Totschlag-Prozess 

Eigener Sohn traut Frauenarzt die Tat zu

Paukenschlag am elften Verhandlungstag im Totschlagsprozess gegen den ehemaligen Erdinger Frauenarzt Prof. Michael B.: Sein eigener Sohn (29) traut ihm die Tat zu.

Erding/Landshut Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Landshut wird Prof. Dr. Michael B. (57) vorgeworfen, seine Frau Brigitte (60 †) am 4. Dezember 2013 im Haus in Pretzen brutal verprügelt und erstickt zu haben. Sein Sohn (29) aus erster Ehe beantwortete die Frage eines Nebenkläger-Vertreters, ob er seinem Vater die Tat zutraue, mit einem klaren „Ja“.

Der 29-Jährige und ein Adoptivsohn B.’s gaben Einblicke in die beiden Ehen des Frauenarztes. Drei Kinder aus erster und eine Tochter aus zweiter Ehe machten dagegen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Gerrit S., Sohn der Getöteten, der vom Angeklagten adoptiert wurde, schilderte, wie seine geschiedene Mutter in Osnabrück Sekretärin von B. wurde. Sie habe ihn von Anfang an angehimmelt. Zunächst hätten die beiden ihre Beziehung geheim gehalten – aus familiären Gründen und weil Schwierigkeiten mit dem katholischen Klinikbetreiber zu erwarten waren. B.’s erste Ehefrau habe dafür gesorgt, dass er in Osnabrück und später in Bremen seine Chefarzt-Anstellungen verlor. Nach B.’s Entlassung in Bremen habe sich die „große Liebesbeziehung“ verändert. Seine Mutter Brigitte habe aber nach wie vor B.’s „Abstieg“ vom Chefarzt zum „normalen Frauenarzt“ verteidigt.

Weiter sagte Gerrit S. aus, dass ihm seine Mutter am 2. Dezember 2013 telefonisch mitgeteilt habe, dass es ein Problem gebe, aber keine Details genannt. Er selbst wollte am 4. Dezember mittags mit seiner Mutter telefonieren. Da habe sie ihm gesagt, dass sie ihren Mann zur Tür bringe und sich gleich melde. Das sei aber nicht geschehen. Auch habe er sie nicht mehr erreichen können.

Am Abend des 4. Dezember habe ihm der Stiefvater ihren Tod dann auf merkwürdige Weise mitgeteilt: „Mama tot, hatte mehrere Traumata, und eine Weinflasche lag da.“ Nie habe er von B. gehört, dass sie ermordet wurde und er es nicht gewesen sei.

Breiten Raum nahmen auch die finanziellen Angelegenheiten und Erbstreitigkeiten des Frauenarztes ein. Gerrit S. zeigte sich irritiert, dass ein Ordner mit dem „Vermächtnis“ seiner Mutter, von dem sie ihm vor ihrem Tod erzählt habe, nie mehr aufgetaucht sei.

Alles andere als gut auf den Frauenarzt zu sprechen, war auch sein Sohn Felix B. aus erster Ehe. Die Stalking-Vorwürfe gegen seine Familie bezeichnete er als abstrus und Unsinn: „Meine Mutter hatte doch kein Interesse, ihm zu schaden. Sie war ja finanziell von ihm abhängig. Er war es, der in bitterbösen Briefen und E-Mails meine Mutter, meine Geschwister und mich als Erbschleicher und Heuchler diffamiert hat.“

Dann der Paukenschlag: Er könne sich durchaus vorstellen, so der 29-Jährige, dass seinem Vater wegen des ständigen Streits mit seiner zweiten Ehefrau wegen der Altfamilie und Geld der „Kragen geplatzt“ sei. Und auf die direkte Frage von Rechtsanwalt Rene Lancker, der den als Nebenkläger auftretenden Adoptivsohn vertritt, ob er seinem Vater die Tat zutraue, kam ein klares „Ja“.

Ein wasserdichtes Alibi präsentierte der Bruder der Getöteten, den der Frauenarzt als möglichen Alternativtäter ins Spiel gebracht hatte: Der 79-jährige Rentner legte einen Bankbeleg vor, nach dem er am Nachmittag des Todestages in Münster bei einer Bank 200 Euro in bar auf sein Konto eingezahlt hatte.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.


Walter Schöttl

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