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Mit regungsloser Miene verfolgte Frauenarzt Prof. Dr. B. das Plädoyer.

Totschlagprozess gegen Frauenarzt

Staatsanwalt zerpflückt Unschuldsversion

13 Jahre und sechs Monate Haft hat der Staatsanwalt im Totschlagprozess gegen  Prof. Dr. B. gefordert. Dessen Verteidiger halten ihr Plädoyer am Freitag.

Erding/Landshut – Für Staatsanwalt Christoph Ritter gibt es nicht den geringsten Zweifel: Der ehemalige Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. (57) hat am 4. Dezember 2013 im Einfamilienhaus in Pretzen seine Ehefrau Brigitte (60) zunächst brutal verprügelt und bis zum Ersticken gewürgt. Er forderte in seinem Plädoyer wegen Totschlags eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren und sechs Monaten.

Bei Gesamtwürdigung der Beweismittel zeigte sich der Staatsanwalt überzeugt von der Täterschaft des Angeklagten. Allerdings habe es sich um keine geplante, sondern um eine Affekttat gehandelt. Besonders kreidete er dem 57-Jährigen dessen Nachtatverhalten an, vor allem, dass er Trugspuren gesetzt habe.

Beim dreistündigen Plädoyer von Staatsanwalt Ritter zeigte Prof. B. wie schon während des gesamten Prozessverlaufs keine Regung. Zunächst setzte sich der Staatsanwalt mit den Angaben des Angeklagten auseinander. Am Tattag habe Prof B. nach seiner Version gegen 12.30 Uhr das Haus verlassen und sei mit dem Rad zum Weihnachtsmarkt auf den Schrannenplatz gefahren, wo er angeblich auf seine Frau warten wollte, um für sie das Auto einzuparken. Als sie nicht erschienen sei, sei er zur Praxis gefahren und dort gegen 13.30 Uhr eingetroffen. Gegen 19 Uhr sei er dann nach Hause zurückgekehrt, habe seine tote Frau gefunden, die noch aus einer Platzwunde über dem Auge geblutet habe. Er habe bei einem Nachbarn Hilfe geholt, sei dann völlig verzweifelt gewesen.

Das sei widerlegt, erklärte Staatsanwalt Ritter. Allerdings gebe es Probleme mit der Spurenlage, weil Kripo-Beamte dem Frauenarzt erlaubt hätten, das Bad zu reinigen, nachdem er von einem alkoholbedingten Sturz als Todesursache gesprochen hatte. Erst bei der Obduktion am 5. Dezember sei festgestellt worden, dass Brigitte B.s Körper über 100 meist frische Blutergüsse aufwies und gewaltsam ums Leben gekommen war.

Punkt um Punkt widerlegte der Anklagevertreter dann die Unschuldsversion des Gynäkologen: Er habe ab dem letzten Lebenszeichen seiner Frau, einem Telefonat um 12.37 Uhr, bis zur Ankunft in der Praxis, kein Alibi. Seine Angaben zur Fahrtstrecke und -zeit seien nachweislich falsch. Das Bad sei schon vor dem Abend erstmals gereinigt worden, wie Blutspuren unter einem Kosmetikkoffer in sonst „klinisch sauberer“ Umgebung bewiesen.

Weitere belastende Indizien seien die angebliche Ahnungslosigkeit über die Alkoholkrankheit seiner Frau. Denn gegenüber Rettungskräften und Polizei habe er von einer „Pegeltrinkerin“ gesprochen. Auch mit der angeblichen liebevollen Beziehung sei es nicht so weit her gewesen: Seine dominante Frau habe ihn vor Bekannten gedemütigt.

Ins Tatgeschehen passten dagegen der an der Brille sichergestellte Blutspritzer, der bei den Schlägen auf die Ehefrau entstanden sein dürfte, sowie Blutspuren an seinen Handschuhen und am Fahrrad. Zudem gebe es Hinweise, dass der 57-Jährige die Auffindesituation manipuliert habe, unter anderem mit einer Weinflasche, die den alkoholbedingten Sturz erklären sollte. Ein Motiv, so Ritter, sei nicht eindeutig feststellbar. Weder Finanzen noch Eifersucht hätten eine Rolle gespielt. Erhebliches Konfliktpotenzial habe es allerdings wegen der früheren Familie des Frauenarztes gegeben. 

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