Flaute statt Wellen: Thermen-Inhaber Jörg Wund (l.) und Prokurist Marcus Maier im abgelassenen Becken neben dem Hotel Victory (l.).
+
Flaute statt Wellen: Thermen-Inhaber Jörg Wund (l.) und Prokurist Marcus Maier im abgelassenen Becken neben dem Hotel Victory (l.).

Resignation kommt nicht in Frage

Zwangsschließung am Freitag den 13.: Therme Erding liegt wegen Corona brach - aber Chef hat große Pläne

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Die Therme Erding musste vor vier Wochen wegen der Corona-Pandemie schließen. Doch statt zu resignieren, will der Inhaber die Zeit gut nutzen.

  • Die Therme Erding ist wegen der Corona-Pandemie seit vier Wochen außer Betrieb.
  • In über 20 Jahren seit der Eröffnung, war die Therme keinen einzigen tag geschlossen.
  • Anstatt zu resignieren, will der Chef die Zeit nun zum Umbau nutzen - auch wenn die Zukunft ungewiss ist.

Erding – Es sind Bilder aus einer unwirklichen Welt: Die großen Becken in der Therme und in der Saunahalle sind befüllt, aber verwaist, ein Whirlpool sprudelt einsam vor sich hin, im Außenbecken schwimmt eine Ente. Das Wellenbad ist leer, ein paar Spiegel sind gesprungen. Im venezianischen Becken liegt jede Menge Ziegelbruch herum. Doch, ein paar Menschen sieht man noch. Die schwitzen sogar. Doch sie tragen keine Bikinis oder haben sich Saunatücher um die Hüfte geschwungen, sondern sind in Arbeitshosen unterwegs. Kurz nach ihrem 20. Geburtstag ist die Therme nicht wiederzuerkennen, das warme Wasser und die heißen Schwitzstuben wurden von Corona eiskalt erwischt. Ein Rundgang durch die Geister-Therme.

Therme Erding: Schließbefehl am Freitag, den 13. - andere Bäder blieben gegöffnet

Es war ausgerechnet Freitag, der 13.. Um 22.15 Uhr erreichte Thermen-Inhaber Jörg Wund die Nachricht des Erdinger Gesundheitsamts, die sein Leben und das „seiner“ Therme auf den Kopf stellen sollte: Die weltweit größte Wellness-Landschaft sei mit sofortiger Wirkung zu schließen – zu groß sei die Gefahr einer Verbreitung des Corona-Virus. Dieser Zustand hält jetzt schon seit über vier Wochen an, ein Ende ist nicht in Sicht. Das Ostergeschäft ist ausgefallen, das über Pfingsten massiv gefährdet.

„Wir haben noch in der Nacht versucht, alle Gäste über Facebook und Instagram zu erreichen, ebenso unsere Pächter der Läden im Foyer sowie der Gastronomie“, erinnert sich Wund. Was ihn weiterhin ärgert: „Die Behörden haben uns keinerlei Vorlauf gelassen, und alle anderen Bäder durften das Wochenende über noch öffnen.“

Für Wund sind es historische Zeiten: „Noch nie seit der Eröffnung am 3. Oktober 1999 musste die Therme geschlossen bleiben. Wir hatten jeden Tag Betrieb.“ Nur vor ein paar Jahren habe es einmal Probleme mit einer Wasseraufbereitungsanlage gegeben. „Aber auch das konnten wir ein paar Stunden überbrücken und hatten geöffnet.“

Therme Erding investiert Millionenbetrag - trotz Stillstand

Doch Wund zog sich nicht resigniert auf seinen Wohnsitz am Bodensee zurück, sondern blieb mutiger Unternehmer. „Mir war schnell klar, dass wir diese Zeit nutzen müssen.“ An der 21 Jahre alten Anlage muss immer was gemacht werden – defekte Fliesen erneuern, Malerarbeiten, Rutschen instandsetzen. „Bislang konnten wir das immer nur in der Nacht machen. Jetzt bot sich in der Not die Chance, auch größere Arbeiten anzugehen“, berichtet Wund.

Insgesamt finden in der Therme 1000 Menschen Arbeit, im Hotel sind es 200. 400 beschäftigt er selbst, das Hotel 100. „75 Prozent mussten wir leider in Kurzarbeit schicken. Doch das Technikteam und etliche weitere Angestellte sind nach wie vor da.“ Sie sorgen dafür, dass die Therme wie neu ist, wenn sie ihre Tore wieder öffnen darf. Um ein paar Kündigungen neuer Mitarbeiter sei man nicht umhingekommen, ebenso von Leiharbeitern.

Galaxy in der Therme Erding: Rutschenpark wird auch renoviert

Unser Rundgang beginnt im Rutschenpark Galaxy. Der Elefant einer Kinderrutsche steht auf dem Kopf – frisch gestrichen. In der Halle riecht es nach Farbe. Mittendrin steht eine große Hebebühne. „Die Rutschen werden geschliffen und gereinigt, ebenso alle Handläufe“, erklärt Prokurist Marcus Maier.

Wund deutet auf eine Lücke unter der Kuppel. „Ich überlege, ob wir hier noch eine Rutsche nach dem Vorbild der Big Wave im Freigelände einbauen.“ Das würde ihn über zwei Millionen Euro kosten. „Ich kann es nur machen, wenn ich weiß, dass alles erledigt ist, bis wir wieder Gäste empfangen dürfen“, so der Inhaber. Dann will er sich nicht mit einer offenen Baustelle selbst blockieren.

Ein paar Meter weiter herrscht im 2014 eröffneten Wellenbad gähnende Leere. Das Wasser ist abgelassen. Arbeiter entkalken die Scheiben und tauschen gebrochene Spiegel aus. Wund hofft, dass er das Wellenbad mit dem großen Außenpool vielleicht schon früher öffnen kann – wenn der Lockdown für die Hotellerie fällt. „Mir schwebt ein Paket vor, mit dem Leute bei uns übernachten und wenigstens diesen Teilbereich als Hotelpool nutzen können.“ Das wäre ein Anreiz, nach Erding zu kommen.

---

Erding-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Erding-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Erding – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Therme Erding: Neue Kacheln, neue Saune und eine Grundreinigung

Im großen Thermenbecken ist Wasser. „Wo wir nicht arbeiten, bleibt es drin. Sonst bekommen wir große Probleme mit Keimen und verkalkten Klappen“, berichtet Wund. Allerdings ist es so gut wie kein Thermalwasser. Und es wird nicht beheizt. Den Steinboden hat Wund schon grundreinigen lassen – „jetzt sieht er wieder aus wie bei der Eröffnung“, freut er sich.

Viel Staub und Dreck hingegen in der Zitrussauna, die komplett erneuert wird. Mit Künstlerin Sabine König arbeitet Wund schon seit 20 Jahren zusammen. Mit feinem Pinselstrich sorgt sie schon wieder für eine ansprechende Gestaltung der hellen Holzwände.

Auch das venezianische Schwimmbecken ist kaum wiederzuerkennen – abgeschlagene Fliesen prägen das Bild. „Irgendwann hält der Untergrund nicht mehr und gibt nach“, erzählt der Inhaber und begutachtet schon die Mustermappe für die neuen Kacheln.

Therme Erding: Umsatz in Millionenhöhe fehlt

Auf dem Freigelände transportiert ein Radlader kubikmeterweise Schlamm ab. Erstmals seit der Eröffnung gehen Arbeiter dem Thermensee auf den Grund. „Bei laufendem Betrieb wäre das unmöglich“, weiß Wund.

Die Zwangsschließung bedeutet für ihn eine enorme wirtschaftliche Herausforderung. Und er stellt sich schon darauf ein, auch private Mittel zuschießen zu müssen. Zwischen vier und 5,5 Millionen Euro Umsatz macht die Therme pro Monat. Im März hatte er 180 000 Euro Aufwand – pro Tag. Im April sank diese Belastung auf täglich 45 000 Euro. Immerhin: Maier startete eine Ticket-Aktion über die Osterferien, die recht gut lief.

Therme Erding: Eine Wiederöffnung auf Raten?

„Die Kreditvergabe ist nicht so einfach, wie das immer dargestellt wird“, sagt Wund. „Wie soll ich, Stand heute, sagen, wie die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten zwei Jahren aussieht?“ Dennoch ist er überzeugt, dass wieder bessere Zeiten kommen. „Die vergangenen Jahre haben uns gelehrt, dass unser Produkt ankommt.“ Er hofft, dass er den Betrieb bald wieder in kleinen Schritten hochfahren kann. „Wir haben 60.000 Quadratmeter Nutzfläche. Man kann die Besucherzahl begrenzen, sodass die Gäste Abstand halten können.“ Das Foyer werde demnächst entsprechend umgestaltet.

Alle weiteren Infos rund um das Coronavirus im Landkreis Erding finden Sie außerdem in unserem News-Ticker. Zudem finden Sie hier unseren Wegweiser zur Berichterstattung und die Corona-News aus Deutschland. Außerdem finden Sie hier aktuelle Fallzahlen in Deutschland als Karte. Derzeit gibt es die folgenden Empfehlungen zu Corona-Schutzmaßnahmen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Ein Apotheker an der Spitze des ÖDP-Kreisverbands
Der ÖDP-Kreisverband hat sich an der Spitze neu formiert. Apotheker Dr. Wolfgang Reiter ist in der Kreisversammlung in Riedersheim zum Nachfolger von Stephan Treffler …
Ein Apotheker an der Spitze des ÖDP-Kreisverbands
Video-Premiere: „Kein Mensch wird als Rassist geboren“
Musiker Andi Starek hat seinen Song gegen Rassismus präsentiert. Mit dabei war auch Schirmherr Kabarettist Christian Springer.
Video-Premiere: „Kein Mensch wird als Rassist geboren“
Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen
Für die Bürgerbefragung zum kommunalen Mobilitätskonzept wurden  2400  Taufkirchener angeschrieben. Aus 565 Antworten  leiten die Planer einige Probleme und …
Ideen fürs verkehrsgeplagte Taufkirchen
Corona: Die Warn-App verhält sich bislang ruhig
Seit zweieinhalb Wochen gibt es die Corona-Warn-App. Dem Erdinger Gesundheitsamt sind bislang keine Fälle bekannt, die auf diese Weise bekannt wurden. 
Corona: Die Warn-App verhält sich bislang ruhig

Kommentare