Verpflichtet: Fähnrich Lara Molitor vor dem Kampfhubschrauber Tiger. Die Studentin will bis zu ihrem 40. Lebensjahr beim Bund dienen.
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Verpflichtet: Fähnrich Lara Molitor vor dem Kampfhubschrauber Tiger. Die Studentin will bis zu ihrem 40. Lebensjahr beim Bund dienen.
Neugierig: Elina und ihr Bruder Leonard sitzen auf dem Panzer Puma und wollen wissen, wie es „in der Firma“ von Vater Roland Brosow ist.
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Neugierig: Elina und ihr Bruder Leonard sitzen auf dem Panzer Puma und wollen wissen, wie es „in der Firma“ von Vater Roland Brosow ist.
Gefährlich: Hundeführerin Samantha Reisinger und Schäferhund Flash zeigen den Ernstfall.
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Gefährlich: Hundeführerin Samantha Reisinger und Schäferhund Flash zeigen den Ernstfall.

Tag der Bundeswehr auf dem WIWeB-Gelände

Ganz nah an Puma, Tiger und Co.

Große Leistungsschau: 4612 Neugierige kamen zum Tag der Bundeswehr auf dem WIWeB-Gelände.

ErdingAm Kasernentor heißt es normalerweise Stopp. Am deutschlandweiten Tag der Bundeswehr am Samstag bekamen aber auch Zivilisten Einblick: Das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) in Erding, das vor den Toren der Kreisstadt Erding, neben dem Fliegerhorst, liegt, öffnete seine Pforten. Exakt 4612 Besucher, so die Bundeswehr, folgten der Einladung zu einem wahren militärischen Volksfest mit einer beeindruckenden Leistungsshow der Truppe.

Flash wedelte mit dem Schwanz, blickte stolz zu Hundeführerin Samantha Reisinger hoch. Eben hat er einen Einbrecher gestellt, der auf das Gelände der Bundeswehr eindringen wollte. Dem Schäferhund sah man bei der Diensthundevorführung am Tag der Bundeswehr die Freude deutlich an – endlich konnte der Rüde zeigen, was er drauf hat. Normalerweise bewacht Flash mit sechs weiteren Hunden den Erdinger Fliegerhorst.

Wie dem tierischen Truppenmitglied Flash, so schien es auch allen anderen Mitgliedern der Bundeswehr zu gehen: Sie präsentierten Arbeit und Ausrüstung voller Enthusiasmus. Gleich hinter dem Eingangsbereich war der Kampfhubschrauber Tiger zu sehen, vis-à-vis die Großgeräte des Heeres: Brückenlegepanzer Biber, Pionierpanzer Dachs oder auch Schützenpanzer Puma.

In letzterem war sogar Probesitzen erlaubt. „Ist das eng, da bekomme ich Platzangst“, kommentierte Katharina Bauer aus Bad Tölz knapp. Ihr Vater sei bei der Bundeswehr gewesen, erzählte sie. Grund genug für sie und ihre Familie, zum Tag der Bundeswehr nach Erding zu fahren.

Streng bewacht wurde der Puma, damit Kinder, die auf den Panzer kletterten, nicht in die Nähe der Waffen kommen. Leonard (5) und Elina (3) Brosow wollten mal sehen, was es „in der Firma vom Papa so gibt“, sagten die Kleinen aus Moosinning. Vater Roland ist nämlich in Erding stationiert. Während der Bub eher zögerlich das Kampfgerät erklimmt, zeigt sich seine kleine Schwester taffer: Elina möchte wie der Papa vielleicht auch zur Bundeswehr.

Immerhin haben die Frauen mittlerweile die Zwölf-Prozent-Marke beim Bund geknackt. Seit der Jahrtausendwende ist es auch ihnen erlaubt, in allen Bereichen der Truppe zu arbeiten – und Karriere zu machen. Fähnrich Lara Molitor, 21 Jahre alt, studiert derzeit Pharmazie und setzt anschließend noch ein ernährungswissenschaftliches Studium drauf. Dafür hat sie sich 19 Jahre verpflichtet, ihrem Vaterland zu dienen. „Ich kann mir keinen besseren Arbeitgeber vorstellen“, schwärmte sie.

„Wir dienen Deutschland“, war das Motto der Veranstaltung. Die Bundeswehr präsentierte sich heuer im fünften Jahr im Rahmen des Tags der Bundeswehr auch in Erding. Pressesprecher Dr. Wolf-Hagen von Angern erläuterte: „Das ,Wir‘ impliziert Teamarbeit, Zusammenhalt und Kollegialität.“

„Wir machen was für die Gemeinschaft, handeln im Sinne des Grundgesetzes – schützen unsere Heimat, Deutschland. Das ist ohne Streitkräfte nicht möglich“, erklärte von Angern. Doch muss Deutschland heutzutage noch verteidigt werden? „Man schafft ja auch nicht die Feuerwehr ab, nur weil es lange Zeit nicht gebrannt hat“, konterte von Angern.

Auch wenn Landesverteidigung durch die Bundeswehr nicht ansteht, so doch die Bündnisverteidigung: Derzeit werden deutsche Soldaten in Afghanistan und Mali eingesetzt. Besucher Peter Kerschbaumer aus Grafing erzählte: „Mein Sohn ist beim Auslandsaufenthalt in Mali.“ Freilich habe die Familie Angst um den Soldaten, der noch bis Oktober in der ehemaligen Kolonialmacht in Westafrika auf Friedensmission sein wird. Auch Schwester Johanna ist besorgt: „Ich akzeptiere aber die Entscheidung meines Bruders – er schafft Frieden, die Truppe unterstützt Sicherheit und Stabilität in Mali.“

Während ihr Bruder dem Vaterland dient, informierte sich Johanna Kerschbaumer auf dem WIWeb-Gelände über die Bedingungen der Soldaten bei Auslandseinsätzen – und erlebte ihren ersten Fallschirmssprung, allerdings im Simulator. Einen echten Sprung wird sie nicht wagen. „War schon eine tolle Erfahrung, aber mulmig war es mir auch. Ich bleib’ lieber auf der Erde.“

Vor den Toren des Militärgeländes wurde derweil auch Kritik laut. „Ein pervertierter Höhenflug der Bundeswehr – eine Rüstungsschau, die Krieg verharmlost“, schimpfte Friedensaktivist Dieter Klemser aus Erding im Gespräch mit der Heimatzeitung. Der Kreisverband Erding/Ebersberg der Linken hatte zu einer Gegenkundgebung auf den Schrannenplatz eingeladen. Zum Abschluss marschierten die Demonstranten zum Fliegerhorst, um friedlich ihren Unmut gegen das Aufgebot des Miltärs zu zeigen.

Diese Aktion interessierte indes die Besucher kaum: „Ich war selbst in Erding stationiert und verstehe den Protest nicht. Es ist legitim zu zeigen, was man kann und was man hat“, meinte Peter Huber, der noch von der Bundeswehrzeit schwärmt. Gemeinsam mit seiner Frau Bettina nutzte er den Shuttle-Bus vom Erdinger Bahnhof zum Gelände. Und seine Frau ergänzte: „Ich habe mich immer gefragt, was hinter den Zäunen liegt, was die Truppe so macht – nun weiß ich es und bin beeindruckt.“

Michaele Heske

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