Kampagne des Umweltministeriums

Tattoos: Körperschmuck nicht ohne Risiko

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Erding - Aus der Schmuddelecke in die Mitte der Gesellschaft: Heute ist jeder zehnte Deutsche tätowiert. Doch der Körperschmuck birgt Risiken. Darüber will eine neue Kampagne des Umweltministeriums aufklären.

Ein vernarbtes Seepferdchen. Eine eitrige Blume. Nässende Flammen. Es waren unappetitliche Fotos, die Professor Wolfgang Bäumler am Freitag in der Aula der Berufsschule Erding zeigte. Der Dermatologe an der Hautklinik der Uni Regensburg informierte die Schüler über Gefahren und Risiken von Tätowierungen. Der Vortrag bildete den Auftakt einer Kampagne des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz.

Fans des Körperkults werden sich von den gezeigten Bildern nicht abschrecken lassen. Und das sei auch gar nicht ihr Ziel, erklärte Ulrike Scharf (CSU). „Ich will weder ein Spaßverderber sein noch jemandem etwas vorschreiben“, sagte die Umweltministerin. Viel mehr gehe es um Aufklärung und Sensibilisierung: „Seine makellose Haut zu opfern, sollte man sich schon aus gesundheitlichen Gründen ganz genau überlegen“, sagte Scharf.

Auch Bäumler erklärte eingangs, er sei „kein Wanderprediger“, und berichtete: „Weit über 90 Prozent der Tätowierungen verlaufen ohne Probleme.“ Heikel werde es jedoch, wenn man auf die Farbe allergisch reagiert. Darin sind neben dem Pigment – das laut Bäumler die Industrie eigentlich für Autolacke, Druckerpatronen & Co. herstellt – bis zu 100 Substanzen enthalten. Bei Analysen habe man etwa Chrom, Nickel und Weichmacher gefunden.

In Tierversuchen in den USA – in Deutschland wurden sie gerichtlich verboten – sei zudem festgestellt worden, dass sich die Farben in den Lymphknoten absetzen können. Was sie im Laufe des Lebens im Körper bewirken, sei nicht restlos erforscht. Bäumler: „Wer bunte Bilder haben will, holt sich hoch komplizierte Chemie in die Haut.“

In Deutschland gibt es seit 2009 eine Tätowiermittelverordnung mit einer Negativliste problematischer Substanzen – also Stoffe, die nicht zulässig sind. Für Scharf ist das zu wenig: „Wir brauchen eine Positivliste auf EU-Ebene mit strengen Vorgaben nach dem Vorbild der EU-Kosmetik-Verordnung.“

Neben Allergien sind auch Infektionen durch Bakterien, Viren oder Pilze möglich. Selbst Jahre nach dem „Stechen“ könnte es zudem zu Gewebewucherungen kommen, die sich um die Farbpigmente bilden. „Das kann auch bei Permanent Make-up passieren, denn auch das sind Tattoos“, sagte Bäumler. In diesen Fällen müssten sich die Patienten auf hohe Kosten einstellen, da die Krankenkassen nicht zahlen, erklärte Scharf.

Eine Tätowierung sei immer eine Entscheidung fürs Leben, denn komplett entfernen könne man die Farben nicht mehr. Zudem müsse man bei der Behandlung mit Laser & Co. mit weiteren gesundheitlichen Risiken und hohen Kosten rechnen.

All denjenigen, die sich dennoch tätowieren lassen wollen, riet Bäumler, von Hinterhof-Tätowierern oder Spontan-Tattoos im Urlaub die Finger zu lassen. Sie sollten vielmehr auf zertifizierte Farben und Hygiene im Tattoo-Studio zu achten. Ein seriöser Eindruck sei umso wichtiger, da Tätowierer kein Ausbildungsberuf ist. Das zu ändern, wie es etwa in Österreich gesetzlich der Fall ist, sei derzeit nicht geplant.

Alle Informationen

stehen in den Flyern, die in den weiterführenden Schulen in Bayern ausliegen sowie online auf www.safer-tattoo.de.

vam

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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