Buntes Mahnmal der Krise: Die Therme als größter Tourismusmagnet war von März bis Juni und dann ab November geschlossen. Corona hat der bis vor einem Jahr boomenden Branche in Erding besonders stark zugesetzt.
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Buntes Mahnmal der Krise: Die Therme als größter Tourismusmagnet war von März bis Juni und dann ab November geschlossen. Corona hat der bis vor einem Jahr boomenden Branche in Erding besonders stark zugesetzt.

Übernachtungszahlen brechen um über 53 Prozent ein, mehr als im gesamten Raum München

Tourismus-Einbruch trifft Erding brutal

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Corona-Pandemie macht sich in der Tourismusbranche stark bemerktbar. Auf dem Erdinger Land gab es fast 750.000 Übernachtungen weniger als 2019.

Erding – Jahrelang war Erding der Tourismus-Primus im Großraum München. Dank Therme, Messe und Flughafen legte kein Landkreis derart große Wachstumsraten hin wie Erding. Umso tiefer ist der Fall, der Corona dem hiesigen Fremdenverkehr im ersten Pandemiejahr beschert hat. Das zeigen vom Statistischen Landesamt veröffentlichte Daten.

654 000 Übernachtungen wurden voriges Jahr im Erdinger Land gezählt. Das sind 745 000 weniger als 2019, was einem Rückgang um 53,2 Prozent entspricht. „Damit erleidet der Landkreis den größten Einbruch im Münchner Umland“, teilt Landratsamtssprecherin Nicole Tietze mit. Die einst so goldenen Urlaubszahlen sind auf das Niveau von 2009 zurückgefallen, einer Zeit, in der Tourismus erst so richtig angekurbelt wurde.

Der Einbruch lässt sich leicht begründen, denn der bisherige Erfolg beruht auf Einrichtungen, die von den Lockdwons besonders schwer getroffen sind. Am Münchner Flughafen brachen die Zahlen der Starts und Landungen ab März 2020 teils um über 90 Prozent ein. In der Messe München in Riem blieben die Hallen ausgerechnet nach der auch für Erding so wichtigen Reisemesse f.re.e. (vormals Caravan & Boote) ab Februar vollständig leer. Vor allem die Therme hatte nur im Sommer geöffnet – mit deutlich begrenzter Besucherzahl. Sie gilt als DER Tourismusmagnet in der Region. Pensionen und Hotels sind aber auch Tausende Gäste entgangen, die das Oktober- und das Herbstfest besuchen.

Bei dieser Bilanz ist es nur ein schwacher Trost, dass Erding im Vergleich zu Freising, Dachau, Ebersberg, Mühldorf, Starnberg und Fürstenfeldbruck immer noch die höchsten Zahlen aufweist und im Umland der Metropole nach wie vor auf Platz eins steht.

Nur der Jahresbeginn 2020 war noch vielversprechend. Im Februar wurde mit 106 700 Übernachtungen noch einmal ein kräftiges Plus im Vergleich zum Februar 2019 mit 98 123 Nächten erzielt. Danach ging es steil bergab. Im März – am 16. begann der erste Lockdown – waren es nur noch knapp 50 000 Übernachtungen (2019: 111 500). April und Mai war es besonders düster: 18 200 und 20 000 Nächte (Vorjahr: 112 200/111 000). Im Juni gab es die ersten Lockerungen, die Übernachtungszahlen gingen wieder leicht nach oben: 32 400 im Juni, 65 500 im Juli, 81 400 im August und 70 700 im September. Doch auch hier: kein Vergleich zu den Vorjahren, in denen in dieser Zeit zwischen 120 000 und 145 000 Übernachtungen gezählt wurden. 2021 begann unverändert ernüchternd: Aufgrund der Kontaktbeschränkungen und Reiseverbote verzeichnete die Branche im Januar nur 18 800 Übernachtungen, in erster Linie keine Erholungssuchenden, sondern Arbeiter und Geschäftsreisende.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist alarmiert. „Das Gastgewerbe erlebt eine historisch einmalige Krise, die auch die Beschäftigten mit voller Wucht trifft“, diagnostiziert NGG-Geschäftsführer Georg Schneider. Bund und Länder müssten „endlich einen Plan vorlegen“, wie es ab dem Frühjahr weitergeht. Noch ist offen, ob es zu den Osterferien Anfang April Lockerungen gibt. Angesichts wieder steigender Infektionszahlen sollte man sich nicht zu viel erwarten. „Wenn die Politik jetzt keine Öffnungsperspektive bietet, droht vielen Betrieben das Aus und den Beschäftigten Arbeitslosigkeit“, so Schneider. Die NGG erinnert auch an die örtlichen Zulieferbetriebe, die nicht minder litten.

Gastronomie und Hotellerie dürften nicht zum Infektionsherd werden. „Aber die Beschäftigten haben bereits vorigen Sommer gezeigt, dass sie geeignete Schutzkonzepte optimal umsetzen können“, so Schneider. Für die Mitarbeiter fordert die NGG ein Mindest-Kurzarbeitergeld von 1200 Euro. Auch nach vorsichtigen Öffnungen seien die Mitarbeiter noch monatelang darauf´ Kurzarbeitergeld angewiesen.

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