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Gemeinsame Sache machen Autor Wolfgang Hofer (r.) und sein ehemaliger Lehrer Walter Schäfer (l.) – hier im Gasthaus zur Post in Erding. 

Die Tour durch den Landkreis 

Im Saal soll’s brodeln

„25 Jahre ist es jetzt her, dass ich sein Lehrer war“. Walter Schäfer aus Hörgersdorf sagt das mit einer Mischung aus Stolz und Verwunderung zugleich in der Stimme.

Erding – Schließlich ist nicht alltäglich, dass ein 69-jähriger Pensionist mit einem 36 Jahre jungen Bürokaufmann aus Lengdorf – Wolfgang F. Hofer – gemeinsam auftritt. Jetzt zeigten sie ihre Kunst im Gasthaus zur Post, auf Einladung des Kreisvereins für Heimatschutz und Denkmalpflege.

„1993, als Wolfgang noch ein Bub in der Grundschule Lengdorf war, nahmen wir mit seiner ganzen Klasse als sogenannten Verkehrsrap das Lied ,Jetzt oder nie‘ in einem Musikstudio bei Bockhorn auf. Damit gewannen wir, völlig unerwartet, den Bayerischen Kreativitätspreis und wurden sogar Bundessieger“, erinnert sich Walter Schäfer. Mit den 3000 Mark Siegesprämie unternahm die Klasse dann einen mehrtägigen Ausflug zum Mirower See in Mecklenburg. „Denn damals waren einige Schüler aus dem Osten Deutschlands zu uns nach Oberbayern gekommen“. Danach verloren sich die gemeinsamen Spuren von Lehrer und Schüler. Bis der Lehrer plötzlich, vor etwa zwei Jahren, ein Interview mit seinem ehemaligen Zögling las und Kontakt zu ihm aufnahm.

Hofer hatte sich in der Zwischenzeit einen Namen als kreativer Schreiber für Lyrik und Prosa gemacht, veröffentlichte sogar einen kleinen Gedichtband im Eigenverlag. Was also lag näher, als gemeinsam aufzutreten: „Zwar bin ich eher Rockmusiker, spiele Gitarre, Klavier und etwas Schlagzeug. Aber auch Texte, wie sie Wolfgang schreibt, liegen mir“, sagt Schäfer. Und so touren sie durch ihre nähere Heimat, Walter singt und spielt, Wolfgang liest dazwischen vor. „Wir haben es gerne, wenn’s im Saal brodelt“, outen sich die Zwei vor ihrem Auftritt. Doch bei gerade einmal 20 Gästen im Publikum ist das so eine Sache mit dem Brodeln. Dabei sind die Texte und Lieder der beiden Künstler durchaus hörenswert und hätten ein größeres Auditorium verdient.

Sie sprechen dabei Themen wie das Altern an, den Reiz von übervollen Geschenkkörben an Festtagen, erzählen Lausbuben-Geschichten oder von der toten Hedwig Gruber und ihrem giftgrünen Sofa. Sie erzürnen sich in Noten und Versen über den viel zu hohen Fleischverbrauch, über die Preiß’n, „die aus dem hohen Norden hierher ziehen und sich dann über alles aufregen“. Auch das „greislige Wetter“, Erlebnisse aus der Rückspiegel-Perspektive während einer Autofahrt oder ein Song über den „Plastik-Hiasl“, der die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt hat, kommen vor. Sie lassen sich ironisch-zynisch aus über Glyphosat und die Isental-Autobahn, oder über jenen Hahn, der sich aus Liebeswahn dorthin flüchtet und prompt unter die Räder kommt.

Dieses Mal haben sie sogar einen dritten Mann mitgebracht: Michael Fröhlich. Der 44-jährige IT-Experte aus Thann bei Lengdorf ist aber weder Sänger noch Musikant, er ist zertifizierter Erzähler. Und so spricht er, durchaus engagiert und mit viel Pathos, über ein Thema, das keinesfalls sexy ist, über den Zweifel. „Niemand möchte sich damit abgeben und doch tun wir es alle, täglich. Mich zum Beispiel plagt die Frage, warum der Herrgott dünne Menschen geschaffen hat und mich.“ Die Antwort bleibt an diesem unterhaltsamen Abend offen, aber vergnüglich war’s insgesamt schon.

FRIEDBERT HOLZ

Nächste Termine

Walter Schäfer und Wolfgang Hofer treten auf: am 31. März im Heimatmuseum Dorfen, am 6. April im Café Herzstück in Pastetten und am 5. Mai im Dachkammerl Maierklopfen.

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