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Der neue Totschlagsprozess gegen den Erdinger Frauenarzt findet unter Polizeischutz vor dem Landgericht Landshut statt.

Prozess vor dem Landgericht Landshut

Tödlicher Erbstreit? Erdinger Frauenarzt verdächtigt Ex-Schwager

Überraschung im Totschlagsprozess gegen den ehemaligen Erdinger Frauenarzt Prof. Dr. Michael B.: Am zweiten Tag verdächtigte er seinen Ex-Schwager, den Bruder seiner tot aufgefundenen Frau. 

  • Am 4. Dezember 2013 wird die Ehefrau des Erdinger Gynäkologen Michael B. tot im Bad gefunden.
  •  Im Verdacht steht ihr Mann, der wird allerdings 2015 mangels Beweisen vor Gericht freigesprochen. Als sich eine Neuauflage des Verfahrens ankündigt, setzt sich Michael B. nach Chile ab - erfolglos. 
  • Seit Mittwoch (26. April) muss er sich erneut vor dem Landgericht Landshut verantworten. Er beteuert weiter seine Unschuld.

Landshut/Erding - Neben seiner Unschuld beteuerte der Arzt immer wieder, dass es in der Ehe zwar manchmal Unstimmigkeiten, aber keine massiven Streitereien gegeben habe. Die Staatsanwaltschaft sieht das auch in der Neuauflage des Prozesses anders: Möglicherweise sei ein Streit wegen des Alkoholkonsums der Ehefrau oder beziehungsweise wegen seiner Kontakte zu den vier Kindern aus seiner ersten Ehe eskaliert. Seine Ehefrau, so Michael B., habe Angst gehabt, „dass uns meine erste Familie ruiniert und versucht, an das Erbe zu kommen, wenn ich sterbe.“

Die ausführliche Befragung des 57-Jährigen durch Staatsanwalt Christoph Ritter sowie die Anwälte Rene Lancker und Constanze von der Meden – sie vertreten die Kinder aus erster Ehe als Nebenkläger – brachten den Prozess-Terminplan ins Wanken. Auffallend ruhig, sogar freundlich blieb Prof. B., selbst dann, wenn ihm Widersprüche zu früheren Angaben vorgehalten wurden.

Die eigentlich geplante Vernehmung des Sachbearbeiters der Erdinger Kripo, der einen Überblick über die Ermittlungen liefern sollte, wurde bereits auf einen der nächsten Verhandlungstage verschoben.

Themen waren dann einmal mehr der übermäßige Alkoholkonsum der Ehefrau. Von dem will der Gynäkologe erst am Tag vor ihrem Tod Kenntnis erlangt haben, als die Ergebnisse einer Blutprobe per Fax in seiner Praxis eingegangen seien.

Tote Ehefrau soll mit ihrem Bruder wegen Erbschaftsangelegenheiten zerstritten gewesen sein

Als er sie darauf am nächsten Mittag kurz vor seiner Fahrt mit dem Rad in die Stadt angesprochen habe, sei sie „fassungslos“ gewesen. Man habe sich dann auf eine „To-do-Liste“ geeinigt – allen voran, sämtliche Alkoholvorräte aus dem Haus zu entfernen.

Dass seine Frau gewaltsam ums Leben gekommen sei, habe er erst nach ihrer Obduktion erfahren, als man ihm vorgehalten habe, „dass ich damit was zu tun hätte“. Beim Auffinden der Leiche habe er nur eine Platzwunde am Kopf, nicht aber die zahlreichen Hämatome an ihrem Körper bemerkt: „Sie war ja bekleidet.“

Auch für die Feststellung der Kripobeamten, dass er sich bei seiner Befragung nie erkundigt habe, wie seine Frau ums Leben gekommen sei, hatte er eine Erklärung: „Ich war völlig geschockt.“

Dass er nie nach Tatverdächtigen gefragt habe, bestätigte der 57-Jährige. Er selbst könne nur spekulieren. Und da falle ihm der Bruder seiner Ehefrau ein. Er habe sich über Telefonate zwischen beiden gewundert, weil sie eigentlich wegen einer Erbschaftsangelegenheit zerstritten gewesen seien.

Der Bruder habe dann auch noch eine Aussteuerversicherung für die Tochter seiner Frau gekündigt und sich 18 000 Euro auf sein Konto überweisen lassen. „Das waren Fragmente, die mir durch den Kopf gingen.“

Dass er sich noch am selben Abend nach Abtransport der Leiche die Erlaubnis der Kripo eingeholt habe, das Bad zu reinigen, erklärte er damit, dass er den Kindern nicht zumuten wollte, das Blut ihrer Mutter zu sehen. Der Prozess wird am 3. Mai fortgesetzt.

Walter Schöttl

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