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Großzügig: Bei den Stadtwerken in Erding gibt es eine Karte, mit der der Elektro-Automobilist kostenlos parken und laden darf.

Tankstellen für Elektrofahrzeuge 

Per Plastikkarte zum Auto-Strom

Auch wenn sie die Straßen bei weitem noch nicht erobert haben: Elektroautos gibt es immer mehr – und damit auch mehr Ladestationen. Doch wie bezahlt man da eigentlich? Wir haben uns umgehört.

Landkreis – Die Zahl der Elektroautos im Kreis Erding steigt. Nicht nur Oberdings Rathauschef Bernhard Mücke schwört auf die neue Technik und freut sich: „Ich brauche meinen Verbrenner kaum noch.“ Kein Wunder: Sein BMW i3 bringt ihn bis zu 200 Kilometer weit – mit einer Batterieladung.

Alle Elektroautos brauchen über kurz oder lang eine Stromtankstelle – zum Beispiel dann, wenn es durch das hügelige Holzland im Osten des Landkreises geht. Mitten drin ist eine Lademöglichkeit: Am Bürgerhaus in Schröding. Das Dumme daran: Kein Mensch weiß, wie man dieser Installation den begehrten Saft entlocken kann.

Auf der Internet-Seite www.goingelectric.de, die zur Bibel der E-Auto-Fahrer avanciert ist, wird gar die falsche Vermutung angestellt, die Karten, mit denen man irgendwie bezahlen kann, gebe es im nahen Bürgerhaus. Die Tankstelle in Schröding wird zum Symbol für etwas, was in den Fachmedien quer durch die Republik nur noch als „Chaos“ tituliert wird. Die Hersteller haben sich endlich auf eine Norm bei den Ladesteckern geeinigt, was vor Jahren noch ein großes Thema war. Jetzt hakt es gewaltig bei den Bezahlsystemen. Gefühlt braucht man für jede dieser neuen Zapfstellen eine eigene Karte, die dann teilweise noch über eine Smartphone-App freigeschaltet werden muss. Ohne Smartphone also kein Strom.

Genau dieses heillose Wirrwarr wiederum führt dazu, dass so manche Stromtankstelle, die eigentlich längst hätte stehen können, eben noch nicht installiert ist. Mücke ist guten Willens. An der neuen Oberdinger Turnhalle sollen gleich mehrere dieser Säulen aufgestellt werden. „Wir wissen nur noch nicht, was wir mit dem Bezahlsystem machen. Es ist einfach unübersichtlich“, klagt Mücke.

Diese Installationen haben es in sich: Wählt der Kunde die Schnellladung, fließen erhebliche Strommengen. Ein Drehstromanschluss, abgesichert mit drei mal 25 Ampere, ist das Minimum. Werden gleich mehrere Autos geladen, kommen imposante Anschlusswerte zusammen. Das kostet.

In Schröding hat Georg Strohmaier die Säule aufgestellt. An seiner normalen Tankstelle im Ortsteil Arndorf gibt es die Karten, abgerechnet wird monatlich über Bankeinzug. Das ist ihm aber zu kompliziert geworden, zumal die Nutzungszahlen, bedingt durch den fehlenden Bekanntheitsgrad, eher gering sind. Seine Konsequenz: „Ich habe schon einen Münzzähler gekauft, den bau’ ich da ein.“ Während die einen über die Abschaffung des Bargelds diskutieren, setzt Strohmaier also bei der modernsten Form der Fortbewegung auf eine vergleichsweise archaische Technik, ganz ähnlich wie in den 60er Jahren die warmen Duschen auf Campingplätzen.

Großzügig dagegen zeigen sich die Stadtwerke Erding: Auch hier braucht man freilich eine Karte. Die gibt es aber gegen Kaution bei den Damen am Schalter, und dann hat der Elektrofahrer beides: einen kostenlosen Parkplatz und kostenlosen Strom, übrigens Schuko und Typ 2, was die Stecker angeht.

Noch etwas besser geht es den stromsuchenden Autofahrern in Dorfen: Die Tankstelle der Stadtwerke darf jedermann ohne irgendwelche Karten anzapfen, hieß es dort. In der Pressestelle war auch zu erfahren, dass Dorfen das Netz weiter ausbaut und weitere Zapfstellen hinzu kommen sollen, die dann sogar schnellladefähig sein werden.

Klaus Kuhn

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