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Der 17-jährige Motorradfahrer verstarb am Unfallort.

Todesfahrer vor Gericht

„Rücksichtsloser Blindflug“

Zu einem Jahr und sieben Monaten Freiheitsstrafe wurde ein 50-jähriger Landshuter vom Schöffengericht verurteilt. Mit einem Überholmanöver auf der FTO bei Neuching verursachte er Ende September den Tod eines 17-jährigen aus Wörth.

Erding „Sie haben mit einem rücksichtslosen Blindflug das Leben eines Menschen in Kauf genommen“, sagte Vorsitzender Richter Björn Schindler bei der Urteilsverkündung. „Ein Menschenleben ist das Höchste, was es gibt“, versuchte der Angeklagte eine Entschuldigung. Am 27. September gegen 6.45 Uhr dachte er auf dem Weg zur Arbeit nicht daran. Auf der FTO zwischen Ober- und Niederneuching setzte er in seinem Nissan zum Überholen einer Kolonne an – trotz Überholverbots mit durchgezogener Mittellinie und bei kaum 150 Meter Sicht wegen Nebel in der Dämmerung.

Zudem war er mit mindestens 110 km/h zu schnell, während sich die Kolonne mit Tempo 60 zufrieden gab. Nachdem er drei Pkw überholt hatte, nahm er einen entgegenkommenden Lastwagen wahr. Den davor fahrenden Wörther auf seinem 125 ccm Leichtkraftrad sah er nicht. Im Augenblick der Frontalkollision will er sich nach rechts orientiert haben, um einzuscheren.

Der 17-Jährige hatte trotz Helm und Schutzkleidung keine Chance. Er starb am Unfallort. Der Angeklagte schaffte es noch am Lkw vorbeizukommen und fuhr nach 250 Metern auf den rechten Standstreifen. Vier Zeugen sagten übereinstimmend aus, dass die Sicht bestenfalls 150 Meter betrug. Alle hatten den Motorradfahrer gesehen. Dabei hätte der Angeklagte noch bequem einscheren können, nachdem er zwei Autos überholt hatte. Der Landshuter setzte jedoch seine Überholfahrt fort. Dem Sachverständigen zufolge hätte es mindestens 300 Meter Sicht gebraucht, um auch nur ein Fahrzeug zu überholen.

Der 50-Jährige erlitt bei dem Unfall einen Schock und einen Wirbelbruch. Er zeigte sich reuig, seine erste Kontaktaufnahme mit der Mutter des 17-Jährigen war jedoch eher ungeschickt. So erklärte er per E-Mail „in den Unfall involviert gewesen zu sein“.

Die Mutter des Opfers musste lange Zeit stationär behandelt werden und ist heute noch nicht arbeitsfähig. Zum Prozess erschien sie nicht, sondern wurde durch Rechtsanwalt Dr. Martin Paringer vertreten. Verteidiger, Rechtsanwalt Martin Jais aus Landshut wies darauf hin, dass sein Mandant nicht vorbestraft sei und hoffte auf eine angemessene Geldstrafe.

Das Schöffengericht orientierte sich am Antrag der Staatsanwältin. Der Führerschein wird auf weitere 24 Monate gesperrt. 

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