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Star des Abends: Stefan Bauer (l.) lief mit seinem Akkordeon zu Bestform auf. Er musizierte so stürmisch, dass ein Lederriemen an seinem Instrument riss. Rechts steht Helmut Veihelmann, Leiter des Kommerorchesters.

Konzert des Kammerorchesters

Der stürmische Akkordeonist

Klettham - Das Erdinger Kammerorchester feierte am Samstagabend mit seinen talentierten Solisten einen großen Erfolg im voll besetzten Pfarrsaal von St. Vinzenz.

Auf der Verlustliste steht ein Lederriemen. Das war aber auch der einzige Kollateralschaden bei dem großartigen Konzert des Erdinger Kammerorchesters am vergangenen Samstag im Pfarrsaal von St. Vinzenz in Klettham. Das besagte Ausrüstungsstück gehört zum Akkordeon von Stefan Bauer aus Unterhofkirchen, der derart stürmisch aufspielte, dass das Gurtzeug überlastet war. Stürmisch war aber auch der Beifall der Gäste im vollen Saal.

Bauer war der Star des Abends, das wurde schnell klar. Virtuos, mit seinen südamerikanischen Klängen, die ihm mit ihrer Bearbeitung die Dorfener Musiklehrerin Irmgard Bauer – mit ihm übrigens nicht verwandt – regelrecht auf den Leib geschneidert zu haben schien. Der Preisträger von Jugend Musiziert lief zu großer Form auf, als gelte es erneut, den Bundessieg zu erringen. Vor allem die vielen Kinder und Jugendlichen waren begeistert. „Wow!“-Rufe waren zu hören. Und dann passierte eben das Malheur mit dem Riemen. „Das kommt vom Temperament“, kommentierte Helmut Veihelmann die zunächst erfolglosen Reparaturversuche. „Das ist mir in zwölf Jahren nicht passiert“, entschuldigte sich der Künstler. Das Publikum hatte Geduld und Verständnis, und Bauer bedankte sich dafür gewissermaßen, indem er noch mal eine Schippe drauf legte. Die Stimmung war einfach großartig. Helmut Veihelmann hatte mit Bauer einen echten Glücksgriff getan.

Wieder war es ihm gelungen, junge Menschen für die klassische Musik zu interessieren. Unter den Gästen waren Grundschüler wie Rentner. Eine familienfreundliche Zeit (19 Uhr) und eine genauso familienfreundliche Gesamtlänge mit drei Stücken waren hier wohl einer der Schlüssel zum Erfolg. Der andere war die musikalische Klasse, zu der natürlich auch Silvia Natiello-Spiller maßgeblich beitrug. Die Absolventin der Meisterklasse hatte sich zusammen mit den anderen Musikern des Orchesters das Klavierkonzert Nr. 1 e-moll Op. 11 von Frédéric Chopin vorgenommen, wahrlich keine leichte Kost, die den Klaviersolisten vor allem deshalb viel abverlangt, weil der Komponist das Solo-Instrument in den Vordergrund rückt. Das galt beim Kammerorchester umso mehr, als „nur“ die Salonfassung zur Aufführung kam. Hier gilt, anders als etwa bei der Aufführung mit einem Sinfonieorchester, dass der Orchesterpart nur begleitende Funktion hat. Es war der künstlerische Höhepunkt des Konzertabends, der aber noch eine andere großartige Solistin bot: Pauline Mayrhofer spielte die Solo-Oboe beim Divertimento D-Dur (KV 251) von Wolfgang Amadeus Mozart, das auch als „Nannerl-Septett“ in die Musikliteratur eingegangen ist. Brillant, sich von Satz zu Satz steigernd, ließ sie anklingen, was die Gäste beim Sommerkonzert des Kammerorchesters am 10. Juli um 18 Uhr im Innenhof von St. Vinzenz erwartet: Da spielt sie dann die Solo-Oboe beim Oboenkonzert von Johann Sebastian Bach.

Klaus Kuhn

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