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Der wegen Tötung seiner Ehefrau angeklagte Frauenarzt Michael B. am 26. April im Gerichtssaal des Landgerichts Landshut zwischen seinen Verteidigern.

Prof. Dr. Michael B.

Totschlagprozess um Frauenarzt: Kein exakter Todeszeitpunkt feststellbar

Über 100 Blutergüsse wies Opfer Brigitte B. auf. Dies sagte der Rechtsmediziner im Totschlagprozess gegen den Erdinger Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. aus.

von Walter Schöttl

Erding/Landshut Mehr als drei Stunden lang erstattete Rechtsmediziner Professor Dr. Wolfgang Keil am Dienstag den Obduktionsbericht für die getötete Gynäkologen-Ehefrau Brigitte B. (60 †). Die Frage nach dem exakten Todeszeitpunkt, die für den Prozessausgang von größter Bedeutung wäre, konnte aber auch der renommierte, inzwischen emeritierte Professor nicht beantworten.

Der Totschlagsprozess vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Landshut gegen den ehemaligen Erdinger Frauenarzt Professor B., dem vorgeworfen wird, seine Ehefrau am Mittag des 4. Dezember 2013 im Bad des Einfamilienhauses in Pretzen brutal verprügelt und erstickt zu haben, geht dem Ende zu. Allerdings wurde inzwischen der Fahrplan für die restlichen Verhandlungstage geändert. Nun sind für den 29. und 30. Juni die Plädoyers geplant. Das Urteil soll voraussichtlich am 20. Juli verkündet werden.

Bei der Obduktion der Leiche von Brigitte B., so Rechtsmediziner Keil, seien sofort die zahlreichen frischen und ein paar ältere Blutergüsse hauptsächlich an den Beinen und am Gesäß aufgefallen. Sofort sei die von ihrem Ehemann ins Spiel gebrachte Sturzversion verworfen und auf Fremdeinwirkung, also eine Gewalttat, geschlossen worden. Als Todesursache hat der Rechtsmediziner Ersticken infolge von Erwürgen in Kombination mit dem Zuhalten von Mund und Nase festgestellt.

Alles zum 14. Verhandlungstag

Insgesamt 35 größere Blutergüsse, darunter ein besonders auffallender in der Kinnregion, und 80 kleinere hatte Keil festgestellt. Dazu zahlreiche Kratzer wie Fingernägel-Druckstellen und Schürfungen vor allem an Mund und Nase, die möglicherweise vom Einsatz eines gröberen Textils stammten.

Insgesamt deute das Verletzungsbild auf einen Kampf hin, sagte Keil. Eine Platzwunde über der linken Augenbraue und ein Bluterguss am Hinterkopf könnten auch von einem Sturz oder Aufprall auf den gefliesten Badboden stammen. Keinesfalls könnten die Verletzungen von einem Treppensturz stammen.

Aus der Sicht des Sachverständigen ist das Tatgeschehen so abgelaufen: Offenbar sei es zu zwei Stürzen des Opfers, einer aufs Gesicht und einer auf den Hinterkopf, gekommen. Dann sei Brigitte B. an den Oberarmen festgehalten und mindestens 30 Mal mit der Faust und einem lattenartigen Gegenstand geschlagen worden. Schließlich habe sich der Täter auf ihren Rumpf gekniet, der 60-Jährigen Mund und Nase zugehalten und sie gewürgt. Das alles habe sich „in einem Zug“ binnen 10 bis 15 Minuten bis zum Todeseintritt abgespielt, wobei das Opfer schon nach ein bis zwei Minuten bewusstlos gewesen sei.

Als „besonderen Befund“ hat Keil bei der 60-Jährigen noch eine Fettleber festgestellt, die mit rund 2000 Gramm um 500 Gramm über dem normalen Gewicht gelegen habe. Trotz der hohen Gamma-Gt von 584 Einheiten (die Norm liegt bei 35) habe noch keine Leberzirrhose, allerdings ein erheblicher Alkoholmissbrauch vorgelegen. Das erkläre auch die vielen Blutergüsse durch Vitamin-K-Mangel, der sich auf die Blutgerinnung auswirke.

Weitgehend offen lassen musste der Rechtsmediziner den exakten Todeszeitpunkt. Die Temperaturmessungen, die Ausprägung der Totenstarre und der Totenflecke grenzten den Todeszeitpunkt zwischen 11.06 und 16.42 Uhr ein, wobei feststehe, dass Brigitte B. noch um 12.36 Uhr mit ihrem Sohn telefoniert habe. Allerdings gebe es Fragezeichen zu den Raumtemperaturen, die angeblich 23,4 Grad betragen hätten, und zum Einfluss der Bodenheizung, die nicht in Betrieb gewesen sein soll.

Fasse man alle Parameter zusammen, komme man auf ein „arithmetisches Mittel“, das bei 13 Uhr liege, so Keil. „Was die Wahrscheinlichkeit betrifft, will ich mich da zurückhalten“, schränkte der Rechtsmediziner ein.

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