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SPD-Neujahrsempfang 

„Streitbare Partei mit Frustrationstoleranz“

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Wer kämpferische Reden zur Großen Koalition oder zum Landtagswahlkampf erwartet hatte, wurde enttäuscht. 100 Jahre Freistaat Bayern und leise, nachdenkliche Töne prägten stattdessen den Neujahrsempfang des SPD-Kreisverbands in der Erdinger Stadthalle.

Erding – Den Bericht aus Bonn gab es auch deshalb nicht, weil der Landkreis Erding auf dem GroKo-Sonderparteitag nach dem Tod von Ewald Schurer nicht vertreten war. Der im Dezember völlig überraschend verstorbene Bundestagsabgeordnete wurde vor über 200 Gästen in der Stadthalle gewürdigt – mit einem Film und einem Nachruf von Bezirkstagskandidatin Ulla Dieckmann. „Ewald war immer nah am Bürger. In der Woche vor seinem Tod hatte er wieder einmal eine Mammutwoche in Berlin und danach im Wahlkreis verbracht.“ Er habe viele Anlieger der Bürger nach Berlin getragen und die Interessen der Region kenntnisreich im Bundestag vertreten. „Dabei war er nie abgehoben“, so Wörths Zweite Bürgermeisterin.

Zur GroKo-Debatte äußerte sie sich nur kurz: „Derzeit sieht man, dass wir eine streitbare Partei mit einer hohen Frustrationstoleranz sind. Und darauf bin ich stolz. Das zeichnet die SPD aus.“

Kreisvorsitzender Martin Kern, Landtagskandidatin Gertrud Eichinger und Landtagsabgeordnete Doris Rauscher aus Ebersberg stellten das Jubiläum 100 Jahre Freistaat Bayern in den Mittelpunkt ihrer Reden. Dabei zitierten sie Gründer Kurt Eisner: „Jeder Mensch soll heilig sein.“

Kern leitete daraus ab, dass ein Blick in andere Länder zeige, „dass ein friedliches Miteinander keine Selbstverständlichkeit und die Demokratie kein Selbstläufer ist.“ Auch im wohlhabenden Bayern und im prosperierenden Landkreis „müssen wir auf die Ausgewogenheit bei der Chancenverteilung achten“. Mit „Jeder Mensch muss in Würde leben können“ zitierte Kern Eisner ein zweites Mal.

Die Realität sehe aber oft anders aus. Er und Eichinger erinnerten daran, dass jeder Sechste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Landkreis Erding einen Zweitjob habe, um über die Runden zu kommen. 6900 Arbeitnehmer seien es derzeit, vor zehn Jahren seien es noch 4000 gewesen. „Wer immer mehr arbeiten muss, um sich sein Leben leisten zu können, findet immer weniger Zeit für sich, die Familie, aber auch das eigene Weiterkommen“, warnte Eichinger. Das zehre irgendwann auf.

Zum Postulat der Würde des Menschen merkte Dieckmann an, dass allein in Bayern 19 000 Menschen aufgrund ihrer Behinderung nicht wählen gehen dürften. „Das gehört abgeschafft“, forderte sie.

Auch Rauscher sprach die Unwucht in der Gesellschaft an. Viele Eltern fänden keinen Kita-Platz, immer mehr Rentner lebten unterhalb der Armutsgrenze, eine zunehmend größere Zahl sei auf die Tafeln angewiesen. Die Abgeordnete dachte auch an die Flüchtlinge, denen ein Leben in Würde teils erschwert werde. In diesem Zusammenhang kritisierte sie unter Applaus den Kommunalpass.

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