Totschlagprozess 

Ex-Frau rechnet mit Frauenarzt ab

Im ersten Schwurgerichtsprozess gegen den ehemaligen Erdinger Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. (57) hatte seine erste Ehefrau noch von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Bei der Neuauflage rechnete sie mit ihm ab.

Erding/LandshutIm ersten Schwurgerichtsprozess gegen den ehemaligen Erdinger Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. (57) hatte seine erste Ehefrau noch von ihrem Schweigerecht Gebrauch gemacht. Bei der Neuauflage rechnete sie nicht nur mit ihm ab, sondern bestätigte auch, dass sie ihm zutraue, seine zweite Ehefrau Brigitte (60 †) getötet zu haben. Diese war am 4. Dezember 2013 brutal geschlagen und dann erstickt worden.

1982, so die Ex-Frau (54) am Dienstag als Zeugin, habe sie „Michael“, wie sie ihn während ihrer gesamten Aussage nannte, kennen gelernt und vier Jahre später geheiratet. 15 glückliche Jahre habe sie mit ihm verbracht, vier Kinder geboren. In der Ehe habe sie den impulsiven und emotionalen Part gehabt, er sei Diskussionen aus dem Weg gegangen und habe sich in Schweigen ergangen. „Er war der Boss, ein Machtmensch. Mir gegenüber hat er den Sekretärinnenstil an den Tag gelegt.“ B. habe auch aufbrausend werden können, aber seine Kinder geliebt: „Deshalb war ich völlig erschüttert, dass er nach der späteren Trennung jeglichen Kontakt abgebrochen hat.“

Spätestens 2003/04 sei ihr klar geworden, dass B. fremdgehe. 2004 sei es zur Trennung gekommen. Nur einmal sei er noch nach Hause gekommen: „Da hat er alte Kamellen ausgepackt, mich und die Kinder mit Vorwürfen überschüttet und war super aggressiv.“

Ihr Ex-Mann, so die Lehrerin, habe gut schauspielern und auf Kommando heulen können. Er habe es verstanden zu manipulieren, sei aber offenbar auch manipuliert worden. Er habe sie als aggressiv, herrschsüchtig und geldgierig hingestellt, ihr sogar das Jugendamt auf den Hals gehetzt, erzählte die Ex-Frau. Sie selbst habe nie Rufmord begangen. Damit widersprach sie der Aussage ihres Ex-Mannes, sie habe in Osnabrück und Bremen bei seinen katholischen Arbeitgebern wegen seines Verhältnisses mit der Sekretärin „interveniert“. Vielmehr, so die 54-Jährige, sei sie vom Klinikleiter informiert worden, dass ihr Mann fremdgehe.

Das Trennungsjahr sei noch nicht rum gewesen, da habe ihr Mann die Ehe-Annullierung angestrebt, sei aber damit gescheitert. Noch während der Ehe und in der Trennungszeit habe B. viele „Baustellen“ gehabt. So habe er Privat-Abrechnungen gefälscht und sich sogar den Stempel und Rechnungsblöcke eines Buchhandels besorgt, um damit für die Steuer gefälschte Rechnungen zu erstellen. „Dabei hatten wir Geld im Überfluss, aber er hatte immer Existenzängste.“

Großen Ärger habe es auch um das Erbe seiner Eltern gegeben: „Mehrfach wurde versucht, das Testament zu ändern, unsere vier Kinder zu enterben und Biggi und ihre beiden Kinder als Erben einzusetzen. Da hat sie uns in Briefen sogar als Ratten bezeichnet, Michael seine Kinder als Verbrecher. Ihrer beider Ziel war es, dass wir verarmen.“

Nach dem Freispruch im ersten Prozess hatte B. seine Töchter spontan umarmt: „Für die Pressefotografen“, sagt die Ex-Frau. Danach habe er wieder nichts mehr von ihnen wissen wollen. Sie selbst sei wieder glücklich verheiratet und nicht auf Rache aus: „Ich bin total froh, dass alles so gekommen ist.“ Und auf die Frage, ob sie ihrem Ex-Mann die Tat zutraue: „Ich traue grundsätzlich jedem Menschen etwas zu und wenn jemand so drangsaliert wird wie er, dann ihm auch eine Übersprungshandlung.“

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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