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Mit Münzen oder Karte zu nutzen: die Telefonstationen der Telekom, hier vor der Sparkasse am Schrannenplatz. 

Nein zu Telekom-Antrag 

Telefonstationen: Erdinger Stadtrat pocht auf Erhalt

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Erding - Die Telekom will vier Telefonstationen in Erding abbauen. Sie seien extrem unwirtschaftlich geworden. Dafür braucht das Unternehmen die Zustimmung des Stadtrats. Doch der sagt Nein.

Hand aufs Herz? Wann haben Sie das letzte Mal von einem öffentlichen Telefon telefoniert? Daran konnten sich die Erdinger Stadträte nicht erinnern. Einige fragten gar, ob man noch Münzen einwerfen könne oder nur noch Karten genommen werden. Dennoch waren sie einstimmig der Ansicht, dass die vier Stationen, die die Telekom am S-Bahnhof Erding, am Hofmarkplatz und an der Max-Planck-Straße in Altenerding sowie an der Liegnitzer Straße in Klettham abbauen lassen will, bleiben sollten.

Die Stadträte folgten den Argumenten von OB Max Gotz (CSU) und Stadtentwickler Christian Famira-Parcsetich, die sich gegen den Abbau ausgesprochen hatten. „Schluss mit lustig“, sagte Gotz zur anhaltenden Tendenz, dass sich Großkonzerne wie Bahn, Post und Telekom nach ihrer Privatisierung immer mehr aus der Fläche zurückziehen. Die Entscheidung dürfe nicht nur von der Wirtschaftlichkeit abhängig gemacht werden.

Die Telekom hatte ihre Absicht in einem Schreiben an die Stadt damit begründet, dass sich durch die Vollversorgung mit Festnetzanschlüssen und den Ausbauzustand der Mobilfunknetze das Telefonierverhalten der Bürger stark verändert habe. Die Nutzung öffentlicher Telefonstellen sei dramatisch zurückgegangen, ihr Betrieb damit unwirtschaftlich. An den vier unrentablen Standorten würden die Einnahmen zwischen 2,50 und 11 Euro monatlich betragen. Eine Telefonstation koste das Unternehmen aber 50 Euro im Monat (Strom, Reinigung, etc.).

„Der Bedarf ist mit Sicherheit nicht null“, sagte Jakob Mittermeier (CSU) dazu und erklärte, das Unternehmen könne sich nicht total aus der öffentlichen Verantwortung verabschieden. Mittermeier bezweifelt, dass die Telekom beim Betrieb der Telefonstationen draufzahlt. „Das ist sicher schon intern gegengerechnet worden.“

Nach der Zwischenfrage von Jürgen Beil (Freie Wähler), wie man an den Stationen überhaupt telefoniere – mit Münzen oder Karte – nahm Jutta Harrer (SPD) die Telekom in die Pflicht. Vor allem am Hofmarkplatz, im Zentrum Altenerdings und in Friedhofsnähe, sei eine Telefonstation wichtig. „Aber ich selber nutz’ das Ding ja auch nicht“, räumte sie ein.

Auch für Petra Bauernfeind (Freie Wähler) sind „die Stationen unverzichtbar“, zumal es sich mit Hofmarkplatz und S-Bahnhof Erding um strategisch wichtige Standorte handle. Sie gab aber zu: „Von uns telefoniert auch keiner damit. Aber vielleicht mach’ ma das künftig anders und probieren’s mal aus.“

Herbert Maier (Grüne) hielt den Erhalt ebenfalls für wichtig und wollte wissen, „ob unser Beschluss für die Telekom bindend ist“. Das ist er, wie Famira-Parcsetich erklärte: „Die Telekom muss im Einvernehmen mit der Kommune entscheiden und sich an den Beschluss halten.“ Und der fiel einstimmig aus: Die Stadträte lehnten den Abbau ab. Auch der Markt Wartenberg hatte kürzlich gegen einen entsprechenden Telekom-Antrag votiert.

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