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Hindernisreich ist die Kommunikation zwischen Miriam Hornauer und Samir Abdo.

Erste Asylbewerber in Heimen

Aus der syrischen Hölle in Erdinger Pflege

Erding – Asylbewerber werden immer mehr Bestandteil des Alltags. Das spüren auch die Pflegeheime, die die ersten Flüchtlinge aufnehmen.

 Von Mohamad Shmis nickt begeistert und zeigt mit dem Daumen nach oben, als er gefragt wird, ob ihm das deutsche Essen im Seniorenzentrum Pichlmayr in Erding schmecke. Es ist schwierig, dem 73 Jahre alten Syrer mehr zu entlocken – Shmis spricht kein Deutsch.

Im Seniorenzentrum wohnen aktuell zwei Flüchtlinge: Mohamad Shmis und Samir Abdo aus Aleppo. Wann und wie Shmis nach Deutschland gekommen ist, ist unbekannt. 2014 wurde er als Asylberechtigter anerkannt. Bevor er vor zwei Jahren in das Seniorenzentrum einzog, wohnte er in einem Obdachlosenheim in Isen.

Der Senior habe sich gut in die Gemeinschaft mit Pflegern und Bewohnern eingelebt, berichtet stellvertretende Heimleiterin Miriam Hornauer. „Herr Shmis hilft beim Schneiden des Essens und schiebt seine Mitbewohner mit dem Rollstuhl durch unser Haus.“ Meist behelfe er sich mithilfe von Gestik, Mimik oder Schildern, auf denen Bilder mit den arabischen Bezeichnungen dargestellt sind – gestaltet von einer ehrenamtlichen Deutschlehrerin. Die Pflegekosten werden aus der Grundsicherung für Sozialhilfeempfänger gedeckt.

Sein einziger Gesprächspartner ist Samir Abdo aus Damaskus, 33 Jahre alt – ein eher ungewöhnliches Alter für den Bewohner eines Pflegeheims. Als der „Arabische Frühling“ – die Revolution gegen die Obrigkeit – in Syrien beginnt, ist Abdo 28 Jahre alt und arbeitet als Schneider. Bei einer Demonstration wird er angeschossen. Die Folge: Querschnittslähmung. Auf seiner Flucht tragen Landsleute Abdo die Balkanroute bis nach Österreich. Dort wird er in einer Klinik versorgt – und nach Deutschland geschickt, nach Dorfen. Im April kam er ins Pichlmayr-Heim. Beide Syrer verbringen viel Zeit miteinander.

Das deutsche Essen schmecke Abdo nicht so gut, verrät er. Ein Helferkreis aus Arabisch sprechenden Deutschen bringt ihm islamkonforme Speisen ins Seniorenzentrum.

Mit Hilfe eines Übersetzers aus dem Helfernetzwerk berichtet Abdo unserer Zeitung, dass er in Deutschland offen empfangen worden sei. „Damir habe ich nicht gerechnet. Die Pflege hier ist gut. Natürlich gibt es Mitarbeiter, mit denen ich nicht so gut klarkomme, aber mit den meisten Pflegern läuft es einwandfrei.“ Allerdings meint er auch, speziellere Pflege zu benötigen, die in einem Seniorenheim nicht gewährleistet werden könne“, erzählt der 33-Jährige, dessen Frau und Kinder noch im von Krieg gebeutelten Syrien leben.

Wegen der Schwere seiner Verletzungen sei es auch nötig, baldmöglichst eine Operation durchzuführen. Eine Spezialklinik sei bereits kontaktiert worden – nur die Zustimmung des Landratsamts fehle noch. Die Kosten trägt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz der Bund.

Unter Anleitung einer ehrenamtlichen Deutschlehrerin lernt Abdo seit etwa einem halben Jahr Deutsch. „Es ist, gerade im Pflegebereich, wichtig, gut miteinander zu kommunizieren. Deswegen ist es essenziell, einige grundlegende Begriffe zu klären, um dem pflegebedürftigen jungen Mann sein Leben so erträglich wie möglich zu gestalten“, erzählt Hornauer. Ein Anfang sei gemacht, so die stellvertretende Leiterin.

Alexander Lotz

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