsten Flut überrollt zu werden.

Wie lange wollen und können wir uns die Debatte noch leisten? Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz lehren uns, vielleicht ganz neu denken zu müssen. Geht es vielleicht nicht mehr nur um Mauern ODER Rückhaltebecken, sondern vielmehr um Mauern UND Rückhaltebecken?

In der Auseinandersetzung darf nicht vergessen werden: In erster Linie geht es um den Schutz von Leib, Leben und Sachwerten. Und der duldet keinen Aufschub. Der Sempt ist es egal, wo sie fließt, uns darf es nicht egal sein. Deswegen ist es völlig unverständlich, wenn einige Flussanliegern den Wasserbauexperten sogar den Zutritt auf ihre Grundstücke verbieten. Das mutet wie der Schüler an, der sich hinter seinem Vordermann versteckt – in der Hoffnung, dass ihn der Lehrer dann nicht sieht.

***

Fassungslos schaut man in diesen Tagen auch auf den BRK-Kreisverband. Es dürfte einmalig sein, dass ein Vorsitzender durchfällt, obwohl er nicht mal einen Gegenkandidaten hat. In der Versammlung gab es keine Hinweise auf diese Klatsche. Die BRK-Wähler haben den Verband sehenden Auges in eine existenzielle Krise gestürzt. Und sie haben eine wichtige Verbindung in die Politik gekippt, die das BRK braucht. Von der CSU ist nicht mehr allzu viel Unterstützung zu erwarten, wenn man einen der Ihren so ins offene Messer laufen lässt. Ein Beispiel: Dass das BRK-Impfzentrum aus der Loderer-Halle ausziehen muss, ließ OB Max Gotz, der selbst schon einmal in den Genuss des Vorsitzes gekommen war, die Verantwortlichen aus der Presse wissen.

Hofstetter kann nicht noch einmal antreten. Würde er erneut scheitern, wäre auch seine Reputation als Zweiter Landrat dahin. Aber im Ernst, wer soll/will einen derart zerstrittenen Haufen übernehmen? Im Moment sind nur zwei Nachfolger vorstellbar: Raiffeisen-Chef Christian Berther und noch mehr der Unternehmer Jürgen Loher, aktuell Vize. Er wäre wohl am ehesten in der Lage, Haupt- und Ehrenamt zu verbinden. Hofstetter hat den großen Fehler begangen, in seinem Rechenschaftsbericht die Ehrenamtlichen unerwähnt zu lassen. Sie sind aber das Rückgrat des BRK.

Und wenn der Schuss nicht Hofstetter, sondern BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden gegolten hat, die schon vor der turbulenten Wahl vor vier Jahren umstritten war? Keine Frage, van der Heijden hat das BRK massiv ausgebaut und zu einem sozialen Vollsortimenter gemacht. Sie hat neue Aufgaben gesammelt wie andere Leute Briefmarken. Als nächstes will sie groß in die Pflege einsteigen.

Einiges spricht dafür, dass sie und der Vorstand das BRK damit überfordert und entkernt haben. Das BRK ist auch Verein, Geselligkeit, Tradition. Davon ist aktuell nicht viel übrig. Der neue Vorsitzende sollte den Kurs ändern. Weniger ist manchmal mehr.

ham

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