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Voller Körpereinsatz: Constanze Lindner holte sich Kurt Vollert aus der er sten Reihe nach vorn.

Stürmische Annäherungsversuche

Michael Altingers legendäre Brettltour gastierte auf dem Sinnflut Festival. Mit dabei waren Christian Springer, Martin Frank und Constanze Lindner.

Erding – Kabarett-Zeit in der Sinnflut-Arena in Erding mit dem Duo Michael Altinger und Christian Springer, die bekanntlich nichts auslassen, was die Politik angeht, dabei durchaus gern mal drastisch: „Die Ärsche der Welt müssen nach oben und Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden!“

Schon im „Schlachthof“ haben die zwei hingelangt und auch hier enttäuschten sie ihr Publikum nicht, Themen gibt es ja genug, „Obergrenze“ und die SPD mit ihrer „Kernkompetenz Unterlegenheitskultur“ zum Beispiel, oder der Generationenvertrag, der „umkippt“, weil die Großeltern so alt werden, dass die Kinder beim Erbfall selbst schon in Rente sind.

Wobei: Ganz ausverkauft war die Arena am Sonntagabend nicht. Aber die, die da waren, erlebten vor allem mit den jüngeren Künstlern eine regelrechte Show, wenn etwa Martin Frank, Gewinner des Erdinger St. Prosper Kabarett-Publikumspreises 2013, seine Odyssee als Bauernbursch durch die Landeshauptstadt beschrieb und dabei ein Gesangstalent an den Tag legte, das im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen ließ. „Normalerweise singe ich ja daheim, vor den Rindviechern!“ Das sollte er besser aufgeben, seine Stimme hat kompetenteres Publikum verdient. Wunderbar war auch seine Art, wie er das Verhältnis gewisser gesellschaftlicher Kreise zu Nutztieren aufs Korn nahm. Das Wort fiel zwar nicht, aber genau das war gemeint, als er jene Schichten ansprach, die sich mehr Kuschel- und weniger Nutztiere wünschen. Und so zelebrierte er vor dem geistigen Auge des Publikums das Begräbnis für eine Henne, konnte aber bei so viel herrlichem Blödsinn irgendwie keine echte Trauerstimmung erzeugen.

Altinger als Gastgeber hatte die größten Anteile am Programm und nahm sich den Gesundheitswahn vor. Geradezu überschwänglich kündigte er dann den weiteren Gast als „Energiebündel“ an: Constanze Lindner brachte nicht nur sprachlichen Witz und eine gewaltige Wandelbarkeit ihrer Stimme sowie blitzschnelle Kostümwechsel, sondern auch vollen Körpereinsatz auf die Bühne. Sie busselte gleich mal ein Dutzend Gäste ab, wobei die in den hinteren Reihen nicht etwa sicher waren vor ihren stürmischen Annäherungsversuchen waren. Sie verteilte Liebesbekundungen an das Publikum mit einer selten erlebten Direktheit: „Wer mag ein Kind von mir? – Ha?“ Und dann ging sie auf das wahre Leben ein: „50 Shades of Grey, das war Kinderfasching!“ Früher, da hätten die Mütter selbst im Kreißsaal noch geraucht: Und so konnte man den Wirbelwind auf der Bühne nicht wirklich bedauern, als sie klagte: „Jetzt habe ich wieder so eine Spontan-Demenz!“ Vergessen werden die Gäste diesen Abend ganz sicher nicht so schnell. (klk)

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